Sportzentrum Zuchwil

«Der Schaden ist horrend. Wir sind auf Unterstützung angewiesen»

Hohe Fixkosten, aber seit gut anderthalb Wochen keine Einnahmen mehr – Direktor Urs Jäggi sorgt sich um das Sportzentrum Zuchwil und die mehr als hundert Arbeiter.

Raphael Wermelinger
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Seit dem 17. März ist das Sportzentrum Zuchwil geschlossen und verlassen.

Seit dem 17. März ist das Sportzentrum Zuchwil geschlossen und verlassen.

Hanspeter Bärtschi

Am Dienstag vor einer Woche musste das Sportzentrum Zuchwil seine Türen schliessen. Die Anlage bleibe aufgrund der Anordnung des Bundesrates voraussichtlich bis Sonntag, 19. April, zu, lautet die Information auf der Website sowie auf der Anzeigetafel auf dem Areal. Nicht nur der gesamte Indoor-Bereich ist abgeriegelt, auch auf sämtlichen Aussenanlagen darf kein Trainingsbetrieb stattfinden.

Sich derzeit im verlassenen Sportzentrum aufzuhalten, löst bei Urs Jäggi ein surreales Gefühl aus, wie er selbst sagt. «Es tut mir weh, durch die Anlage zu gehen. Überall ist es dunkel, alles ist menschenleer. Es ist traurig und schlimm und es berührt mich», beschreibt der Direktor des Sportzentrums seine Empfindungen. Ein abruptes Ende in der Eishalle, kein Betrieb mehr auf dem neuen Kunstrasen, kein Turnen, keine Unihockey-Spiele – es herrscht tote Hose.

Bei Normalbetrieb kämen 700 bis 800 Besucher

Ende März und Anfang April sei für das Sportzentrum Zuchwil vor allem auch die Zeit der Trainingslager, sagt Jäggi. Ein grösseres Schwimmlager in der neuen Traglufthalle sowie ein Fussball-Camp wären angestanden. «Zudem hätten wir aktuell ­regen Betrieb im Hallenbad, in der Traglufthalle, im Wellness-Bereich und natürlich auch im Restaurant», ergänzt Jäggi.

«Es ist zwar nicht gerade die Hochsaison, aber wir hätten ein volles Haus.» Im Vorjahr wurden in der ersten April-Woche täglich zwischen 700 und 800 Besucher registriert. «Das sind alles Einzelgäste, die Lager sind nicht mitgerechnet», erklärt Jäggi. An einem Highlight-Tag, zum Beispiel auf der Eisbahn zwischen Weihnacht und Neujahr oder an einem heissen Badi-Tag, kämen über 1000 Gäste ins Sportzentrum Zuchwil.

Bei denen stiess man mit der Schliessung auf Verständnis, so Jäggi: «Es gab keine negativen Reaktionen. Ich bin fast täglich im Büro, treffe zwischendurch Fussgänger auf der Anlage. Alle sagen, sie vermissen den Betrieb im Sportzentrum und hoffen, dass es bald wieder öffnet.»

Für die Kunden gibt es keine Einbussen, verspricht der Geschäftsführer der Sportzentrum Zuchwil AG. Kurse, die bereits begonnen haben, sollen später weitergeführt werden. Ausgefallene Lektionen werden, wenn immer möglich, nachgeholt. Bei verkürzter Dauer der Kurse werden die Preise angepasst. Auch auf die verschiedenen Abonnements wird die verpasste Zeit wieder gutgeschrieben.

Den Vereinen und Gruppen, die eine Leistung auf der Eisbahn, in der Sporthalle oder auf dem Fussballplatz gebucht und schon bezahlt haben, wird ein Nachholtermin innerhalb von einem Jahr offeriert. Bezüglich Trainingslagern steht auf der Website: «Wenn diese infolge der Schliessung nicht durchgeführt werden können, werden keine Kosten für die Organisationen entstehen».

Mehr als 100 Mitarbeiter müssen zu Hause bleiben

Obwohl der Betrieb ruht, ist das Sportzentrum nicht ganz ausgestorben. «Alles wurde auf das Minimum heruntergefahren», sagt Jäggi, «aber die Anlage lebt natürlich und braucht deshalb trotzdem Pflege.» Sehr wichtig sei etwa die Überwachung des Wasserkreislaufs im Hallenbad und Wellness-Pool, damit keine Verunreinigungen entstehen. Aber auch andere Unterhaltsarbeiten wie Rasen mähen müssen weiterhin erledigt werden. «Minimalpflege», mit diesem Wort beschreibt der Direktor den aktuellen Aufwand rund um das Sportzentrum Zuchwil.

Urs Jäggi, Direktor der Sportzentrum Zuchwil AG.

Urs Jäggi, Direktor der Sportzentrum Zuchwil AG.

Hanspeter Bärtschi

Er selber hat momentan viel zu tun. «Die Administration ist jetzt gefordert», sagt er. «Von unseren insgesamt rund 120 Angestellten müssen mehr als 100 zu Hause bleiben. Für sie müssen wir sorgen. Mit den Möglichkeiten, die uns der Bund gibt.» So wurden Kurzarbeit beantragt und ein Kredit aufgenommen, um die Liquidität vor­übergehend zu sichern.

Wie schlimm die finanziellen Folgen für das Sportzentrum sind, sei insbesondere von der Freibad-Saison abhängig, erklärt Jäggi. Die Eröffnung wäre für den 23. Mai geplant gewesen. Die Verantwortlichen rechnen aber damit, dass das Zentrum länger geschlossen bleibt und es, wenn überhaupt, nur eine verkürzte Badi-Saison gibt.

«Der Schaden ist horrend. Wir haben relativ hohe Fixkosten, aber seit bald zwei Wochen null Einnahmen.» Wenn der Betrieb am 19. April wieder hochgefahren werden könnte, bewege sich der Verlust im tieferen sechsstelligen Bereich. Sind auch die Sommermonate von der Sperrung betroffen, bewege man sich im Millionen-Bereich. «Wir sind auf die Unterstützung von Bund und Kanton angewiesen», stellt Urs Jäggi klar. «Es muss Kompensationszahlungen geben, um die fehlenden Einnahmen auszugleichen. Das können wir von der AG und auch die Gemeinde selbst nicht stemmen.»

Mindestens bis zum 19. April herrscht tote Hose auf dem Areal des Sportzentrum Zuchwil.

Mindestens bis zum 19. April herrscht tote Hose auf dem Areal des Sportzentrum Zuchwil.

Hanspeter Bärtschi