Sportzentrum Zuchwil
Eisbahn notwendig und auch akzeptiert – Investitionen werden aber infrage gestellt

Die Eisflächen, aussen wie in der Halle, sind wichtiger Bestandteil des Sportzentrums. Sie sind die einzigen Eisflächen in der Region, die in der Wintersaison permanent zur Verfügung stehen. Die Betriebskosten führen aber immer wieder zu Kritik.

Ornella Miller
Merken
Drucken
Teilen
Kurz nach dem Saisonauftakt im November wurde die Ausseneisfläche der Eisbahn Sportzentrum Zuchwil bei warmer Witterung rege genutzt.

Kurz nach dem Saisonauftakt im November wurde die Ausseneisfläche der Eisbahn Sportzentrum Zuchwil bei warmer Witterung rege genutzt.

Hansjoerg Sahli

Wie selbstverständlich liegen die Eisflächen bereit für den nächsten Ansturm. Spiegelglatt geputzt. Die Kunsteisbahn des Sportzentrums Zuchwil mag sich niemand wegdenken. Roger Siegenthaler, Präsident der Repla Espace Solothurn, sagt zur einzigen Eisbahn in der Region: «Wäre sie nicht mehr da, gäbe es einen Tourismus nach Burgdorf, Lyss oder Langenthal. Also unnötigen Verkehr.»

Er streicht hervor, dass die Eisfläche die Attraktivität der Wohnregion fördere. «Ich kann Wohnungssuchenden sagen, dass sie innert nützlicher Frist auf einer Eisbahn sind», so der Gemeindepräsident von Lüterkofen-Ichertswil. Er selber schaue ab und
zu Hockeyspiele. «Ich ging schon als Schüler meine Blasen mit den Schlittschuhen einsammeln.»

Auch Jürgen Hofer, kantonaler Tourismusdirektor, guckt sich manchmal Spiele an, er sei Supporter des EHC Zuchwil. «Die Eisbahn ist für das Sportzentrum ein Leuchtturm, eines der wichtigsten Elemente.» Als Kind sei er bei der Lanco auf dem Eis gewesen, bevor die Bahn in Zuchwil 1982 eröffnete. «Und ich kurvte auf dem Bellacher Weiher herum.» Er könne sich nicht vorstellen, dass die Eisbahn verschwinden würde. «Sie ist ein finanzieller Pfeiler des Sportzentrums.»

Sie sei «ganz wichtig» für die Freizeit, ein sehr beliebtes Freizeitvergnügen für Alt und Jung. Bunt gemischt seien die Nutzer, auch Schulklassen kämen oft. Hofer streicht den Nutzen für Breiten- und Leistungssport hervor. Der EHC Zuchwil spielt in der 1. Liga, auf «konstant hohem Niveau».

Viel Lob, aber keine Taten

Von dieser Schwärmerei merkt man auf der Solothurner Tourismus-Homepage nichts. Kein einziges Bild der Eisbahn glänzt dort. «Es kann sein, dass diese selber nicht darauf ist, nur das Sportzentrum», erklärt Jürgen Hofer. Solothurn sei vor allem auf Geschäftstourismus ausgerichtet. Und die Besucherinnen und Besucher im Segment Freizeit würden Solothurn wegen der Sehenswürdigkeiten besuchen, nicht wegen der Eisbahn.

Allerdings gäbe es im Zuchwiler Sportzentrum viele Lager, sogar Turniere. Persönlich sei er nicht auf der Eisbahn anzutreffen. «Ich bin regelmässiger Nutzer des Sportzentrums. Aber ich benutze mehr das Wasser in flüssiger Form. Gerade heute Morgen um 6 Uhr war ich im Schwimmtraining.»

«Joe Cocker war Riesensache»

Zuchwils Gemeindepräsident Stefan Hug nennt die Eisbahn eine «Perle» und eines der Herzstücke des Sportzentrums. «Sie ist wie ein Lungenflügel. Gäbe es die Eisbahn nicht mehr, könnte das Sportzentrum Zuchwil vielleicht schon weiterleben, aber es würde schwierig werden.» Die Eisbahn sei attraktiv für alle Generationen. Im Winter für verschiedene Eissportvereine.

Im Sommer sei sie wertvoll für grössere Anlässe wie Generalversammlungen oder die Abschlussfeier der Kanti. «Ich war auch einmal am Konzert von Joe Cocker, das war eine Riesensache.» Er betont, dass die einzelnen Komponenten des Sportzentrums einander ergänzten und aufeinander angewiesen seien, man könne keine isoliert betrachten. Zum Beispiel brauche das Eis viel Energie, mit der Abwärme heize man das Wasser im Hallenbad. Wie Hofer und Siegenthaler hebt Hug hervor, dass der Betrieb der Eisbahn in der letzten Zeit nicht mehr defizitär gewesen sei.

Hohe Investitionen

Die Kosten der Investitionen in die Infrastruktur sind allerdings hoch. Und die hat vorwiegend die Gemeinde Zuchwil als Mehrheitsaktionärin der Sportzentrum Zuchwil AG zu tragen. Seit der Eröffnung der Eisbahn bezahlen die Regionsgemeinden einen Anteil. «Die Repla regelt im Auftrag von 41 Gemeinden den Kostenverteiler. Wir schauen, dass die Kosten gerecht verteilt werden», sagt Roger Siegenthaler.

Er erkenne kein Problem bei den Investitionen. «Für die Investitionen besteht ein Finanzplan auf 10 Jahre hinaus. Die Gemeinden bezahlen nur gezielt an den Unterhalt der Eisbahn.» Es habe schon immer Abmachungen gegeben, aber «früher machte man vieles mündlich ab». Es gab auch Gemeindefusionen und vieles sei nicht mehr aktuell. Deshalb soll jetzt der Kostenverteiler angepasst werden.

Niemand zweifle an der Notwendigkeit der Eishalle, die Akzeptanz sei bei allen gegeben, sagt Stefan Hug: «Die Zuchwiler sind stolz auf das Sportzentrum. Zwar werden manchmal einzelne Investitionen infrage gestellt. Oder manche fordern den Verkauf. Doch verkaufen wir das Sportzentrum, müssten wir dem Käufer eigentlich etwas dafür bezahlen.» Mit der Neuregelung des Kostenverteilers erhalte man zwar mehr Geld fürs Sportzentrum, müsse aber auch mehr bezahlen.

Politik entscheidet

Die Gemeinde Zuchwil hat Ende letzten Jahres nun auch das Freibad in die Task- Force Sportzentrum hineingenommen, welche die Aufgabe, die Sportstätte neu zu strukturieren.

Dieses steht zumindest hypothetisch auf der Kippe. «Wir müssen nicht darüber diskutieren, ob das Sportzentrum attraktiv ist. Aber da es seinen Preis hat, ist es immer eine politische Entscheidung, ob man es will», erklärt Hug.

In Zahlen zu beurteilen, wie wertvoll die Eishalle ist, ist schwierig. Wie misst man beispielsweise die Freude und Kontakte der EHC-Zuchwil-Fans oder das Erfolgserlebnis der kleinen Eisprinzessin?

Sieben Vereine und einige Plauschmannschaften toben sich hier aus. 500 Personen nutzen die Eisbahn täglich. Bisher hat der Zuchwiler Gemeinderat in allen Geschäften zugunsten der Eishalle entschieden.