Halten

Die Kerb- und Reliefschnitzerei hat eine alte Tradition

Das Museum Wasseramt in Halten zeigt bis Mitte Juni Kerb- und Reliefschnitzereien von Willi Mühlemann.

Agnes Portmann-Leupi
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Kunsthandwerker Willi Mühlemann veranschaulicht die Arbeitsgänge

Kunsthandwerker Willi Mühlemann veranschaulicht die Arbeitsgänge

Agnes Portmann

Die Ausstellung nennt sich zwar «Frühlingsausstellung». Doch von dieser Jahreszeit war an der Eröffnung zum Thema «Kerb- und Reliefschnitzen – eine Kunst mit alter Tradition» nichts zu spüren. Es schien jedoch, als ob der Frauenchor Lohn-Ammannsegg, ganz in Schwarz mit regenbogenfarbenen Halstüchern, mit seiner fröhlichen Einstimmung, «Wochenend und Sonnenschein», den drohenden Regen zu vertreiben vermochte.

«Vor 36 Jahren weckte ein Inserat der Landfrauen für den Kurs ‹Schnitzen für Jedermann› mein Interesse», erzählte der Aussteller, Willi Mühlemann aus Alchenstorf. Später hätten sich Kurse in Brienzer Schnitzerei dazugesellt. Das Schnitzen bedeutet für den Emmentaler noch heute Faszination pur.

Reliefs, Ornamente, Schriftzüge

Eine Eule mit Kulleraugen empfängt die Besucher vor dem Ausstellungsspeicher des Museums. Aus der einen Ecke im Speicher guckt ein liebenswürdiger Sennenhund. In der andern Ecke steht eine kleine Holzschubkarre, auf welcher gefilzte Zwerge sitzen. Einem Relief geschnitzten Tierpark gleich präsentieren sich auf den Tablaren Hase, Steinbock, Wolf, Bär, Pferd, Kuh, und Adler samt Edelweiss. Selbst Wilhelm Tell mit Walterli und Armbrust ist vertreten.

Im Reliefschnitzen rückt Willi Mühlemann vorwiegend Figuren und Objekte in den Mittelpunkt. In der Kerbschnitzerei hat er «Ankehäfeli», Zopfbrett, Schatztruhe, Kinderstabellen und Käsemesser mit kunstvollen Ornamenten und Schriftzügen verziert. Auf einem Dreschflegel steht «Geduld und es Weizechorn, riife nid von hüt uf morn». Eine gehörige Portion Geduld und eine sichere Hand braucht Willi Mühlemann bei seiner Arbeit. «Holz ist zwar ein einsilbiges Wort, aber dahinter verbirgt sich eine Welt von Märchen und Wundern», schwärmt er. Im Speicher veranschaulicht er die Arbeitsgänge vom rohen Holz, übers Aufzeichnen der Sujets bis hin zum Fertigstellen. Mitten im Raum steht seine Werkbank. Hier können sich die Besucher an den Sonntagen selber im Schnitzen üben. Die Messer, die der Kunsthandwerker für seine Arbeit braucht, liegen auf Holzspänen zur Schau.

Ausstellung im Museum Wasseramt, Turm in Halten: bis 14. Juni 2015, jeweils an den Sonntagen von 13 bis 17 Uhr.