«Es ist schön an der Emme, nicht wahr?» – wie die Gemeinde Littering bekämpfen will

Besonders zur Sommerzeit verunstalten Abfallberge das Gebiet rund um die Emme. Die Gemeinde Biberist rückt dem Littering-Problem nun auf den Leib. Dabei setzt sie auf Prävention und Sensibilisierung der Bevölkerung. Auch Anti-Littering-Botschafter sollen auf Patrouille für Ordnung sorgen.

Marlene Sedlacek
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Litteringbotschafter für Biberist, v.l. Christian Bürki und Stefan Hug-Portmann.

Litteringbotschafter für Biberist, v.l. Christian Bürki und Stefan Hug-Portmann.

Michel Lüthi/bilderwerft.ch

«Es ist schön an der Emme, nicht wahr? Bitte helfen Sie mit, dass es schön bleibt.» So oder ähnlich sollen die Anti-Littering-Botschafter die Leute ansprechen, die sich an der Emme aufhalten, baden, picknicken oder bräteln. Eine Handvoll interessierter Personen war am Samstagmorgen dem Aufruf von Gemeindepräsident Stefan Hug-Portmann gefolgt. Beim Werkspielplatz liessen sie sich informieren über die Aufgabe eines Anti-Littering-Botschafters.

Wie andere Gemeinden kämpft auch Biberist zur Sommerzeit vor allem am Emmeufer mit Abfallbergen, die nach schönen Wochenenden an beliebten Plätzen herumliegen. Bereits sind Massnahmen erfolgt, um der Abfallflut Herr zu werden. Grosse Fässer bieten viel Platz, um den Unrat aufzunehmen.

Abfall und Natur gehen nicht zusammen

Am Samstag- und Sonntagmorgen patrouillieren Leute des Vereins Perspektive, um die Kübel
zu leeren. Zusätzlich zu diesen Massnahmen möchte der Ge- meindepräsident auf Prävention und Sensibilisierung der Bevölkerung setzen. Es liegt ihm nicht daran, mit dem Drohfinger auf die Leute zuzugehen, auch nicht Verbote und Bussen auszusprechen. Dies wäre zwar möglich, entspricht jedoch nicht seinen Vorstellungen.

Die Idee mit den Anti-Littering-Botschaftern stammt von Christian Bürki. Er ist als Feldbotaniker oft an der Emme unterwegs, um Pflanzen zu bestimmen. «Das Gebiet weist eine immense Vielfalt an Pflanzenarten auf», erzählte der pensionierte Pfarrer. Dies liesse sich schwerlich mit herumliegendem Abfall vereinen.

Die Idee ist nicht, eine Abfallpolizei auszuschicken

Die Aufgabe der Botschafter und Botschafterinnen soll nicht die einer Abfallpolizei sein. Vielmehr sollen sie auf ihren Spaziergängen entlang der Emme mit den Leuten das Gespräch suchen, die sich am Fluss aufhalten. Sie sollen humorvoll auf die Problematik aufmerksam machen. Bürki denkt, dass sich dabei viele gute Gespräche ergeben.

Unterstützung bietet ein witzig gestaltetes Plakat, das der Berner Cartoonist Max Spring exklusiv für diese Kampagne gezeichnet hat. Hug-Portmann und Bürki enthüllten die pointierte Zeichnung feierlich. An einigen Hotspots werden Ständer mit dem Cartoon aufgestellt. Dazu erhalten die Helfer und Helferinnen Karten mit demselben Sujet, die sie den Leuten abgeben können.

Jeder Einzelne trägt die Verantwortung

Bürki mahnte, freundlich und bestimmt zu sein, sich nicht auf Diskussionen einzulassen und Auseinandersetzungen zu vermeiden. «Sollten sich Konflikte anbahnen, wünscht man einen schönen Tag und entfernt sich», empfahl er. Stefan Hug-Portmann möchte die Bevölkerung in die Verantwortung ziehen und ihnen bewusst machen, dass die Gemeinde nicht irgendein Gemeindearbeiter ist. «Die Gemeinde sind wir alle», betonte er. Es liege an uns allen, zur Schönheit der Umgebung beizutragen.

Die Motivation der angehenden Anti-Littering-Botschafter sich an dieser Aktion zu beteiligen, ist ihr Ärger darüber, dass die Umgebung durch gedankenloses Handeln von Menschen verunstaltet wird. Sie möchten bewirken, dass es wieder selbstverständlich wird, den Abfall nicht einfach auf den Boden zu werfen.

Auf Facebook habe die Aktion bereits Furore gemacht, wusste der Gemeindepräsident. Sehr viele positive Kommentare seien gepostet worden. Informationen finden sich auch auf Crossiety und auf der Gemeindewebsite. Hug-Portmann hofft, dass diese Aktion Wirkung zeigt, und im Lauf des Sommers weniger Abfall in der Natur liegen bleibt.