Zuchwil
Stefan Hug zum Abschied: «Habe in meinem Leben nie so viel gelernt wie in diesen acht Jahren»

Zuchwils alt Gemeindepräsident Stefan Hug erlebte die acht lehrreichsten Jahre seines Lebens.

Urs Byland
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Das Zepter wird innerhalb der SP Zuchwil weitergereicht. Patrick Marti (links) hat von Stefan Hug das Gemeindepräsidium übernommen.

Das Zepter wird innerhalb der SP Zuchwil weitergereicht. Patrick Marti (links) hat von Stefan Hug das Gemeindepräsidium übernommen.

Hanspeter Bärtschi

Vor acht Jahren wurde aus dem Primarlehrer und Schulleiter Stefan Hug der Gemeindepräsident von Zuchwil. Nahtlos übernahm der SP-Gemeinderat das Amt von Vorgänger Gilbert Ambühl, ebenfalls SP. Hugs Amtsführung hatte aber wenig Lehrerhaftes. Er brachte meistens einen Plan mit an die Sitzungen und war immer bemüht, Nägel mit Köpfen zu machen. Nur selten kam es vor, dass er wirklich langatmig zu einem Thema plauderte.

Zu seiner Amtsführung gehörte nicht nur das Gespür für das richtige taktische Verhalten im Ratsbetrieb, noch wichtiger war seine Flexibilität. Dabei ging es weniger darum, ein Geschäft durchzubringen. Die Mehrheitsverhältnisse im Gemeinderat waren überwiegend auf seiner Seite. Es ging darum, die Kritik der Gegnerschaft aufzunehmen und dafür zu sorgen, diese mit ins Boot zu nehmen und auch drin zu behalten.

«Wenn man mit der entsprechenden Einstellung ans Werk geht, kann man es sich doch einfacher machen», sagt Hug. «Insbesondere wollte ich nicht den Eindruck erwecken, ich sei die Weisheit in Person und wüsste alles besser.» Ein weiterer Punkt, der seine Amtsführung bestimmte, war sein ausgeprägter Wille zur Harmonie.

«Ich wollte nicht den Eindruck erwecken, ich sei die Weisheit in Person und wüsste alles besser.»

Manchmal machte aber auch er Fehler. Stefan Hug stand zu diesen. Jüngstes Beispiel ist die Gemeinderatswahl, die von der SVP bestritten wurde. Diese endet nun vorläufig damit, dass der Gemeinderat einer Gewählten den Amtsantritt verweigert, weil diese auch Verwaltungsangestellte ist. «Ich habe es vor den Wahlen verpasst, auch die SVP und die Grünen in die Überlegungen, die durchaus gemacht wurden, miteinzubeziehen», sagt Hug selbstkritisch.

Zuchwil ist unter der Federführung von Stefan Hug zu einer dynamischen Agglomerationsgemeinde geworden. Zu verdanken hat dies Zuchwil einer prosperierenden Wirtschaft mit namhaften Playern wie Johnson & Johnson, Bosch-Scintilla, Schaerer AG oder Itema AG etc., die die Gemeindekasse alimentieren.

«Wir haben in Zuchwil Platz für Firmen und wir bearbeiten Gesuche in der Verwaltung zügig», nennt Hug wichtige Parameter. Er hat Jahr für Jahr positive Rechnungen präsentieren dürfen. Es wurde ein namhaftes Eigenkapital aufgebaut und der Steuerfuss wurde von 128 auf 120 Punkte gedrückt. Die sich entwickelnde Dynamik hat aber auch viel mit dem neuen Quartier Riverside zu tun, wo ein leer geräumtes Industriegebiet wieder erblüht und in diesen Monaten in einer ersten Bauetappe fünf Gebäude mit 140 Wohnungen entstehen.

Stefan Hug, Gemeindepräsident von Zuchwil, im Quartier Unterfeld mit neuen und alten Wohnhäusern.

Stefan Hug, Gemeindepräsident von Zuchwil, im Quartier Unterfeld mit neuen und alten Wohnhäusern.

Andre Albrecht

Ebenso wichtig sind die Antworten der Politik auf die drängendsten Probleme im Dorf. Beispiele sind das viel beachtete Kinder- und Jugendzentrum Zuchwil, die eigene Spitex und das Sportzentrum. Diese Dorfinstitutionen, «Leuchttürme» nennt sie Stefan Hug, wurden in seiner Zeit gepflegt und sind heute stärker denn je verankert in der Bevölkerung. Dieses Wirken nach innen trug viel zum Erhalt eines dörflichen Charakters von Zuchwil bei. Aber hier stand Stefan Hug auch vor seiner schwersten Aufgabe. Hug hat immer dafür plädiert, die Sportplätze in der Widi zugunsten von Wohnraum aufzugeben.

War das ein Fehler oder im Gegenteil ein wichtiges Puzzleteil für ein prosperierendes Zuchwil? Die Zukunft wird es weisen. Diese Frage stellte die Dorfgemeinschaft vor eine Zerreissprobe. Aber bis heute ist sein Plan, den er mit Sicherheit hatte, aufgegangen. Die Fussballer haben eine neue Heimat gefunden, die Tennisspieler ebenfalls – «ich habe Dankesbriefe erhalten» – und auch die Eisstockschützen existieren noch. Dass die Widi nun zu einem öffentlichen Park umfunktioniert wird, ist nicht nur Verlust für wenige, sondern ein Gewinn für viele. «Ich könnte mir vorstellen, dass die Eisstockschützen sogar im neuen Park bleiben können. Aber das ist Sache zwischen der Investorin und den Eisstockschützen.»

«Ich hatte riesigen Respekt vor den Aufgaben, die mich erwarteten.»

Nicht nur die Widi, auch die nicht zustande gekommene Fusion mit Solothurn hatte das Potenzial, Unruhe in Zuchwil zu stiften. Das hat Stefan Hug früh erkannt und auflodernder Glut mit seiner besonnenen Art keine Nahrung gegeben. Er hielt Transparenz und Öffentlichkeit hoch und war Garant dafür, dass die Einwohnerinnen und Einwohner von Zuchwil das letzte Wort in bedeutenden Geschäften erhielten. Das spürten die Zuchwilerinnen und Zuchwiler.

«Ich versuchte immer, Vorlagen vors Volk zu bringen, die mehrheitsfähig waren.»

Exemplarisch sei hier nochmals der Verkauf der Widi erwähnt, der im ersten Anlauf scheiterte, aber im letzten Moment an der Gemeindeversammlung nicht bachab, sondern nach dem Eintreten zurück zur weiteren Bearbeitung geschickt wurde. «Daraufhin haben wir es besser gemacht mit einem umfassenden Workshop mit allen Beteiligten.»

Stefan Hug bei der Einweihung Badi Sportzentrum Zuchwil im Juni 2019.

Stefan Hug bei der Einweihung Badi Sportzentrum Zuchwil im Juni 2019.

Michel Lüthi/Bilderwerft.ch

Die nicht zustande gekommene Fusion – «ich bin heute noch überzeugt, dass es eine gute Sache gewesen wäre» – hat Stefan Hug dazu bewogen, noch stärker nach innen zu wirken. Die Idee der Stärkung der «Leuchttürme» war eine Antwort. Aber auch am Image der Gemeinde wurde gefeilt. «Wir werden völlig zu Unrecht negativ als multikulturell abgestempelt und als gesichtslose Ortschaft dargestellt. Das sieht man jetzt immer mehr.»

Zuhause habe ihm seine Frau Monika den Rücken gestärkt, vor allem beim nicht einfachen Start ins neue Amt. «Als ich sah, was alles auf mich zukommen wird, habe ich am Anfang gelitten. Ich hatte riesigen Respekt vor den Aufgaben, die mich erwarteten.» Hug wollte es richtig machen, wollte keinen Fehler begehen und trotzdem musste er da und dort juristische Hilfe beanspruchen. «Ich denke, heute muss ein Gemeindepräsident Jurist sein oder er stellt einen an. Man kann so viele Male ins Fettnäpfchen treten. Glücklicherweise konnte ich einige Streitigkeiten dank meiner kommunikativen Art lösen.» Sein Fazit ist wenig erstaunlich:

«Ich habe in meinem Leben nie so viel gelernt wie in diesen acht Jahren.»
Fusion Top 5 / Top 2: Kurt Fluri, Stadtpräsident Solothurn und Stefan Hug, Gemeindepräsident Zuchwil auf der Roten Brücke.

Fusion Top 5 / Top 2: Kurt Fluri, Stadtpräsident Solothurn und Stefan Hug, Gemeindepräsident Zuchwil auf der Roten Brücke.

Thomas Ulrich Und Tina Dauwalder / SZ

Am Donnerstag hatte Stefan Hug seinen Letzten. Nach seiner Ehrung an der Gemeinderatssitzung übernahm Nachfolger Patrick Marti. Mit ihm wurde parteiintern ein Nachfolger aufgebaut, der in die Fussstapfen von Hug treten muss. Wie gross die Fussstapfen des leisen Stefan Hugs sind, wird sich noch zeigen. Klein sind sie nicht.

Patrick Marti will Mitsprache stärken

Der neue Gemeindepräsident von Zuchwil ist bereits im Amt. Wie will Patrick Marti regieren und welche Legislaturziele will er verfolgen?

Worauf freuen Sie sich besonders bei der Ausübung Ihres neuen Amtes?
Patrick Marti: Auf interessante, respektvolle, inspirierende, gesellige, offene, ehrliche und bereichernde Begegnungen mit den Menschen in unserem wunderbaren und vielfältigen Zuchu, mit dem Gemeinderat, den Kommissionen und mit den Mitarbeitenden der Einwohnergemeinde Zuchwil, welche sich tagtäglich für unsere Bevölkerung einsetzen. Mit
ihnen allen gemeinsam Lösungen für ein lebenswertes Zuchwil zu erarbeiten und unser Dorf zu erhalten und zu ge-
stalten, darauf freue ich mich sehr.

Was haben Sie sich für den Amtsbeginn speziell vorgenommen, worauf wollen Sie achten?
Ich will einen respektvollen, ehrlichen, klaren und wertschätzenden Umgang pflegen und das Gemeinwohl stärken. Der Gemeinderat, die Kommissionen und die Einwohnergemeinde mit all ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind Dienstleister gegenüber der Bevölkerung und ihr gegenüber verpflichtet, in jeder Situation das Beste zu ihrem Wohle zu geben. Dieses Bewusstsein noch stärker zu entwickeln, ist mir ein wichtiges Anliegen.

Welche Ziele wollen Sie in der ersten Legislatur verfolgen?
Die Stärkung der Mitsprache der gesamten Zuchler Bevölkerung ist mein grösstes Anliegen. Ich möchte Gefässe schaffen, in welchen sich die gesamte Bevölkerung beteiligen und einbringen kann, um unser Dorf gemeinsam zu gestalten und zu entwickeln; sei dies in Mitwirkungsverfahren, einem Einwohnerrat, der allen Interessierten offen steht, Quartierräten etc.

Wenn Sie sich zum Legislaturstart von einer guten Fee etwas für Ihre Gemeinde wünschen dürften – was wäre das?
Beste Gesundheit für alle Einwohnerinnen und Einwohner von Zuchu (und der ganzen Welt), und dass alle glücklich und zufrieden leben können in einem vielfältigen, sicheren und respektvollen Umfeld.

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