Hüniken/Etziken

Klimawandel und Globalisierung: Die Winterstürme sorgen für viel Arbeit

Die Gebrüder Flurin und Simon Zwahlen planen für ihren in Hüniken beheimateten Forstbetrieb eine neue Halle in Etziken.

Hans Peter Schläfli
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Die Brüder Flurin (links) und Simon Zwahlen führen einen Forstbetrieb und wollen in Etziken expandieren.

Die Brüder Flurin (links) und Simon Zwahlen führen einen Forstbetrieb und wollen in Etziken expandieren.

Hans Peter Schläfli

In einem Waldstück zwischen Burgäschi und dem Steinhof liegt eine mächtige Rottanne am Boden. Ein winterlicher Sturmwind hat sie mitsamt den Wurzeln umgerissen. Dort, wo die Tanne stand, ist jetzt ein Tümpel mit etwa drei Metern Durchmesser. Mit Motorsägen befreien die Brüder Simon und Flurin Zwahlen den Stamm von den Ästen.

Es ist ein Bild, wie man es in vielen Wäldern der Region sehen kann. «Wegen des Borkenkäfers müssen die Rottannen möglichst rasch aus dem Wald», erklärt Simon Zwahlen die Eile. «Dieses Holz ist gesund und der Stamm gerade gewachsen. Es wird einen guten Preis erzielen.» Der Besitzer, in diesem Fall die Burgergemeinde Oberönz, kann an diesem Stamm etwas verdienen. «Das ist nicht immer so, das Käferholz ist praktisch wertlos.»

Auch andere Familienmitglieder arbeiten im Wald

«Wir haben beide schon in der Schulzeit unser Sackgeld im Wald verdient», beschreibt Simon Zwahlen, wie er und sein jüngerer Bruder Flurin zu ihrem Beruf kamen. Der Vater, fünf Onkel und zwei Cousins sind Förster. «Ich habe mit 14 Jahren meinen ersten Traktor gekauft und damit begonnen, Brennholz zu verkaufen.» Gleich nach dem Lehrabschluss habe er die Firma gegründet, die er seit 2014 zusammen mit seinem Bruder unter dem Namen Zwahlen Forst führt.

Klimawandel und Globalisierung würden den Wäldern der Region zu schaffen machen. Das demonstriert Flurin Zwahlen an einer Esche, die gleich daneben liegt. Der Stamm ist total vermodert. «Die aus Asien eingeschleppte Pilzkrankheit hat etwa 90 Prozent der Eschen befallen.» Er zeigt in die Krone eines Baums. «Auch diese Esche treibt nicht mehr aus. Früher oder später müssen wir sie wegräumen, sonst fällt sie beim nächsten Sturm vielleicht auf den nahen Waldweg.» Eine wirksame Behandlung gebe es nicht. «Mit den Samen der Eschen, die überleben, kann man versuchen, resistente Bäume heranzuziehen. Aber das wird Jahrzehnte dauern.»

«Es gibt im Wald für alle genug zu tun»

Die Bürgergemeinden, die früher viel Geld mit dem Holz ihrer Wälder verdienten, haben ihre Forstbetriebe zusammengeschlossen, um zu sparen. In diesem schwierigen Umfeld haben die Brüder einen florierenden Forstbetrieb aufgebaut. Es sei schon schlimmer gewesen, sagt Simon Zwahlen. «Das frische Holz von guter Qualität ist mittlerweile wieder gefragter.» Die Förster der Bürgergemeinden bezeichnet Flurin Zwahlen als «Mitbewerber». «Die Arbeit im Wald ist hart und es gibt für alle genug zu tun.»

Für ihren Forstbetrieb sind sie bereit, an sechs Tagen in der Woche im Wald zu gehen. «Was wir verdienen, investieren wir sofort wieder in Maschinen, die uns die schwere Arbeit erleichtern», sagt Simon Zwahlen. Neben dem Forst gehören die Pflege von Bachborden, der Gartenbau und gelagertes Brennholz zu den Einnahmequellen. Mit ihren modernen Maschinen können die Brüder auch in einem Wohnquartier einen grossen Baum aus einem Garten entfernen, ohne die Häuser zu beschädigen.

Welche Zukunft erwarten die Brüder für die Waldwirtschaft? «Ein Mischwald ist bei uns die beste Lösung, Monokulturen sind zu einem Risiko geworden», meint Simon Zwahlen. Die Rottanne werde nicht ganz verschwinden, aber sich wohl eher in die Höhenlagen zurückziehen. Laubbäume bekommen mehr Platz. «Wir sollten es aber nicht übertreiben. Jetzt werden Monokulturen mit Eichen gefördert. Langfristig ist auch das ein Risiko.»

Eine Heizzentrale in Etziken

«Man muss vielseitig sein und sich neuen Anforderungen rasch anpassen», verrät Simon Zwahlen das Erfolgsrezept. Für ihre schweren Maschinen wollen die beiden jungen Förster nun in Etziken eine neue Halle bauen. «Dort können wir bei schlechtem Wetter die Maschinen warten und Brennholz verarbeiten.»
Mit den anfallenden Holzschnitzeln möchten sie zudem eine Heizzentrale betreiben. «Wir wollen die benachbarte Industrie CO2-neutral mit Wärme versorgen. Das Interesse ist vorhanden. Und wir könnten dann auch den Wald etwas schöner aufräumen, indem wir ansonsten wertloses Holz zum Heizen verwenden.»

Die Ideen gehen Simon und Flurin Zwahlen nicht aus, und deshalb möchten sie in absehbarer Zeit auch noch einen Cousin in ihre Firma aufnehmen.