Rüttenen

Eine Ausstellung wie ein Spaziergang durch ein Tagebuch

Künstlerin Ruth Lerch aus Rüttenen verlängert ihre Atelierausstellung in Solothurn – wegen der grossen Nachfrage.

Judith Frei
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Die Künstlerin Ruth Lerch in ihrem Atelier in der Altstadt.

Die Künstlerin Ruth Lerch in ihrem Atelier in der Altstadt.

zvg

Wenn sie lange Arme hätte, könnte sie von ihrem Atelierfenster die Zeiger des Zeitglockenturms verstellen, erklärt Ruth Lerch den Standort ihres Ateliers. Schon seit 33 Jahren arbeitet die Künstlerin im lachsfarbenen Haus in der Hauptgasse. Zum ersten Mal stellt sie in ihrem Arbeitsraum ihre Werke aus. «Es ist sehr schön, meine Bilder im Atelier ausgestellt zu haben und Menschen in meinen Arbeitsräumen begrüssen zu können», sagt Lerch.

Sie wollte schon lange eine Atelierausstellung machen, dass sie diese jetzt macht, hat nichts mit der Pandemie zu tun. «Ich habe aber das Gefühl, dass die Leute besonders jetzt ein Bedürfnis nach etwas für die Seele haben», sagt Lerch. In den letzten drei Wochen seien überraschend viele bei ihr im Atelier vorbeigekommen. Wegen der grossen Nachfrage wird sie die Ausstellung um eine Woche verlängern.

Starke Erinnerung

Ungefähr 80 Werke hängen an den Wänden oder sind in Mappen für Interessierte bereitgelegt. Sie sind in unterschiedlichen Perioden entstanden und mit verschiedenen Techniken gemacht. Zeichnungen und Acrylbilder von Landschaften, Bäumen und Frauenfiguren. «Wenn ich die Bilder so sehe, dann ist es, als ob ich durch mein Tagebuch spaziere.» Jedes Bild sei an starke Erinnerungen und letztlich auch Emotionen gebunden. «Mich werfen die Bilder in andere Lebensabschnitte zurück», erklärt Lerch.

Beispielsweise habe sie über Jahre Olivenbäume gemalt. Zuerst naturalistisch und dann wurde sie immer abstrakter, bis sie nur noch die Strukturen des Baumes malte. «Ich habe damals bemerkt, dass es für mich schwierig ist, Emotionen in der Abstraktion auszudrücken.» Deswegen malt sie in letzter Zeit am liebsten Frauenfiguren, da sie sich in ihre Modelle hereinversetzen kann. In ihren Bildern versucht sie nicht nur, die Hülle der Personen abzubilden, sondern auch das Innerste, das, was man mit blossen Augen nicht sofort sieht.

«Eine Atelierausstellung ist etwas intimes», so die Künstlerin aus Rüttenen. Die Besucher können sich direkt an sie wenden und über Werke befragen oder ihre Reaktion auf ihre Kunst mitteilen. An den nächsten zwei Wochenenden ist ihre Türe für Besuch offen. Am Eingang stehen Desinfektionsmittel und Masken bereit.

Hinweis: Das Atelier an der Hauptgasse 46 ist an den kommenden zwei Wochenenden wie folgt offen: Freitag 14 bis 19 Uhr, Samstag, 10 bis 17 Uhr und Sonntag, von 11 bis 17 Uhr.