Derendingen

Das «Wassergeschäft» bewegte am meisten an der Gemeindeversammlung

Die Derendinger Gemeindeversammlung im Saalbau Bad wurde von 27 Stimmberechtigten besucht. Sie entschieden über fünf Geschäfte, darunter auch die Rechnung 2019.

Urs Byland
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Das Bauprojekt "Derendingen Mitte", hier eine Illustration, hat in der Rechnung 2019 Spuren hinterlassen.

Das Bauprojekt "Derendingen Mitte", hier eine Illustration, hat in der Rechnung 2019 Spuren hinterlassen.

Einen Maskenball habe der Saalbau Bad schon seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen, bemerkte Gemeindepräsident Kuno Tschumi zu Beginn der Gemeindeversammlung mit einem – nicht sichtbaren – Schmunzeln. Coronakrise macht es möglich. Die 27 Stimmberechtigten mussten eine Maske tragen. Einzig wer sprach, durfte sich dieser entledigen.

In den fünf Geschäften wurden alle Anträge genehmigt. Am meisten gab das «Wassergeschäft» zu reden. Die Primäranlagen der EWD Derendingen und des Zweckverbandes Wasserversorgung äusseres Wasseramt sollten in der neuen Wasserversorgung Wasseramt AG zusammengeführt werden. Eine Zusammenarbeit besteht schon seit 2003/04, als EWD Derendingen zum Wasserlieferanten für das äussere Wasseramt wurde. Das Zusammenführen der Primäranlagen sei ein logischer Schritt, so Verwaltungsratspräsident Michael Käsermann.

Nicht soll verschenkt werden

Beat Lüscher beantragte aber Nichteintreten. Er befürchte, dass mit dem Zusammenführen das Wasser teurer werde. «EWD Derendingen hatte bisher immer eine positive Rechnung», begründete er seinen Antrag. Und: «Eigentum war noch nie verkehrt.» Ihm widersprach Martin Reimann, der 2001 bei der Gründung von EWD Derendingen beteiligt war. «Damals waren wir nicht sicher, wie unsere Zukunft sich gestalten sollte. Wir hatten ein marodes Reservoir und waren froh, als 2003 die Anfrage kam, Wasser ins äussere Wasseramt zu liefern. Das hat uns sehr geholfen.»

Damals sei die Idee gereift, das ganze Wasseramt mit Wasser zu versorgen. «Das wird einmal kommen und dann werden alle im Wasseramt gleichviel fürs Wasser zahlen.» Man verkaufe nun nicht das Tafelsilber, sondern führe die Wasserversorgung auf einen guten Weg, ist er überzeugt. Und er erinnerte auch daran, dass das Pumpwerk Ruchacker 50 Jahre alt ist und bald ersetzt werden muss. «Ein Neubau kostet 10 Mio. Franken. Hier haben wir jemanden, der uns hilft und mitbezahlt.»

Auch Michael Käsermann wehrte sich dagegen, dass hier etwas verschenkt werden soll. «Die Anlagen wurden sauber bewertet.» Mit der Zusammenführung wird EWD Derendingen eine Differenz von 900'000 Franken gutgesprochen, die in ein Darlehen verwandelt werden. Im Gegenzug wird EWD Derendingen nur 29 Prozent der Aktien übernehmen. «Die Gemeinden im äusseren Wasseramt übernehmen 71 Prozent der Aktien. Wir werden bewusst weniger Aktien halten, damit alle Gemeinden gleichmässig mitwirken können», so Käsermann.

Nachdem auch noch geklärt wurde, dass die neue AG nicht von Privaten gekauft werden kann – Aktien dürfen nur von den Gemeinden besitzt werden – wurde das Eintreten klar mit 22 Ja zu einem Nein gutgeheissen. Im gleichen Stimmenverhältnis wurde das Auslagerungsreglement genehmigt.

«Derendingen Mitte» bestimmt die Rechnung

Gekommen waren die Stimmberechtigten aber in erster Linie wegen der Rechnung 2019, deren Genehmigung wegen der Coronakrise vom Frühsommer in den Herbst verschoben wurde.

Mit dem Bauprojekt «Derendingen Mitte» hat sich die Bilanz um rund ein Fünftel vergrössert und umfasst nun 58,5 Mio. Franken. «Derendingen Mitte» bestimmte mit über 10 Mio. Franken Ausgaben auch die Investitionsrechnung und wirkte sich mit der Erhöhung der Abschreibungen auch auf die Jahresrechnung aus. Hier konnte aber statt einem budgetierten Minus von 682'000 Franken ein Plus von 403'000 Franken erwirtschaftet werden. 400'000 Franken sollen für zusätzliche Abschreibungen verwendet werden. Der kleine Rest stärkt das Eigenkapital, das mit 5,4 Mio. Franken sehr solide sei. «Mit diesem Eigenkapital sind wir gerüstet für die sehr ungewisse Zukunft», erklärte der neue Finanzverwalter Bruno Eberhard.

Der Gemeindepräsident blickte zurück auf eine finanziell sehr positive Dekade. Zum 14. Mal konnte ein positives Ergebnis ausgewiesen werden. Mit «Derendingen Mitte», der Emmenhof-Überbauung, der Steintor-Überbauung, dem Silbergarten, der Umgestaltung des Kreuzplatzes und der Sanierung der Hauptstrasse, sei viel angestossen und erreicht worden. Noch ist nicht alles fertig gebaut, aber: «Derendingen hat ein neues Gesicht erhalten.» Nach diesen teils turbulenten Jahren erwarte er eine Zeit der Konsolidierung.

In der Folge genehmigte die Versammlung noch die Statutenrevision des Zweckverbandes Schulkreis Wasseramt Ost, als letzte der 13 beteiligten Gemeinden, die EWD-Rechnung sowie das Reglement über den Schularztdienst.