Zuchwil/Gerlafingen
Kündigung nach zehn Jahren Arbeit, ein ganzes Team wurde einfach ersetzt

Eineinhalb Jahre vor der Pensionierung verliert eine Reinigungsfachfrau ihre Stelle. Die finanziellen Folgen sind bitter.

Urs Byland
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Die Arbeit wird nun neu für die Hälfte des vorherigen Lohnes erledigt (Symbolbild).

Die Arbeit wird nun neu für die Hälfte des vorherigen Lohnes erledigt (Symbolbild).

Maria Schmid

Etwas muss man der Reinigungsfachfrau Madeleine Loretz aus Gerlafingen zugestehen. Sie ist hartnäckig und drängt darauf, dass das, was ihr widerfahren ist, geschrieben wird. Bestärkt in ihrer Hartnäckigkeit wurde sie von nicht geringerer als der Regierungsrätin Susanne Schaffner, die Loretz in dieser Sache aufsuchte.

Abfindung wurde angeboten

Madeleine Loretz sowie ihrem gesamten Reinigungsteam wurde im Sommer letzten Jahres mitten im Lockdown von ihrem Arbeitgeber in Zuchwil gekündigt. Sie arbeitete seit fast zehn Jahren in diesem Unternehmen. Wie der Kündigungsprozess abgelaufen ist, darüber kann hier nicht geschrieben werden, denn Loretz hatte eine Stillschweigevereinbarung unterzeichnet. «Da war ich voreilig», sagt sie nun, aber sie habe aus Furcht um die angebotene Abfindung unterschrieben.

Diese Abfindung soll laut Abgangsvertrag die nicht mehr möglichen Pensionskassenbeiträge bis zur Pensionierung ersetzen. Während die Firma trotz Coronapandemie, in diesem Fall gerade wegen der Pandemie, wirtschaftlich florierte, wurde Loretz anderthalb Jahre vor der ordentlichen Pensionierung gekündigt. In ihrem Reinigungsteam, dem ebenfalls gekündigt wurde, hat es zudem mehrere ältere Arbeitnehmer erwischt, die kaum eine Chance auf eine Anstellung haben.

Doppelt und gar dreifach bestraft

Loretz erhielt, wie sie sagt, einen guten Lohn und hatte genügend Zeit für ihre Arbeit zur Verfügung. Das Reinigungsteam wurde ersetzt. Die Firma hat die Gebäudereinigung outgesourct.

«Die reinigen jetzt zum halben Lohn und in der halben Zeit.»

Die Konsequenzen für Madeleine Loretz sind gravierend. Erstens wollte sie eigentlich ihr Guthaben in der Pensionskasse drinnen lassen und erst mit der ordentlichen Pensionierung die Rente beziehen. Nun wurde sie bereits im letzten Jahr berentet und erhält eine geringere Rente als vorgesehen. Zweitens erhält sie als Alleinstehende von der Arbeitslosenkasse nicht 80 Prozent des bisherigen Lohns von 5630 Franken (inklusive 13. Monatslohn), sondern nur 70 Prozent des Monatslohns (ohne 13. Monatslohn).

Neuer Artikel gilt hier nicht

Drittens wird ihr die Pensionskassenrente als Ersatzeinkommen vom Arbeitslosengeld abgezogen. So bleiben ihr aktuell zwischen 2720 Franken und 3230 Franken (nach Abzug der AHV-Beiträge) plus die Pensionskassenrente von 675 Franken.

Loretz macht diese reglementarische Pflicht zum Rentenbezug bei Auflösung des Arbeitsverhältnisses zu schaffen. Regierungsrätin Susanne Schaffner hat im Gespräch darauf hingewiesen, dass sie möglicherweise von einem neuen Artikel (Art. 47a BVG) im Bundesgesetz über berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) profitieren könnte.

Dieser sieht vor, dass eine versicherte Person, die nach Vollendung des 58. Altersjahres aus der obligatorischen Versicherung ausscheidet, weil das Arbeitsverhältnis vom Arbeitgeber aufgelöst wurde, die Versicherung weiterführen kann, aber natürlich auf eigene Kosten.

Ihre Pensionskasse würde erst mit Erreichen des Pensionsalters Altersleistungen auszahlen, die dann natürlich höher wären, als die jetzigen. Aber eben, dieses neue Gesetz trat per 1. Januar 2021 in Kraft. Berücksichtigt wurden auch noch Personen, denen bis Ende Juli gekündigt wurde. Loretz fiel nicht in diese Kategorie. Sie unterschrieb den Kündigungsvertrag Ende Juni.

Zusätzlich auch noch Abzüge

Loretz wird doppelt bestraft. Sie muss nicht nur die Pensionskassenrente früher beziehen, diese wird ihr zusätzlich als Einkommen vom Arbeitslosengeld abgezogen. Madeleine Loretz ist wegen einer unnötigen Kündigung der Teppich unter den Füssen weggezogen worden.

Sie könne zwar alle Rechnungen zahlen, sei aber auf finanzielle Unterstützung durch ihren Sohn, ihren Bruder und einen Kollegen angewiesen, sonst würde sie sich verschulden und in die Armut fallen. All ihre Hartnäckigkeit macht die wirtschaftliche Situation für Loretz nicht besser. Aber ihre Geschichte, die wurde nun geschrieben.

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