Biberist

Wie kann man den Fischen den Weg am besten freimachen?

Einleitend mit einer Informationsveranstaltung startete am Mittwochabend in Biberist die öffentliche Mitwirkung zum Projekt «Sanierung Fischgängigkeit Wehr Biberist», welche bis zum 30. November läuft.

Patric Schild
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Fische sollen künftig das Wehr in Biberist einfacher passieren können.

Fische sollen künftig das Wehr in Biberist einfacher passieren können.

H. Bärtschi

Ausschlaggebend für das Projekt sind die Bundesgesetze über den Schutz der Gewässer sowie über die Fischerei. Diese besagen, dass bei Wasserkraftwerken, welche in Fischgewässern liegen und dabei ein wesentliches Wanderhindernis für die Fische darstellen, eine Durchgängigkeit geschaffen werden muss. Betroffen ist hierbei der gesamte Emmekanal mit seinen vier Kraftwerken. Dabei haben sich drei Hot-Spots herausgebildet – Kraftwerk Luterbach, Kraftwerk Untere Emmengasse sowie Wehr Biberist – wovon das Wehr Biberist das einzig unumstrittene war, weshalb dort auch mit den baulichen Massnahmen begonnen werden soll.

Anlage mit 30 Becken

Beim Variantenentscheid für den Aufstieg fiel die Wahl auf einen Schlitzpass – einer beckenartigen Fischaufstiegsanlage – mit Kanalunterquerung. Bei der zweiten Variante, in der die Fische über den Kanal geleitet worden wären, war die Funktionstüchtigkeit ungenügend. Auch ein Umgehungsgerinne wurde aus Platzmangel nicht weiterverfolgt.

Die Gesamtlänge der Anlage wird sich auf insgesamt 100 Meter belaufen, 4.1 Meter hoch sein und aus 30 Becken bestehen. Die Auffindbarkeit des Einstiegs ist dabei der entscheidendste Aspekt. «Wenn ein Fisch erst einmal in der Aufstiegshilfe drinnen ist, dann hat er das Meiste schon hinter sich und findet auch den Weg bis zum oberen Ausgang», erklärte Peter Eichenberger von der Hydro Engineering GmbH. Der Einstieg darf daher einerseits nicht durch Kiesbänke abgeschnitten werden, andererseits muss ein Sackgassen-Effekt – Fische schwimmen am Einstieg vorbei zum Wehrfuss – vermieden werden. Dafür, dass die Fische nicht fehlgeleitet werden, sorgt ein Niederwasser-Abfluss-Korridor am rechten Flussufer.

Durch ein Tor ins Unterwasser

Für den Abstieg schaute man sich zunächst die neuste Option eines Fischhebetroges an, welcher die Fische abholt und dabei wie ein Lift fungiert. «So etwas Filigranes ist für die Emme, welche Wildbachcharakter hat, nicht geeignet», sagte Eichenberger. Auch in Hinblick auf den Betriebs- und Unterhaltsaufwand wurde diese Variante relativ schnell wieder verworfen. Stattdessen wählte man das Leitrechen-Bypass-System. «Dies ist ein schräg gestellter Horizontalrechen, wo die Fische über ein Tor ins Unterwasser absteigen können», so Eichenberger.

Der definitive Abstieg erfolgt über eine sogenannte Wasserkraftschnecke, damit die Fische behutsam ins Unterwasser gelangen können und nicht durch einen Absturz Schaden nehmen oder Turbulenzen verursachen. Für den Abstieg müsste ein neuer Kanal gebaut werden, da der bisherige Rechenstandort am «Ämmesee» ungeeignet ist. «Rechtsufrig werden die Fische an den Rechen gedrückt und auf der linken Seite verlieren die Tiere aufgrund von Wirbeln die Orientierung», sagte Eichenberger. Der Plan sieht daher vor, den gesamten «Ämmesee» kurzzuschliessen und den Rechen nach weiter hinten zu verlagern.

In Etappen zum Ziel

Die vier Kraftwerke im Emmenkanal haben eine durchschnittliche Jahresproduktion von 12 GWh, was einem Stromverkauf von 1.8 Mio. Franken entspricht. Der Produktionsverlust soll so gering wie möglich gehalten werden. Hierfür wird das Projekt in vier Etappen eingeteilt. In der ersten Etappe wird ein Spülkanal gebaut, der zum Transport der Rechenreinigungsmaschine direkt in die Emme dient. Damit soll verhindert werden, dass die Maschine den Fischen während des Abstiegs in die Quere kommt.

Die zweite Etappe betrifft den untersten Teil des Fischaufstiegs, die Mauern für den Bypass sowie die Wasserkraftschnecke. Dabei käme es noch zu keinen Ausfällen. Erst mit Beginn der dritten und vierten Etappe, welche dem Bau des neuen Kanals gewidmet sind, müssen die Kraftwerke während rund drei Monate abgestellt werden. Was zu einem Verlust von rund 450'000 Franken führt. Zudem entstehen am Ende einmalige Kosten von 235'000 Franken für biologische Wirkungskontrollen, welche die Funktionstüchtigkeit der Massnahmen überprüfen müssen. «Das sind bereits ziemlich hohe Beträge für nicht bauliche Tätigkeiten», so Eichenberger. Die Gesamtkosten belaufen sich gemäss Kostenvoranschlag auf 3.84
Millionen Franken, welche mit Stromgelder von Swissgrid finanziert werden.