Stahl Gerlafingen will die Walzlinie erneuern – und einige Gebäude abreissen

Das Unternehmen Stahl Gerlafingen investiert in den nächsten Jahren einen zweistelligen Millionenbetrag in die Erneuerung der Walzlinie. Neben der Erneuerung sind aber auch diverse Abbrüche von Gebäuden angezeigt.

Urs Byland
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Das Stahlwerk Gerlafingen hat einige Veränderungen vor. (Archiv)

Das Stahlwerk Gerlafingen hat einige Veränderungen vor. (Archiv)

Hanspeter Bärtschi

In den letzten Wochen fällt Stahl Gerlafingen mit der Publikation von mehreren Baugesuchen auf. Neben Baugesuchen für neue Anlagen und Einrichtungen wurden auch diverse Abbruchgesuche für Gebäude publiziert.

Auffallend ist die geplante Erweiterung der Walzwerkkombistrasse. Dabei handelt es sich im Westen der bestehenden Walzstrasse um eine grössere Halle, die Baukosten von rund 1 Million Franken verursacht.

Für den Anbau Walzwerk braucht es mehr Platz nebenan.

Für den Anbau Walzwerk braucht es mehr Platz nebenan.

Urs Byland

«In der Walzwerkkombistrasse produzieren wir Betonstahl und Walzdraht» erklärt Lukas Stuber, Finanzchef der Stahl Gerlafingen und Mitglied der Geschäftsleitung. Dort wird Rohstahl in Form von Knüppeln zu geripptem Betonstahl oder glattem Walzdraht gewalzt (umgeformt). «Das ist unser Hauptgeschäft, in dem wir 80 Prozent des Umsatzes generieren. Diese beiden Produkte werden vor allem in der Schweiz abgesetzt.»

Die neue Halle, das heisst die darin aufgebaute neue Anlage (Kostenpunkt rund 5 Millionen Franken) dient dazu, das Endloswalzen auf dieser Produktionslinie zu ermöglichen, was bisher nicht möglich war. «Dies ist der erste Schritt eines mehrjährigen Erneuerungsprogramms dieser Walzlinie, um die Anlage produktiver und vor allem auch energetisch effizienter zu machen», so Lukas Stuber. Die Erneuerungsetappen sind für die Jahre 2021 bis 2023 geplant. Die Kosten belaufen sich auf einen zweistelligen Millionenbetrag.

«Jegliches Material lückenlos wägen»

Neben der Erneuerung sind aber auch diverse Abbrüche von Gebäuden angezeigt. An der Privatstrasse beispielsweise werden alte Veloschuppen abgebrochen. Dort wird eine neue Lastwagenwaage installiert. Im Weiteren werde auf dem Südareal ebenfalls eine neue Lastwagenwaage installiert und auf dem betriebsinternen Bahnnetz werde nebst der bestehenden statischen Bahnwaage eine zusätzliche dynamische eingebaut. «Ziel ist es jegliches Material, das zu uns kommt und weggeführt wird lückenlos zu wägen», erklärt der Finanzchef.

Mit den zusätzlichen Bahn- und Lastwagenwaagen werden die Daten neu digital übermittelt, was zu einer Verbesserung der betrieblichen Prozesse und Vereinfachung der administrativen Arbeiten beiträgt. Weiter wird die Dieseltankstelle für die Diesellokomotiven erneuert. Damit könne der Tankprozess sicher und umweltschonend durchgeführt werden.

Was abgebrochen werden darf

Die Publikationen zu den Abbrüchen mögen vielleicht der Grund für eine Aussage des Bauverwalters gewesen sein. Im Rahmen der Besprechung der Ortsplanungsrevision im Gemeinderat erklärte Ewald Kaiser: «Ein Anliegen der Ortsplanung ist es auch, identitätsstiftende Gebäude zu erhalten. Das Stahlwerk kann nicht einfach Häuser wegräumen.» Er habe das auch im Zeitungsbericht zur Gemeinderatssitzung gelesen, erklärt Lukas Stuber. «Wir haben die Gemeinde im Vorfeld schon mit ins Boot genommen.»

Das bestätigt Gemeindepräsident Philipp Heri. «Abgebrochen werden zwei Gebäude, die in einem schlimmen Zustand sind und Altlasten aufweisen. Eine Studie zeigte, dass man diese Gebäude beim besten Willen nicht erhalten kann», weiss Heri. Diese Gebäude wurden auch im Rahmen der Ortsplanungsrevision aus dem Schutzstatus entlassen.

Welche Gebäude erhalten werden

Erhalten werden sollen aber vor allem zwei Gebäude. Dabei handelt es sich um das ehemalige Direktionsgebäude im sogenannten Hirschenpark, gleich nach dem Bahnübergang rechts. Als erhaltenswert gilt auch das Zentrallager, ehemalige Schraubenfabrik.

Das ehemalige Direktionsgebäude im Hirschenpark wird von der Stahl Gerlafingen nicht mehr genützt und ist als erhaltenswertes Gebäude eingestuft.

Das ehemalige Direktionsgebäude im Hirschenpark wird von der Stahl Gerlafingen nicht mehr genützt und ist als erhaltenswertes Gebäude eingestuft.

Urs Byland

Das Gebäude entstand 1932 unter der Leitung von Robert Maillart, der für seine Pilzdecken berühmt war. «Das Verwaltungsgebäude im Hirschenpark wird von uns nicht mehr benutzt. Wir haben ein grosses Firmenareal, aber praktisch überall stossen wir bei Ausbauten und Optimierungen an Grenzen», so der Finanzchef. Stahl Gerlafingen habe die Anliegen der Gemeinde zur Kenntnis genommen und werde diese nicht in Frage stellen.