Zuchwil

«Pforte zur Integration» für Kinder und Jugendliche steht in der Kritik

Der Gemeinderat genehmigte eine Erhöhung des Gemeindebeitrages für das Kinder- und Jugendzentrum Zuchwil (Kijuzu), aber nicht ohne Nebengeräusche. Stephan Hug, Präsident Stiftungsrat, stellt sich den Fragen.

Urs Byland
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Stephan Hug hat sein Büro im Dachstock des Verwaltungszentrums.

Stephan Hug hat sein Büro im Dachstock des Verwaltungszentrums.

Hanspeter Bärtschi

Der Gemeinderat hat einer neuen Leistungsvereinbarung zwischen der Gemeinde und dem Kijuzu zugestimmt. Diese beinhaltet einen um 80'000 Franken höheren Gemeindebeitrag. Warum?

Stephan Hug: Wir haben mittlerweile höhere Personalkosten im Vergleich zu vor vier Jahren, als die bisherige Leistungsvereinbarung verabschiedet wurde. Damals hatten wir noch 23 Angestellte, heute sind es 30.

Der damit verbundene höhere Umsatz generiert aber auch mehr Elternbeiträge.

Ja, aber es fehlen uns immer etwa die 30 Prozent, für die die Gemeinde mit dem Sozialtarif geradesteht. Weiter haben wir die Stellenprozente der Leitung von 70 auf 100 erhöht. Wir zahlen auch kompetitive Löhne. Was 2018 wegfällt und ausgeglichen werden muss, ist die Anstossfinanzierung durch den Bund für die neu eröffnete Gruppe vor etwas mehr als einem Jahr.

Sie sprachen in der Gemeinderatssitzung von 40- bis 50'000 Franken Anstossfinanzierung, welche ab August 2018 fehlen.

Ja, die Anstossfinanzierung durch den Bund läuft aus, und auch die Reinigung des Gebäudes ist ein Thema. Diese erfolgte wöchentlich und als Halbjahresreinigung durch die Gemeinde. Inzwischen müssen wir aber täglich Reinigungsarbeiten durchführen, welche das Betreuungspersonal erledigt. Das kann aber auch aus Kostengründen nicht deren Aufgabe sein. Wir werden die Reinigung selber organisieren und auslagern.

Und Sie erwarten geburtenstärkere Jahrgänge, was den Umsatz erhöht. Hier verlangen Sie präventiv einen höheren Gemeindebeitrag.

Die Daten der Einwohnerkontrolle ergeben ein klares Bild: Bisher registrierten wir pro Jahrgang 70 bis 75 Kinder. Neu sind es 85 bis 95 Kinder.

Hätten Sie eigentlich nicht einen noch höheren Gemeindebeitrag einfordern müssen?

Schon. Aber wir werden aufgrund der Nachfrage an unsere Kapazitätsgrenzen der Infrastruktur stossen. In vier Jahren mit der neuen Leistungsvereinbarung werden wir über einen Ausbau diskutieren müssen. Es gibt aber noch einen weiteren Grund für die Erhöhung des aktuellen Gemeindebeitrages von 350'000 auf 430'000 Franken.

Welchen?

Betrachtet man die Grösse und die sozio-demografische Zusammensetzung der Gemeinde, haben wir relativ wenig Kinder, die wir an Sonderschulen abgeben. Wir versuchen, diese Kinder, die oft daheim in schwierige Situationen leben und Tagesstrukturen benötigen, bei uns aufzufangen. Sie werden uns zugewiesen von der Kesb oder den Sozialen Diensten, oder die Eltern werden in den Schulen Zuchwil entsprechend beraten. Sie zahlen meist den Minimaltarif, aber der Aufwand ist für uns hoch. Das ist mit ein Grund für die
Beitragserhöhung.

Sie sagen, Zuchwil gibt im Bereich Sonderschulen 200'000 Franken weniger aus als Biberist, das punkto Schülerzahlen vergleichbar, aber sozio-demografisch im Vorteil sei. Wie ist das zu verstehen?

Ja, sie zahlen mehr. Als Gemeinderat von Biberist weiss ich aber auch, dass die Gemeinde aktuell daran ist, Tagesstrukturen einzuführen mit dem Umbau des Bleichenmatt-Schulhauses, eine Entwicklung, die auch in Derendingen läuft. Das Kijuzu hat dabei für die Region eine Vorreiterrolle.

Die Statistik zeigt, dass die Deutschkenntnisse der neu eintretenden Kindergartenkinder massiv verbessert werden konnten. 2007 sprachen 55 Prozent kein Deutsch, 2016 waren es noch 6 Prozent. Fehlt hier die Anerkennung in der Gemeinde?

Mit der Anerkennung der Gemeinde Zuchwil fahren wir gut. Wir erhalten die Gelder, die wir benötigen. Was etwas falsch verstanden wurde: ich kann nicht auf den Franken genau unsere künftigen Ausgaben und Erträge belegen. Diese schwanken stark. Natürlich haben wir Erfahrungszahlen und berechnen die Budgets. Aber blicken wir zurück, haben wir von den letzten sechs Rechnungen deren vier mit einem Verlust und zwei mit Gewinn abgeschlossen. Wir brauchen gewisse Reserven.

Bemängelt wurde im Gemeinderat die mangelnde Transparenz. Nehmen Sie die Kritik ernst?

Es wurde mehr Transparenz verlangt. Nur: wir haben immer einen Rechenschaftsbericht abgegeben, wie andere Vereine oder Stiftungen auch. Wir sind ebenso transparent. Aber klar, der Rechenschaftsbericht beinhaltet nicht die Gesamtrechnung, sondern nur Schlüsselzahlen. Es darf aber auch festgehalten werden, dass die Gemeinde nicht unser Kontrollorgan ist. Die Rechnung wird von einer Revisionsfirma begutachtet und ist der Stiftungsaufsicht des Kantons Solothurn mit allen Unterlagen einzuschicken. Es gibt und gab nie Beanstandungen. Im Sinne einer hohen Transparenz sind wir aber selbstverständlich bereit, eine detaillierte Rechnung der Gemeinde abzugeben. Dagegen spricht nichts.

Sind Sie diesbezüglich im Gespräch mit der Gemeinde?

Will man nicht einfach mit einer Pauschale unsere Leistung abgelten, sondern nach Kriterien und gekoppelt an bestimmte Leistungen, dann braucht es eine Task Force, die das aufarbeitet. Es kann nicht unsere Aufgabe sein, die Finanzflüsse in der Gemeinde zu analysieren. Aber wir können mitdiskutieren, nach welchen Kriterien wir die Gelder erhalten. Da sind wir durchaus bereit, mitzuhelfen.

War nicht eine Zusammenarbeit mit der Finanzverwaltung ein Thema?

Ja, wir sind im Gespräch, aber mehr im Zusammenhang mit der ausgelagerten Buchhaltung. Wir und die Gemeinde prüfen, ob sie uns im Mandat die Buchhaltung führen könnte. Dies wäre auch für die Transparenz optimal. Ich bin zuversichtlich, dass wir eine Lösung finden. Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde ist zentral. Die Schule ist der Melting Pot der Gemeinde, das Kijuzu ist dabei die Eingangspforte für die Integration, etwa mit dem Deutschunterricht für Fremdsprachige, und die ideale Ergänzung zur Schule.

240 Kinder werden im Kinder- und Jugendzentrum betreut

2010 wurden die verschiedenen Angebote in Zuchwil von Kijuzu im Neubau auf dem Areal des Schulhauses Zelgli zusammengeführt (heute 240 Kinder). Neben der Kinderkrippe (ab 3 Monaten) und dem Schülerhort wurde auch ein Vorkindergarten (ab 3 Jahren) angeboten mit integriertem Deutschunterricht. Dazu kamen der Mittagstisch (heute zirka 70 Kinder) sowie das Angebot der Ferienbetreuung. Von 7 Uhr morgens bis abends um 18 Uhr kann eine Rundumbetreuung gewährleistet werden. Zusätzlich besteht ein Taxidienst, um die Kinder von den anderen Schulhäusern abzuholen und zu bringen. Das Kijuzu verkauft sein Angebot zu einem Sozialtarif, der mit einer Leistungsvereinbarung der Gemeinde Zuchwil abgesichert ist. Das Gebäude gehört der Gemeinde. Das Kijuzu ist durch die Gemeinde von Miete und Unterhalt entlastet. Mit dem Gemeindebeitrag übernimmt Zuchwil rund einen Drittel der Betriebskosten. (uby)