Aeschi

Wie die Ring-Garage vor 50 Jahren aus dem Nichts herausgestampft wurde

Vor 50 Jahren eröffneten Renate und Paul Gerspacher die Ring-Garage in Aeschi, am Wochenende wird das Jubiläum gefeiert.

Alois Winiger
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Renate und Paul Gerspacher mit einem Deux Chevaux «Ente Grün», Jahrgang 1986.

Renate und Paul Gerspacher mit einem Deux Chevaux «Ente Grün», Jahrgang 1986.

Alois Winiger

Den Grundstein zur heutigen Garage Gysin + Gerspacher AG legten Paul (77) und Renate (75) Gerspacher im Jahr 1967 mit der Eröffnung der Ring-Garage Gerspacher an der Ringstrasse in Aeschi mit Werkstatt, Occasionshandel und Vertretung der Marke Simca. Das fünfzigjährige Bestehen des Betriebs wird mit einer Jubiläumsausstellung gefeiert (siehe Kasten) und bietet Anlass für einen Rückblick.

Feiern mit einer Ausstellung

Die Jubiläumsausstellung in Aeschi ist wie folgt geöffnet: Freitag, 27. Oktober, 16 bis 21 Uhr; Samstag und Sonntag, 9. bis 17 Uhr. Ab sofort gibt es in Aeschi noch mehr französische Fahrkultur zu erleben: Neu werden auch Modelle der Marke Peugeot angeboten. Zwei Wochen vor der offiziellen Lancierung wird zudem die Crossover-Variante der neusten C3-Generation präsentiert. (mgt)

Bei vier verschiedenen Banken hatte Paul Gerspacher vorsprechen müssen für ein Darlehen von 80'000 Franken, damit er sich mit einer eigenen Autogarage selbstständig machen konnte. Dreimal bekam er Absagen. Das Risiko sei zu gross, hiess es, für einen Betrieb da draussen in Aeschi, und erst noch abseits der Hauptstrasse. Bei der seinerzeitigen Bank in Kriegstetten bekam er schliesslich den Kredit, jedoch erst, nachdem er die Bürgschaft von vier Personen vorweisen konnte; eine davon war im Verwaltungsrat der Bank. «Natürlich wäre ein Standort an der Hauptstrasse gut gewesen», sagt Paul Gerspacher, «aber hier an der Ringstrasse bei meinem Elternhaus stand mir eben Land zur Verfügung.» Dort konnte denn im Jahr 1967 auch gebaut und die Ring-Garage eröffnet werden mit Vertretung der Marke Simca. Dies als Unterhändler der Garage Howald in Solothurn, wo Paul Gerspacher eine Lehre als Automechaniker absolviert hatte. Wobei: Auf Anraten seines Vaters begann Paul zuerst eine kaufmännische Lehre. Doch nach zwei Monaten verliess er die Stelle, es sei ihm «himmu eländ» geworden im Büro.

Bei einer Zigarettenfabrik in Solothurn

Es folgten Wanderjahre als Automechaniker, in denen er unter anderem bei der Zigarettenfabrik Batschari an der Lüsslingerstrasse in Solothurn eine Stelle fand. «Diese Firma hatte neben der Fabrikation einen grossen Fahrzeugpark und etwa vierzig Anhänger, die als Kiosk eingerichtet waren und auf Festplätzen aufgestellt wurden», erzählt Gerspacher. Zurückgekehrt zur Garage Howald, begann er sein Verkaufstalent zu entwickeln. «Ich konnte einen Jaguar Typ E vermitteln und bekam dafür 600 Franken Provision. Das war damals eine ganz schöne Summe.» Unterdessen war für ihn klar, dass er selbstständig werden wollte. «Aber etwas fehlte noch, nämlich Kenntnisse über den Dieselmotor, der in den 1960er-Jahren bei Personenwagen im Aufkommen war.» Darum wechselte er 1965 zur Firma Protractor in Riedholz, fuhr zur Kundschaft hin, erledigte Servicearbeiten an Traktoren, beriet die Bauern bei der Anschaffung von Zusatzausrüstungen und verkaufte diese auch. «Im ersten Monat hatte ich bereits 1800 Franken verdient, doppelt so viel wie vorher.»

«Alles, nur kein Bauernhof», fand Renate Gerspacher

Das sei auch gut gewesen so, fügt Renate Gerspacher an, «denn wir hatten ja ein Ziel.» Sie habe von Anfang die Idee für einen eigenen Garagenbetrieb mitgetragen und zu Paul gesagt: «Ich mache alles zusammen mit Dir, aber auf keinen Fall einen Bauernhof führen.» In der Käserei in Aeschi hatte das Ehepaar Gelegenheit, quasi auf Probe im gleichen Betrieb zusammenzuarbeiten: Renate führte den Laden, während Paul – nach Feierabend als Mechaniker – die Milchannahme besorgte. «Dass ich dann später auch als Mutter in der Garage mitgearbeitet habe, war für mich selbstverständlich», sagt Renate Gerspacher, «allerdings waren wir sehr froh über Pauls Mutter, sie war für uns eine grosse Hilfe.»

Im Geschäft ging es stetig vorwärts, nicht zuletzt wegen des Entscheids, 1974 die Marke Citröen zu übernehmen, nachdem die Marke Simca verschwunden und der Erfolg der Nachfolgemarken Chrysler und Talbot ungewiss war. «Ich stellte fest, dass recht viele Bekannte von mir, die in gehobener Stellung waren, einen Citröen ID und DS fuhren», erklärt Paul Gerspacher. Zudem sei der «2 CV», besser gesagt der «Döschwo», sehr gefragt gewesen. «Ich selber war auch begeistert davon. Er wurde mein Lieblingskind und ist es geblieben. Ich restauriere auch noch heute welche.» Aber selbstverständlich lag es nicht nur an den Autos, dass die Gerspachers Erfolg hatten. «Wir waren immer für die Kundschaft da, haben versucht, jeden Kunden gleich zu behandeln. Das schaffte Vertrauen. Verträge wurden mündlich gemacht und per Handschlag besiegelt. Nicht ein einziges Mal gab es einen Reinfall.»

Das einzige Mal, bei dem sie Pech hatten, sei nicht wegen der Firma gewesen, sondern wegen ihrer seinerzeitigen Hausbank, der Bank in Kriegstetten, «die ja bekanntlich ein trauriges Ende fand», wie Paul Gerspacher sagt. «Wir hatten dort Geld angelegt, und dann wegen des Zusammenbruchs verloren. Nur gut, dass deswegen unser Betrieb nicht gefährdet war, denn wir haben immer investiert und auch ausgebaut.»

In diesem Sinne erfolgte 2005 der Zusammenschluss mit der Citröen-Garage Gysin in Solothurn zur Gysin + Gerspacher AG, um eine bessere Position im Automobilmarkt zu erreichen. Nach Erreichen des Pensionsalters setzte sich Paul Gerspacher weiterhin für den Betrieb ein, unter anderem als Präsident des Verwaltungsrats. Und auch heute noch trifft man ihm bei Botenfahrten. Oder eben beim Restaurieren eines «Döschwo».