Ferienpass Bucheggberg
«Die Wildtiere haben sich an uns gewöhnt»: Kinder erfahren Genaueres über die Jäger

Im Generationenkurs «Gemeinsamer Streifzug durch Feld und Wald» erfahren die Ferienpässler Hintergründiges über das Jägerdasein.

Tanja Graziano
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Philip Spillmann, Jäger im Solothurner Jura, früherer Wildhüter, informiert.
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Die Teilnehmer hören aufmerksam zu
Philip Spillmann, Jäger im Solothurner Jura, früherer Wildhüter
Die Teilnehmer wandern von Posten zu Posten
Ferienpass Bucheggberg: Gemeinsamer Streifzug durch Feld und Wald

Philip Spillmann, Jäger im Solothurner Jura, früherer Wildhüter, informiert.

Hanspeter Bärtschi

Die Jäger: Schafhirten sind froh, dass es sie gibt. Tierschützer hinterfragen ihre Tätigkeiten. Wie andere Jäger hat der frühere Wildhüter Philip Spillmann mit Vorurteilen zu kämpfen. Durch das Projekt Wild und Wald zeigt er Klein und Gross, was in Wirklichkeit hinter seiner Arbeit steckt. «Es geht eigentlich sehr selten um das Schiessen», so Spillmann. Diesen Sommer unternimmt er einige Waldrundgänge mit verschiedenen Ferienpässen aus der Region. Einer davon: der Ferienpass Bucheggberg. An diesem Tag nehmen elf Kinder und sieben Erwachsene teil. Ausgerüstet mit Wanderschuhen und Rucksäcken sind sie gespannt darauf, was es beim Waldspaziergang alles zu sehen gibt.

Er rettet mehr Rehe, als er schiessen muss

Schon zu Beginn wird aber klar: Einen Luchs wird die Gruppe an diesem Tag nicht antreffen. Dafür müssten sie sich zusammen mit Spillmann und seiner Wildkamera auf Nachstreifzüge durch den Wald begeben. Aber auch für ihn sind solche Begegnungen nicht alltäglich. Seit zwanzig Jahren gehe er auf die Jagd. «Seither habe ich erst fünfmal einen Luchs gesehen.» Er bringt deshalb seine besten Fotos von den verschiedensten Wildtieren mit.

Vom Waldhaus Wolftürli aus marschiert die Gruppe Richtung Wald. Den ersten Halt machen sie neben einer Wiese. Die Kinder, die um ihn herum im Gras sitzen, hören gespannt zu. Es geht um die Rehgeiss, welche ihre Jungen gerne im Gras versteckt. «Sie liegt niemals neben ihren Rehkitzen. Denn sonst würde der Feind sie sofort finden.» Dies fände von Anfang Mai bis im Juni statt.

Dieselben Monate, in denen die Bauern gerne ihre Felder mähen. «Die Mitglieder der Jagdgesellschaft investieren viele Stunden, um die jungen Rehe vor dem Vermähen zu schützen.» Das tun sie am frühen Morgen vor der Arbeit. «Die Bauern müssen uns nur Bescheid geben, dass sie am nächsten Tag mähen wollen.»

Mit Hilfe einer Drohne und einer Wärmebildkamera spüren sie das Rehkitz auf. «Das geht nur morgens, wenn der Boden noch kalt ist», erklärt Spillmann den Kindern. Als er ihnen ein Foto von seinem achtjährigen Sohn zeigt, der ein Rehkitz in den Armen hält, sind sie begeistert. So habe der Drohnenflieger Nicolas Schenk dieses Jahr vierundvierzig junge Rehe gerettet.

Bergauf geht es weiter in den Wald. Dort spricht er über Fuchs und Dachs sowie warum die beiden keine Freunde sind. «Mit seinen Klauen gräbt der Dachs gute Bauten. Wenn er fertig ist, stiehlt der Fuchs gerne sein Häuschen», diese Erklärung lässt auch die Erwachsenen schmunzeln. Vom Fuchs haben die Kinder aber schnell genug gehört. Umso mehr fasziniert sie das Wildschwein. «Hast du schon einmal eines geschossen?», fragt ein Ferienpässler den Jäger. «Warum muss man Wildschweine jagen?», will ein anderer Junge wissen. Die Wildschweine würden grosse Schäden auf den Feldern hinterlassen, erklärt Spillmann.

«Es ist sehr schwierig, ein Wildschwein zu schiessen. Eines zu erwischen dauert bis zu fünfzig Stunden.» Danach könne man mit dem Aufspüren wieder von vorne anfangen. «Sie sind sehr schlau. Sobald ein Mitglied der Wildschweinfamilie an einem Ort geschossen wurde, meiden sie diesen», ergänzt Spillmann.

Die Kinder hätten gerne ein Wildtier gesehen

Gegen Ende des Spaziergangs werden die Kinder langsam Müde. Als jedoch das Wort «Luchs» fällt, horchen sie wieder auf. Über dieses Wildtier scheinen sie einiges zu wissen. «Er hat dieselben Beine wie eine Katze», ruft eines der Mädchen. Als der Jäger der Gruppe das Bild einer trächtigen Luchsin zeigt, staunen sie nur noch. Auch die Eltern wollen wissen, woran er sieht, ob es sich um ein Weibchen oder Männchen handelt. «Das ist schwer zu erkennen. Wir können die Luchse jedoch am Muster ihres Fells unterscheiden.» Seine Antwort auf die Frage, ob er schon einmal einen Luchs geschossen hat: «Nein, sie sind in der Schweiz geschützt.»

Bei allen Tieren sei klar geregelt, wann diese geschossen werden müssen. «Jedes Wildtier hat seine Schonzeit», so Spillmann. Zuletzt erfahren die Ferienpässler, dass mittlerweile auch im Jura wieder Wölfe leben. Eines der Kinder ist ein wenig enttäuscht, keinen Wolf gesehen zu haben, obwohl diese gerne auf den Wanderwegen laufen.

Die Wildtiere seien vom Menschen in den Wald zurückgetrieben worden, meint er. «Sie sind anpassungsfähiger, als wir denken. Sie haben gelernt, neben uns zu leben», sagt Spillmann abschliessend.

Hinweis
www.wildundwald.ch