Hersiwil/Halten

Hier kann der Biber machen, was er will – sein Wirken ist nach zwei Jahren deutlich zu erkennen

Im Biberrevier in Hersiwil/Halten wurde vor zwei Jahren ein Monitoring gestartet. Es zeigt sich: Viele Tierarten profitieren vom Wirken des fleissigen Baumeisters.

Rahel Meier
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Biberrevier "Schnapshölzli" in Hersiwil/Halten
25 Bilder
So sah es vor zwei Jahren aus. Der Teich war noch komplett offen.
Biber marschiert weg ...
... und kommt mit einem Ast retour.
Vor Ort wird auf das Revier aufmerksam geamacht.
Das Biberrevier ist in den letzten beiden Jahren stark überwachsen.
Das Biberrevier ist in den letzten beiden Jahren stark überwachsen.
Hier hat der Biber Ahornbäume gefällt und eine kleine Lichtung geschaffen.
Angrenzend an das Biberreservat werden die Felder landwirtschaftlich genutzt.
Das Biberrevier ist in den letzten beiden Jahren stark überwachsen.
Das Biberrevier ist in den letzten beiden Jahren stark überwachsen.
Der Biber trampelt sich Pfade, die er immer wieder nützt.
Der Biber trampelt sich Pfade, die er immer wieder nützt.
Der Biber trampelt sich Pfade, die er immer wieder nützt.
Der Biber trampelt sich Pfade, die er immer wieder nützt.
Alte, aber auch frische Nagespuren.
David Gerke hat eine Fotofalle aufgestellt.
Frische Spuren von Hirsch und Reh.
Frische Spuren von Hirsch und Reh.
In die Fotofalle getappt: Rechts unten ist ein Hermelin zu erkennen.
In die Fotofalle getappt: Ein Iltis.
In die Fotofalle getappt: Ein Grünspecht.
In die Fotofalle getappt: Ein Fuchs.
Eine Waldeidechse sonnt sich.
Immer wieder ziehen Rothirsche durch das Biberreservat.

Biberrevier "Schnapshölzli" in Hersiwil/Halten

Rahel Meier

Der Biber. Von den einen geliebt, weil er ja so «putzig» aussieht. Von den anderen eher gehasst, weil er beträchtliche Schäden im Wald und in der Landwirtschaft anrichten kann. Seit rund zehn Jahren leben Biber am Weierbach, im «Schnapshölzli» zwischen Hersiwil und Halten. Der Hauptdamm den sie erbaut haben ist über 50 Meter lang. Dazu kommen diverse Nebenbauten.

Seit einigen Jahren gehört der grösste Teil des Biberrevieres, rund 68 Aren, Pro Natura. Darum darf der Biber hier Biber sein und nach Herzenslust bauen und Wasser stauen. «Wo Biber sich niederlassen verändern sie den Lebensraum. Davon profitieren viele andere Tierarten. Vor allem auch Amphibien.» David Gerke (Projektleiter Renaturierungen, Pro Natura) beobachtet die Biber seit vielen Jahren. Studien über den Nutzen des Bibers fehlen in der Schweiz. Die Verantwortlichen von Pro Natura haben sich deshalb im Jahr 2018 dazu entschlossen, im Biberrevier ein Monitoring durchzuführen. Tier- und Pflanzenarten wurden systematisch erhoben, um eine Momentaufnahme der Artenvielfalt zu erhalten. Nun liegt der Schlussbericht vor.

Wasserspitzmaus und Iltis gesichtet

Zehn Bereiche wurden im Biberrevier untersucht: Amphibien; Biber; Fische, Fledermäuse; Grosssäuger; Kleinsäuger; Libellen, Heuschrecken und Tagfalter; Reptilien, Vegetation und Vögel. Dazu wurde eine Fotodokumentation erstellt.

Schon fast als logische Folge zeigen die Berichte, dass im Biberrevier grosse Populationen von Grasfröschen und Erdkröten festgestellt wurden. Zudem hat sich eine Bergmolch-Population entwickelt und der Fadenmolch kann ebenfalls nachgewiesen werden. Als kleine Sensation wertet Gerke den Fund der Wasserspitzmaus. «Sie ist äussert selten und konnte im Kanton Solothurn bisher nur ein halbes Dutzend Mal nachgewiesen werden.» Auch der eher seltene Iltis und das Hermelin leben am Weierbach. Dazu kommt neben dem Baum- auch der Steinmarder.

Erwähnenswert ist für Gerke zudem, dass im Gebiet 14 Fledermaus-Arten nachgewiesen werden konnten. Speziell erwähnt er die Alpenfledermaus, von der es nördlich der Alpen nur gerade zehn Nachweise gibt, drei davon aus dem Kanton Solothurn. Profitiert hätten weiter Stockenten, Graureiher und Grünspecht. Dazu kann der Mittelspecht nachgewiesen werden. Beobachtet werden auch Blindschleichen und Waldeidechsen. «Interessanterweise fehlt aber die Ringelnatter. Mindestens haben wir bisher keine gefunden», so Gerke. 22 Libellenarten, 11 Heuschrecken-Arten und 34 Tagfalter-Arten runden das Bild ab. Obwohl eigentlich nicht als Zielart definiert, haben sich auch vier einheimische Fischarten angesiedelt. Regelmässig ziehen zudem Rothirsche durch das Biberrevier.

Insgesamt können im Biberrevier 145 verschiedene Tierarten nachgewiesen werden, dazu kommen 128 Pflanzenarten. Im Schlussbericht ist nachzulesen, dass die Fachleute, die die Aufnahmen im Auftrag von Pro Natura erstellt haben, einen eindeutig positiven Zusammenhang mit der Präsenz des Bibers festgestellt haben.

Flora und Fauna profitieren von der Bautätigkeit

Nach zwei Jahren sind die Veränderungen im Biberrevier von Auge gut sichtbar. Weil der Wald nicht bewirtschaftet wird, sind grosse Flächen überwachsen. Der Biberdamm ist kaum mehr zu finden, aus dem grossen aufgestauten Teich sind mehrere kleinere Teiche geworden. «Wir haben ein Unterhaltskonzept. Prioritär ist für uns aber, dass wir den Biber machen lassen», so Gerke. Im vergangenen Jahr wurden allerdings Goldruten, ein invasiver Neophyt, ausgerissen. Dort wo das Biberrevier an Landwirtschaftsflächen angrenzt werden ebenfalls Unterhaltsarbeiten ausgeführt, wenn das nötig ist. «Hier geht es vor allem um Bäume, die umfallen könnten.» Dazu werden immer wieder Weiden eingesteckt.

Trotz des Dickichts sind die Spuren des Bibers überall zu sehen. Er trampelt kleine Pfade quer durch den Wald und aus dem Weierbach heraus auf die Wiese. Nagespuren zeugen von seinen nächtlichen Fressgelagen. Am erstaunlichsten ist für Gerke die kleine Lichtung auf der Südseite des Biberrevieres. Dort standen Ahornbäume, die durch Gitter vor Verbiss geschützt waren. Nachdem die Schutzgitter entfernt wurden, hat sich der Biber an den Bäumen gütlich getan. Und eine kleine Lichtung geschaffen. «Tatsächlich haben wir uns vor zwei Jahren überlegt, ob wir die Bäume fällen sollen. Nun hat der Biber das für uns gemacht.» Da nun Licht und Sonne auf den Waldboden kommen, gedeihen dort andere Pflanzenarten. «So gestaltet der Biber seinen Lebensraum um.»