Luterbach

Doch kein Ende: Wegen Corona näht sie auch nach 420 Decken weiter für den guten Zweck

Eigentlich hat sie beschlossen, genug für den guten Zweck genäht zu haben. Doch seit dem Coronalockdown näht Doris Weber aus Luterbach wieder Decken für Flüchtlinge.

Lucilia Mendes von Däniken
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420 Decken hat Doris Weber bereits für Flüchtlinge genäht , aber nie eine selbst übergeben, sondern das der Initiantin des Projektes «Mini Decki» überlassen.

420 Decken hat Doris Weber bereits für Flüchtlinge genäht , aber nie eine selbst übergeben, sondern das der Initiantin des Projektes «Mini Decki» überlassen.

Hanspeter Bärtschi

Vier Jahre lang hat Doris Weber aus Luterbach Decken für Flüchtlinge genäht. Im Dezember 2019 befand sie, dass jetzt genug sei: Der Bestand an zu verarbeitenden Bettbezügen war fast aufgebraucht – und über 420 Decken hatte sie dem Projekt «Mini Decki» bereits übergeben. Doch dann kam der Corona-Lockdown und die 59-jährige Luterbacherin wusste: «Ich muss weiter machen.»

Doris Weber näht schon lange mit Leidenschaft – am liebsten Patchwork-Decken. Vor rund vier Jahren stiess sie per Zufall im Internet auf die Aktion «Mini Decki», initiiert von der Aargauerin Simone Maurer. Die Idee: Aus gebrauchten Bettanzügen werden individuelle Tagesdecken für Flüchtlingskinder und -jugendliche genäht. Die Decken dürfen diese dann behalten – und so vermitteln sie den Kindern auf allen folgenden Stationen ein Gefühl von Heimat. «Mich hat die Idee fasziniert, dass ich mit meinem Hobby Gutes tun kann», erklärt Doris Weber. So begann sie Duvet- und Kissenbezüge zu sammeln. Diese wäscht und verarbeitet sie – und wenn der Kofferraum des Autos voll ist, fährt sie zu der Initiantin des Projekts, um die Decken zu übergeben: «Das Verteilen an die Flüchtlinge übernimmt dann Simone Maurer.»

Der Luterbacher Hausfrau, die ihre Freizeit sonst vor allem mit Wandern und ihren Enkelkindern verbringt, geht es nicht einfach darum, Stoff zu verwerten: «Wenn ich den Stoff vor mir habe, dann überlege ich mir, ob das Motiv und die Farbe eher zu einem Baby, einem Kind oder einem Jugendlichen passt.» Und wenn die Bezüge Flecken oder Löcher haben: «Gefällt mir das Motiv, dann schneide ich dieses aus und appliziere es auf einen anderen Stoff.»

Zurzeit fehlt es ihr aber an Material

Die Lust hat sie also dieser Tage wieder gepackt: «Nur fehlt es mir etwas an Material», erklärt sie. Doch sie hat Hoffnung: «Viele haben jetzt Zeit ihre Schränke auszuräumen und vielleicht mag ja jemand die ungenutzten Bettbezüge einem guten Zweck zuführen.» Sie nimmt mit Freude Baumwoll-Bezüge entgegen – und zwar mit den unterschiedlichsten Motiven und Farben: «Nur schwarz und weiss kann ich nicht verwenden.»

Es würde sie zudem freuen, wenn sie andere Näherinnen für die Aktion «gluschtig» machen könnte. Früher habe sie in der Reformierten Kirche Luterbach Decken-Nähkurse gegeben. Aber viele der Frauen, die da mitgemacht hätten, hätten dann wieder aufgehört, Decken zu produzieren: «Vielen fehlte das Know-how – und vor allem die Zeit.» Zeit, die man jetzt vielleicht findet und gerne sinnvoll investieren würde.