Ständeratswahlen

Ständerat Roberto Zanetti schafft die Wahl im zweiten Wahlgang problemlos

Wahlsieger Zanetti musste keine Minute bangen während Christian Imark lediglich in 25 der 109 Gemeinden obsiegt.

Lucien Fluri
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Noch ist das Ergebnis nicht da: Roberto Zanetti (l.), Pirmin Bischof und Christian Imark beim Diskutieren der ersten Resultate.

Noch ist das Ergebnis nicht da: Roberto Zanetti (l.), Pirmin Bischof und Christian Imark beim Diskutieren der ersten Resultate.

Tom Ulrich

Es war ein «churzer Chut» gestern Mittag: Bereits um 12 Uhr, als die ersten Gemeinden ausgezählt waren, konnte sich Amtsinhaber Roberto Zanetti seiner Wiederwahl quasi sicher sein. Er hatte bereits in den kleineren Gemeinden, die sonst bürgerlich wählen, einen markanten Vorsprung auf Christian Imark (SVP) herausgeholt.

Gewissheit herrschte dann um 12.55 Uhr, als alle Stimmen ausgezählt waren: Der bisherige SP-Ständerat, im Amt seit 2010, lag nun deutlich vor Herausforderer Imark: Auf Zanetti entfielen 42 666 Stimmen, auf SVP-Nationalrat Imark 27 243.

Wie bereits bei früheren Wahlen konnte der SP-Mann aus Gerlafingen bis weit ins bürgerliche Lager hinein punkten. 61,03 Prozent aller Wählerinnen und Wähler gaben dem 65-Jährigen ihre Stimme. SVP-Kantonalpräsident Imark, der ohne offizielle Unterstützung von CVP und FDP antreten musste, holte immerhin 39,97 Prozent der Stimmen.

Der obere Kantonsteil hält lückenlos zu Zanetti

Zanetti obsiegte in nicht weniger als 84 der 109 Gemeinden. Insbesondere im oberen Kantonsteil hatte Imark kaum Chancen: Sowohl im Leberberg, im Wasseramt als auch im Bucheggberg stimmte keine einzige Gemeinde für den SVP-Politiker.

Über 50 Prozent Wähleranteil holte SVP-Mann Imark dagegen in einigen Gemeinden im Gäu, im Thal und in seiner Heimat, dem Schwarzbubenland. Als einzigen Bezirk eroberte der Fehrener das Thierstein. Im Gäu lag er allerdings nur wenige Dutzend Stimmen hinter Zanetti.

Von einem «guten Resultat» sprach Ständerat Roberto Zanetti gestern – erfreut über seine Wiederwahl. Der 65-Jährige bekräftigte, er wolle die ganze Legislatur im Amt bleiben und keinesfalls frühzeitig zurücktreten. Als wichtigste Dossiers der nächsten vier Jahre bezeichnet Zanetti die Klimafrage, die Altersvorsorge, die Europafrage und die Gesundheitskosten.

«Froh» über die Wahl seines bisherigen – und künftigen – Ständeratskollegen zeigte sich CVP-Mann Pirmin Bischof, der bereits im ersten Wahlgang am 20. Oktober die Hürde geschafft hatte. Zwar hätten sie nicht die gleiche politische Haltung. «Aber wir wissen beide genau, wie der andere tickt.» Dies erleichtere die Arbeit im künftigen Parlament, das viele neue Köpfe umfasse, so Bischof.

Imark machte mehr Stimmen als Wobmann 2015

Imark hat zwar verloren, einen kleinen Erfolg kann er trotzdem verbuchen: Der Schwarzbube war überzeugender als sein Parteikollege und SVP-Nationalrat Walter Wobmann, der 2015 ebenfalls im zweiten Wahlgang gegen Zanetti unterlegen war. Wobmann, bekannt etwa für die Minarett-Initiative, hatte damals 35,44 Prozent der Stimmen geholt und nicht 39,97 wie nun Imark. Er könne sich vorstellen, dass Imarks besseres Resultat «mit der Generationenfrage» zusammenhänge, sagte Zanetti gestern. Die Stimmbeteiligung blieb mit 39,32 Prozent eher tief, was nicht zuletzt daran gelegen haben dürfte, dass keine andere Vorlage zur Abstimmung stand. Offenbar blieb die Mehrheit derer, die sich mit keinem Kandidaten anfreunden konnte, zu Hause. Interessant: Obwohl nur Kandidaten der Polparteien zur Wahl standen, wurden kaum leere Stimmen eingelegt.

Nach einem eher ruhigen Wahlkampf ohne grosse persönliche Attacken sassen Imark und Zanetti gestern im Rathaus nebeneinander und schauten gemeinsam die nach und nach eintreffenden Resultate an. Einmal mehr allerdings benötigte die Stadt Solothurn viel länger als alle anderen Gemeinden, bis sie die Resultate lieferte. Als dies dann der Fall war, stiessen die beiden Kontrahenten gemeinsam an – mit Wein, nicht mit Champagner. «Ich bin kein Cüpli-Sozialist», wollte Zanetti gesagt haben.

SVP-Vizepräsident Walter Wobmann: «Das ist das Ergebnis der fehlenden bürgerlichen Unterstützung»

Reaktionen Er weiss, wie es sich anfühlt, in einem zweiten Wahlgang den Kürzeren zu ziehen: Walter Wobmann, Vizepräsident der SVP-Kantonalpartei, machte vor vier Jahren die Erfahrung, die Parteipräsident Christian Imark gestern ebenfalls durchleben musste. Wobmann mochte allerdings keine Trübsal blasen, auch wenn die SVP abermals klar gegen Zanetti scheiterte. Er sprach denn auch von einem «ansprechenden Resultat» und von einem, das Imark mit Blick auf weitere Wahlen nichts verbaue. Illusionslos stellte Wobmann gleichzeitig aber auch fest: «Das ist das Ergebnis der fehlenden bürgerlichen Unterstützung – wir waren ganz allein.»
Das sieht auch Andreas Gasche, Geschäftsführer des Kantonal-Solothurnischen Gewerbeverbands, so. Es sei ein «schwieriges Unterfangen» gewesen, den amtierenden SP-Ständerat zu verdrängen, gibt er zu bedenken. Und spielt ebenfalls auf die nicht vorhandene Homogenität im bürgerlichen Lager an. Eine, die es auch im Verband selber nicht gab. Nichtsdestotrotz: «Christian Imark hat in Anbetracht der Ausgangslage ein gutes Resultat erzielt», findet Gasche. Und – an die Adresse der bürgerlichen Parteien gewandt: Es sei deren Aufgabe herauszufinden, was sie wirklich wollten.

FDP-Präsident Stefan Nünlist: «Sehr respektables Resultat»

Angesprochen sind damit unter anderem die Freisinnigen, die ebenso wie die Christdemokraten keine Wahlempfehlung für den SVP-Kandidaten abgeben mochten. FDP-Präsident Stefan Nünlist hielt den Ball gestern flach. Zunächst gratulierte er, wie es sich gehört, Robert Zanetti zu seiner Wiederwahl und Christian Imark «zu seinem sehr respektablen Resultat». Beide Kandidaten hätten «einen guten Wahlkampf geführt», so Nünlist. Das nach Regionen differenzierte Resultat zeige, «dass beide über ihre Parteien hinaus mobilisieren und auch freisinnige Wähler überzeugen konnten». Um schliesslich anzufügen: «Im Hinblick auf anstehende Majorzwahlen heisst dies, dass vor allem breit abgestützte Persönlichkeiten mit hohem Bekanntheitsgrad über Wahlchancen verfügen», so Nünlist.

Und eine solche Figur hatte die SP mit Zanetti zweifellos. Gross war denn auch die Genugtuung bei Parteipräsidentin Franziska Roth, dass es neuerlich gelang, den SVP-Angriff im zweiten Wahlgang abzuwehren. Und dies in einer Deutlichkeit, die gegenüber den Verhältnissen vor vier Jahren noch grösser war. Dass die Wahlen nun mit einem für die SP günstigen Ende passé sind – darüber war die frisch gewählte Nationalrätin froh. Gleichzeitig erinnerte sie daran, dass die Regierungsrats- und Kantonsratswahlen, die im übernächsten Jahr anstehen, die Partei schon bald von neuem fordern werden. Wie alle andern auch.

Balz Bruder