Biberist

«Insectophobie-Ausstellung»: Faszination versus Angst und Ekel

An der «Insectophobie-Ausstellung» in Biberist wurden über 500 Spinnen und Insekten gezeigt. Die Besucher reagierten teils ängstlich und angeekelt, aber auch fasziniert.

Agnes Portmann-Leupi
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Weder Angst noch Ekel: Der vierjährige Sämi mit der Vogelspinne – und Onkel Thomas passt gut auf.

Weder Angst noch Ekel: Der vierjährige Sämi mit der Vogelspinne – und Onkel Thomas passt gut auf.

Agnes Portmann-Leupi

«Dieser Spinne möchte ich nicht begegnen», bemerkt eine ältere Frau an der besonderen Ausstellung in der Biberena zu ihrer Begleiterin. Begreiflich. Die besagte Spinne heisst Theraphosa blondi und darf sich laut Guinness-Buch der Rekorde als grösste Vogelspinne der Welt bezeichnen. Ihr Körper ist bis zu 15 Zentimeter lang und ihre Beinspannweite beträgt rund 30 Zentimeter.

Fühlt sie sich bedrängt, gibt die stark behaarte Spinne zischende Laute von sich. In den 80 Terrarien lassen sich die verschiedenen Vogelspinnen bewundern: prächtige gefärbte Exemplare, in Hellbraun mit Ringelmuster, in Orangerot, Kaffee-, Rost- oder Kastanienbraun, stark oder leicht behaart.

Biss einem Wespenstich gleich

Weder Angst noch Ekel davor zeigt der vierjährige Sämi. Er strahlt die krabbelnde Crammostola porleri, die als friedlich und ruhig gilt und bis zu 20 Jahre alt werden kann, auf seinem Arm geradezu an. Auch die vorerst verzerrten Gesichtszüge von Aline Rettenmund gehen in ein Lächeln über, als sie die gleiche Spinne auf ihrem Arm hält. «Eigentlich habe ich Panik vor Spinnen.» Aber im Wissen, dass diese unter Kontrolle sei, empfinde sie das Ganze als gar nicht so schlimm. «Vielleicht steht es nun in Zukunft besser um meine Angst», hofft sie.

Giovanno Neigert, der Initiant und Besitzer der mobilen Ausstellung, beruhigt: «Spinnen haben kein Interesse, Menschen zu beissen.» Sie würden nur zubeissen, wenn sie sich extrem bedroht fühlten. Der Biss der meisten Vogelspinnen sei zwar schmerzhaft, aber harmlos und mit einem Wespenstich zu vergleichen. Einmal pro Woche füttert Giovanno Neigert seine Spinnen mit Wüstenheuschrecken und Grillen. Die grossen Exemplare bekommen pro Monat obendrein eine kleine Maus. «Die Spinnen verstoffwechseln sehr langsam, eine Vogelspinne kann sechs Monate ohne Nahrung auskommen.»

Geburtstagsgeschenk mit Folgen

Die zahlreichen Besucher interessieren sich aber auch für die Riesentausendfüssler, Achatschnecken oder Riesengespenstschrecken, die ihren Namen ihrem Aussehen verdanken. Beachtung erwecken etwa auch Kaiser- und Texasskorpione, die Fauchschaben – sie geben fauchende Geräusche von sich – und die Litschi-Stinkwanze, die an den Zweigen des Litschibaumes saugt. Die Ausstellung informiert zudem über Lebensräume, Gewohnheiten, Anatomie und Nahrung der Tiere.

Giovanno Neigerts Begeisterung für Spinnen löste das Geschenk einer Vogelspinne aus, die ihm seine Mutter zum 15. Geburtstag schenkte. Es gesellten sich immer mehr Spinnen und Insekten dazu. Um das Hobby zu finanzieren, stellte er seine Sammlung vor vier Jahren erstmals in seinem Heimatdorf, dem deutschen Feuchtwangen, aus. Es wurde ein Erfolg. Regelmässig ist der 32-Jährige nun mit der mobilen Ausstellung unterwegs. Vor anderthalb Jahren hat er sein Hobby zum Beruf gemacht und die dafür notwendige Prüfung im Nürnberger Zoo abgelegt. «Ich liebe meinen Job», sagt er. «Wer kann das schon von sich sagen?»