Pastoralraum Wasseramt-Ost

Bevölkerung hat an Religiosität eingebüsst - Kirchliches Leben solle aber bewahrt und ausgebaut werden

Der seit 2017 bestehende Pastoralraum Wasseramt-Ost umfasst sechs Pfarreien. Ein Gespräch mit Leiter Beat Kaufmann, der kirchliches Leben ausbauen möchte und «Ehe für alle» als ein schwieriger Begriff sieht.

Gundi Klemm
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Das solothurnische Wasseramt, das sich in der bischöflich Bistumsregion St. Verena befindet, wurde in die beiden Pastoralräume Wasseramt West-Bucheggberg und das sechs Pfarreien umfassende Wasseramt-Ost aufgeteilt.

Das solothurnische Wasseramt, das sich in der bischöflich Bistumsregion St. Verena befindet, wurde in die beiden Pastoralräume Wasseramt West-Bucheggberg und das sechs Pfarreien umfassende Wasseramt-Ost aufgeteilt.

Urs Byland

Das Bistum Basel erarbeitet seit 15 Jahren einen Entwicklungsplan, um weiterhin selbstständige Pfarreien unter dem Dach von Pastoralräumen zusammenzuführen. Das solothurnische Wasseramt, das sich in der bischöflich Bistumsregion St. Verena befindet, wurde in die beiden Pastoralräume Wasseramt West-Bucheggberg und das sechs Pfarreien umfassende Wasseramt-Ost (pawa-ost.ch) aufgeteilt. Pfarrer Beat Kaufmann (Deitingen) hat neu die Leitung übernommen. Er ist der Nachfolger von Valentine Koledoye, der jetzt als Bischofsvikar tätig ist. «Wir sind noch im Prozess des Zusammenwachsens unterwegs», erläutert Kaufmann die angestrebte Zusammenarbeit über Pfarreigrenzen hinweg.

Zu Grunde liegt kein Zweckverband, sondern ein Zusammenarbeitsvertrag, der dem kirchlichen Leben in der Region Aufwind durch Öffnung aller Angebote für die 8000 Mitglieder der Partnerpfarreien im östlichen Wasseramt verleihen möge. «Unsere Pfarreien sollen leben und Antworten finden auf den gesellschaftlichen Wandel, der bekanntlich vielerlei Gründe hat.» Es gelte, kirchliches Leben zu bewahren und auszubauen, auch wenn in Teilen der Bevölkerung Religiosität und christlicher Glauben eingebüsst hätten. Vor allem aber solle die Kraft gebündelt werden, um die Frohe Botschaft zu verkünden.

Beat Kaufmann Der Pfarrer wünscht sich ein lebendiges Pfarreileben.

Beat Kaufmann Der Pfarrer wünscht sich ein lebendiges Pfarreileben.

Hanspeter Bärtschi

Beat Kaufmann stammt aus Eschholzmatt, erlernte im Kanton Luzern den Beruf des Schriftsetzers und arbeitete als Katechet im Nebenamt. «Seit meiner Kindheit war ich der Kirche immer sehr verbunden», zählt er die unterschiedlichsten Aufgaben etwa als Messdiener und jugendlicher Sigrist auf. Vor 25 Jahren begann er sein Theologiestudium und arbeitete anschliessend im Auftrag des Bistums Basel in verschiedenen Gemeinden der Deutschschweiz. Vor zehn Jahren übernahm er die Pfarrämter Maria Himmelfahrt in Deitingen und St. Urs und Viktor in Subingen. Seit der feierlichen Installation des Pastoralraums am 12. November 2017 ist er auch zuständig für die Pfarrei Aeschi.

«Ehe für alle» ist ein schwieriger Begriff

Beat Kaufmann hat die aktuellen parlamentarischen Beratungen verfolgt. Denn auch kirchenintern habe diese Frage zu intensiven Diskussionen geführt. Er selbst sei in einer klassisch-traditionellen Familie aufgewachsen, in der die eheliche Rolle von Frau und Mann eindeutig bestimmt war.

Mit dem Begriff «Ehe für alle» erkenne er Schwierigkeiten, zumal das kirchliche Eherecht mit Ehe ganz klar nur die Gemeinschaft von Mann und Frau definiert. Viel lieber würde er deshalb von «verantwortungsvollen Lebenspartnerschaften» sprechen. «Und diese beiden Menschen sollten wir auch segnen können», erklärt Kaufmann. Um das aber tatsächlich auch ermöglichen zu können, sollte die Bischofskonferenz dafür klare Regelungen erlassen, wünscht sich der Pastoralraumleiter für die Zukunft.

Kaufmann betont dankbar die grosse Hilfe von haupt- und nebenamtlichen Mitarbeitenden in Kirchgemeinderäten und Sekretariaten in Aeschi, Derendingen, Luterbach, Subingen, Zuchwil und in Deitingen. Ihm als verantwortlichen Pastoralraumpfarrer stehen Gemeindeleiter Thomas Faas (Luterbach-Derendingen), die Seelsorgerinnen Petra Raber, Rosa Tirler im Team mit dem früheren Solothurner Stadtpfarrer Paul Rutz, die Religionspädagogin Carmen Ammann und ab August der neue Zuchwiler Pfarrer Pascal Eng zur Seite. Gemeinsam mit Sekretärinnen, Katechetinnen, Sakristanen, Organisten und den wichtigen Freiwilligen werde Basisarbeit gemacht.

Menschen dort abholen, wo sie stehen

Auf der Ebene Pastoralraum entstehen soziale und kulturelle Angebote zur Aus- und Weiterbildung, regionale Treffen engagierter Menschen zu Themen um Glauben, Leben und Sinnfragen. Ein erstmalig durchgeführter Workshop unter dem Titel «Enkeltauglich leben» sprach wichtige Zukunftsfragen an. Leider litt die Durchführung wie alle Veranstaltungen mit Publikumskontakt unter den Coronabeschränkungen. Weitere gemeinsame Unternehmungen schweben dem Pastoralraum-Leiter vor, wie beispielsweise die Ministrantenreise im letzten Jahr an den Bielersee, die 99 Jugendliche und Begleitpersonen in wunderbarem Gemeinschaftsgefühl vereinigte. Leider kann aus bekannten Gründen in diesem Jahr dieser Ausflug nicht stattfinden.

«Mir ist es ein ganz wichtiges Anliegen, in der Seelsorge und im kirchlichen Miteinander die Menschen da abzuholen, wo sie stehen», umschreibt Beat Kaufmann seine Aufgabe. Um den Gemeindegliedern nahe zu sein, versucht er die dörflichen Kapellen als «Kleinodien» wieder zu aktivieren. Zweimal im Monat werden nach der Pandemiezeit darum wochentags wieder Gottesdienste in Steinhof und Hüniken gefeiert werden.