Gemeinderatswahlen
Wackelsitz und eine neue Gruppierung im Gemeinderat Zuchwil

Sechs Parteien kämpfen in Zuchwil um die elf Sitze im Gemeinderat. Bürgerliche wie auch Linke müssen um ihren Besitzstand bangen.

Urs Byland
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Gemeindehaus Zuchwil. Hier tagt jeweils der Gemeinderat.

Gemeindehaus Zuchwil. Hier tagt jeweils der Gemeinderat.

Urs Byland

Insgesamt 36 Personen wollen in den Gemeinderat gewählt werden. Zuchwilerinnen und Zuchwiler beweisen damit Interesse an ihrer Gemeinde. Ginge es nach Silvio Auderset (SVP), sollten aber nicht alle Zuchwilerinnen und Zuchwiler bei einer allfälligen Abstimmung über das Sportzentrum entscheiden, eines der wichtigen Themen der SVP, sondern nur die Bürgerinnen und Bürger.

«In Zuchwil beträgt die Mieterschaft 70 Prozent. Ihnen ist es egal, was mit dem Sportzentrum passiert. Wenn ihnen etwas nicht passt, können sie wegziehen»,

begründet er seine Idee.

So weit wird es aber nicht kommen, das weiss auch Auderset, der sein Gemeinderatsamt bereits zu Gunsten von Markus Mottet abgegeben hat und ein prominenter Abwesender bei der Wahl sein wird. Neben dem Sportzentrum kämpfe die SVP für gesunde Finanzen und weniger Schulden für die nächsten Generationen. «Wenn die Leute diese Themen kritisch beurteilen würden, dann müssten wir zulegen. Wir haben immer konsequent politisiert.» Deshalb liebäugelt Auderset mit dem Gewinn eines Sitzes für die SVP, «den wir an der letzten Wahl gegen die FDP knapp verpasst haben». Damals wurde der Gemeinderat von 23 auf 11 Sitze verkleinert. Die SVP schaffte es 2017, zwei der drei bisherigen Sitze zu halten.

«Die Gemeinderatswahlen sind Kopfwahlen»

Die FDP wird aber ihre drei bisherigen Sitze nicht kampflos abgeben, obwohl mit den Abgängen von Karen Bennett Cadola und Bruno Ziegler der Aderlass gross ist. «Wir haben eine gute und starke Liste», ist der übrig gebliebene Bisherige, Philippe Weyeneth, überzeugt. Die SVP habe zwar kürzlich bei den Kantonsratswahlen in Zuchwil viele Stimmen geholt, aber: «Die Gemeinderatswahlen sind Kopfwahlen.» Zudem könne der Wackelsitz in der bürgerlichen Mitte ebenso gut zur CVP wandern.

Inhaltlich konzentriert sich die FDP Zuchwil auf die «Leuchttürme» Zuchwils. Als Beispiele nennt er die Erweiterung des Kinder- und Jugendzentrums mit einer Zweigstelle oder das Sportzentrum. «Wir halten am Sportzentrum fest, ganz klar. Aber wir müssen auch die Finanzen im Griff haben, was aktuell wegen der Coronakrise schwieriger ist.» Die FDP engagiere sich deshalb stark für das Sportzentrum und helfe mit, eine breitere finanzielle Abstützung der Anlage zu erreichen. Ebenso wichtig sind der FDP Zuchwil die Dorfentwicklung, die Familien und die Wirtschaft.

«Unser Ziel ist es, einen zweiten Sitz zu holen»

Umweltschutz steht bei der CVP nicht an erster Stelle, dafür die Jugend. «Wir wollen die Infrastruktur für die Jugendarbeit verbessern», erklärt Marco Galantino. Und die Erweiterung des Kinder- und Jugendzentrums Zuchwil mit einem eigenen Bau in der Nähe des Sportzentrums soll vorangetrieben werden. «Dort sehen wir viel Potenzial.» Die CVP wolle die Schmach von 2017, als nur ein Sitz bei den Gemeinderatswahlen herausschaute, tilgen. «Seit vier Jahren ist es unser Ziel, einen zweiten Sitz zu holen.»

Das könnte gelingen, denn die CVP-Liste sei gut besetzt, sagen auch Nicht-Parteimitglieder. Neben Vizegemeindepräsident Daniel Grolimund, der mit seinen besonnen Aussagen die CVP im Gemeinderat vier Jahre lang alleine vertrat, kommt beispielsweise auch Tamara Mühlemann Vescovi, die mit ihrem Engagement für die Gemeinde und ihrer Wahl in den Kantonsrat aufgefallen ist. Der für die CVP Zuchwil positive Trend zeige auch die vergangene Kantonsratswahl, so Galantino, bei der seine Partei im Vergleich mit den anderen Parteien sehr gut abgeschnitten habe. Helfen könnte aber auch die Listenverbindung mit der Jungen Liste.

«Die Jugend ist politisch viel zu wenig vertreten»

Diese Junge Liste ist neu und vereint drei 18-Jährige, die in Zuchwil aufgewachsen sind. «Wir kennen Zuchwil und sind der Meinung, dass die Jugend politisch viel zu wenig vertreten ist», begründet Manuel Rio Zeltner den Neuauftritt. Er komme zwar von der GLP, aber da diese keine Liste in Zuchwil hat, könne er gut zusammen mit Nicola Knuchel, der eher in Richtung SP/Grüne politisiere, und dem parteilosen Albion Kabashi auftreten. In Zuchwil will die Junge Liste das ÖV-Angebot verbessern, Velowege ausbauen, mehr Papierkörbe aufstellen, die Vereine fördern und die Integration unterstützen.

«Wir sollten die Gemeinde schlau weiterentwickeln»

Der Auftritt der Jungen Liste gefällt den Grünen nicht wirklich. «Wir träumen von einem zweiten Sitz», sagt Benjamin Studer. Aktuell liege der Wähleranteil bei rund 15 Prozent. «Wir wachsen stetig.» Mit einem Anteil von 20 Prozent wäre ein zweiter Sitz machbar, aber eben, nun könnten die ganz Jungen zur Jungen Liste abwandern. Dabei, so Benjamin Studer, würde die Junge Liste doch viel eher zu ihnen passen, bedauert er deren Listenverbindung mit der CVP. Aber auch die Grünen können mit jungen Kandidatinnen und Kandidaten auf ihrer Liste trumpfen, die in Zuchwil die «klassischen Themen» bearbeiten wollen. «Wir wollen die Energiestadt ausbauen, nachhaltig, ökologisch und familienfreundlich politisieren, und wir wollen bei der Bildung nicht sparen.» Man stehe zudem hinter dem Sportzentrum, möchte aber langfristig eine gangbare Strategie für das Sportzentrum suchen. Und: «Wir dürfen im Kanton ruhig etwas selbstbewusster gegenüber der Stadt und dem Kanton auftreten. Wir müssen uns nicht verstecken und sollten die Gemeinde schlau weiterentwickeln.»

«Wir wollen den Zusammenhalt im Dorf fördern»

SP-Präsident Gilbert Ambühl setzt darauf, dass seine Partei ihre vier Sitze halten kann. «Mit dem einzigen Kandidaten für das Gemeindepräsidium, Patrick Marti, haben wir ein Zugpferd. Und unsere Liste ist fast ausgeglichen in den Geschlechtern.» Ambühl befürchtet aber, dass die linke Wählerschaft nicht zahlreich genug an die Urne gehen könnte, auch weil beim gleichzeitigen zweiten Wahlgang für den Regierungsrat kein linker Kandidat im Rennen ist. «Ich hoffe, es gelingt uns, genügend Wählerinnen und Wähler zu mobilisieren.» Starke Verschiebungen erwarte er nicht, auch wenn eine neue Liste in den Wahlkampf eingreift. «Sie machen mir Freude, aber sie werden es als Neulinge schwer haben.»

Die SP wolle die guten Rahmenbedingungen in Zuchwil erhalten, ergänzt Patrick Marti. Das Kinder- und Jugendzentrum zähle er ebenso dazu wie das Sportzentrum oder die gute Zusammenarbeit mit Industrie und Gewerbe. «Wir wollen aber auch den Zusammenhalt im Dorf fördern und die Vereine sowie die ehrenamtlichen Tätigkeiten stärken.» Zuchwil wandle sich im Wohnungsbereich. Deshalb sei auch in Zukunft bezahlbarer Wohnraum entscheidend. «Und wir wollen den Energiestadt-Goldstatus beibehalten», sagt Marti, der mit grösster Wahrscheinlichkeit künftige Gemeindepräsident.

Die Kandidatinnen und die Kandidaten

CVP – die Mitte
Marco Galantino, Daniel Grolimund Daniel (bisher), Tamara Mühlemann Vescovi, Heinz Nellen, Melanie Renda-Weber, Andreas Rutz, Ruth Vescovi-Emch.

FDP.Die Liberalen Zuchwil
Daniel Brunner, Reto Friedli, Melanie Racine, Thomas Rüeger, Philippe Weyeneth (bisher).

Grüne Zuchwil
Benjamin Studer (bisher), Claudia Stephani, Noe Loosli, Selina Meyer, Roy Buchs.

Junge Liste
Albion Kabashi, Nicolas Knuchel, Manuel Rio Zeltner.

Sozialdemokratische Partei
Eva-Maria Fischli-Hof, Jan Häberli, Michael Kurz, Christof Liechti, Patrick Marti, Melissa Sadiki, Valerio Schreier, Vasitha Selva, David Spring, Regine Unold Jäggi (bisher).

SVP Schweizerische Volkspartei
Jonas Mottet, Markus Mottet (bisher), Carlo Rüsics (bisher), Roland Sieber, Günther Thalmann, Bruno Vögtli.

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