Thomaskirche
In Biberist werden Weihnachtskrippen ausgestellt – sie sind eine «Erfindung» des Mittelalters

Im Anbau der reformierten Thomaskirche Biberist-Gerlafingen werden in der Weihnachtszeit Krippen ausgestellt. Sie haben eine lange Tradition.

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Huggler-Krippe aus Brienz.

Huggler-Krippe aus Brienz.

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Weihnachtskrippen gehören in der Schweiz genauso zur Weihnachtszeit, wie der geschmückte Tannenbaum. Viele Familien besitzen eine Krippe, welche oft von Generation zu Generation vererbt wird. Die Figuren werden am Anfang der Adventszeit aufgestellt und bleiben bis zum Dreikönigstag stehen.

Der reformierte Biberister Pfarrer Beat Hänggi sammelt seit einigen Jahren Weihnachtskrippen aus der ganzen Welt. Über 40 Krippen und Einzelfiguren aus verschiedenen Materialien und Grössen stellt er nun im Anbau der Thomaskirche aus. Etliche Konfirmanden werden mithelfen. Zusätzlich zur Ausstellung verkauft Kirchgemeindepräsident Heinz Stephani über 25 von ihm von Hand hergestellte wunderschöne Holzkrippen zugunsten der Stiftung «Denk an mich».

Das Kind in der Futterkrippe war schon für die Christen des ersten Jahrhunderts ein Symbol für die Geburt Jesu. Gemäss dem Lukasevangelium fanden Maria und Josef in ihrem Heimatort Bethlehem keinen Platz in einer Herberge und mussten deshalb in einem Stall nächtigen. Als die hochschwangere Maria dann ihren ersten Sohn gebar, legten sie das Kind in Windeln gewickelt mangels Bettchen in eine Futterkrippe für Nutztiere.

Lukas berichtet von den Hirten und Engeln, welche das Kind als erstes besuchten. Einige Tage später kamen Magier, oft als «die drei Könige» bezeichnet, aus dem Osten, welche von einem Stern geführt wurden und dem neugeborenen König der Juden ihre Aufwartung machen wollten. Nicht fehlen darf zumindest für die Kinder der Ochse und der Esel, obwohl von diesen zwei Gesellen in der Erzählung des Lukas nichts berichtet wird. Doch in einen Stall gehören nun mal Tiere und so sind auch Schafe Pflicht. All dies wird in einer Weihnachtskrippe figürlich dargestellt.

Krippe von Jutta Bielser, Pratteln.

Krippe von Jutta Bielser, Pratteln.

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Erste Krippe wurde in den Bergen Umbriens aufgebaut

Eigentlicher «Erfinder» der figürlichen Darstellung der Weihnachtsszenen soll «Franz von Assisi» (beziehungsweise der heilige Franziskus 1181-1226) gewesen sein. Franziskus kam in der Vorweihnachtszeit des Jahres 1223 auf die Idee, in den Bergen Umbriens ein neues Bethlehem zu errichten. Er wollte den Menschen vor Augen führen, in welcher Armut und Schwachheit der Sohn Gottes in diese Welt kam. Er liess an einem Höhleneingang der Ortschaft Greccio den Stall von Bethlehem nachbauen und Bauersleute aus der Umgebung die Heilige Familie, die Hirten, Könige und Engel spielen.

Im Barock wurden die figürlichen Krippendarstellungen aus Holz und Gips üppig ausgeschmückt und erweitert. Unbestrittene Welthauptstadt der Krippenkultur ist bis heute Neapel. In dessen pittoresken Altstadt beherbergt die Via San Gregorio Armeno viele Geschäfte, welche ausschliesslich Krippen und Weihnachtsschmuck feilbieten. In der Schweiz ist Brienz das «Mekka »der Krippenbauer.

Seit Ende des 18. Jahrhunderts wurde dort das Schnitzerhandwerk staatlich gefördert, damit die armen Bergbauern im Winter beschäftigt waren und einen Nebenverdienst hatten. Den Herren zu Bern war es zudem ein Dorn im Auge, dass jährlich 15000 Pfund in den Schwarzwald flossen, wo die Tradition der Krippenherstellung schon etabliert war. So liess man Schnitzer aus dem Süddeutschen kommen, welche dieses Kunsthandwerk den Oberländern weitergaben.

Krippendarstellungen sollen uns auch heute noch vor Augen führen, dass der Sohn Gottes nahbar und erlebbar ist, weil er menschliche Gestalt angenommen hat. Gott will uns im Kind in der Krippe begegnen.

Krippe von Josef Ehringer, Meersburg.

Krippe von Josef Ehringer, Meersburg.

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Die Eröffnung der Krippen-Ausstellung findet anlässlich des Advents-Apéros der Kirchgemeinde am Mittwoch, 8. Dezember um 18.00 Uhr statt, dies mit Covid-Zertifikat. Offen ist die Krippen-Ausstellung an folgenden Tagen von 14-16 Uhr sowie jeweils kurz nach den Gottesdiensten in der Thomaskirche: Sonntag, 12. Dezember, Sonntag, 19. Dezember, Samstag, 25. Dezember Weihnachten, Sonntag, 26. Dezember Stephanstag, Freitag, 31. Dezember Silvester, Sonntag, 2. Januar Berchtoldstag, Donnerstag, 6. Januar Dreikönigstag, Sonntag, 9. Januar.

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