Zahlensalat

Solothurner Exportindustrie läuft deutlich besser als angenommen

Falsche Daten der Zollverwaltung haben die Solothurner Wirtschaft schlechter dargestellt, als sie effektiv ist.

Franz Schaible
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Die Solothurner Industrie leidet unter dem starken Franken – aber weniger massiv als bisherige Exportzahlen vermuten liessen. (Symbolbild)

Die Solothurner Industrie leidet unter dem starken Franken – aber weniger massiv als bisherige Exportzahlen vermuten liessen. (Symbolbild)

Keystone/STEFAN MEYER

Das ist wie ein Ostergeschenk: Die Solothurner Exportindustrie trotzt dem harten Franken deutlich besser als bisher angenommen. Dies zeigen die neuesten, korrigierten Daten der Eidgenössischen Zollverwaltung. Eine falsche geografische Zuordnung von Exportdaten im Bereich der Präzisionsindustrie habe die Entwicklung falsch aufgezeigt, erklärt Christian Hunziker, stellvertretender Direktor bei der Solothurner Handelskammer, auf Anfrage.

Er hatte aufgrund der im Vergleich zur Gesamtschweiz auffällig schwachen Solothurner Zahlen für das letzte Quartal 2015 und Januar 2016 bei der Zollverwaltung nach gefragt. Schon bei der Beurteilung der Zahlen für Januar 2016 gab sich Hunziker eher ratlos. «Ich kann die miserablen Zahlen – minus 25 Prozent – auch nicht schlüssig erklären», sagte er gegenüber dieser Zeitung. Zu Recht, wie sich nun herausstellt.

Solothurn liegt jetzt fast im Schweizer Durchschnitt

Die revidierten Daten zeigen nun ein günstigeres Abbild der Geschäftsentwicklung in den Solothurner Exportfirmen. In den Monaten Oktober, November und Dezember 2015 sind die Ausfuhren jeweils gegenüber dem Vorjahresmonat zwar um 6,8, 2,2 und 3,4 Prozent zurückgegangen.

Zuvor meldete die Zollverwaltung für das vierte Quartal aber einen wertmässigen Rückgang von rund 21 Prozent. Dank der namhaften Korrekturen präsentiert sich auch die «Jahresleistung» der Solothurner Exportindustrie im Jahr des Frankenschocks deutlich besser.

Während die Exporte landesweit um 2,6 Prozent zurückgingen, betrug das Minus im Solothurnischen mit 2,9 Prozent nur leicht mehr. Insbesondere die Warengruppe Präzisionsindustrie, Uhren, Bijouterie hat sich gut gehalten. Deren Verkäufe ins Ausland nahmen gar um 2,2 Prozent zu. Diese Branche steuerte rund 45 Prozent an die gesamten Solothurner Ausfuhren bei.

Mit einer gewissen Erleichterung nimmt Hunziker die neuen Zahlen zur Kenntnis. «Nicht nur die Schweizer insgesamt, sondern auch die Solothurner Exportindustrie hat sich angesichts der schwierigen Währungsverhältnisse im vergangenen Jahr als erstaunlich robust erwiesen.» Sind die negativen Prognosen nun alles Makulatur? Nein, sagt Hunziker. Es bleibe dabei: «Die Exportfirmen leiden und die Ausfuhren haben sich doch merklich rückläufig entwickelt.» So betrage das Minus in absoluten Zahlen satte 156 Millionen Franken.

Der Start ins laufende Jahr ist mehr als geglückt

Erfreulich ist aufgrund der revidierten Zahlen der Start ins laufende Jahr ausgefallen. Nach einem leichten Minus im Januar (2,9 Prozent) sind die Exporte im Februar gegenüber dem Vorjahresmonat um hohe 9,7 Prozent gestiegen. Damit resultierte erstmals seit Sommer 2015 wieder eine positive Monatsveränderung. Kumuliert für die beiden ersten Monate ergab sich ein Wachstum der Exporte um 3,3 Prozent. Damit liegt Solothurn weiterhin leicht hinter der gesamtschweizerischen Entwicklung zurück. Landesweit stiegen die Ausfuhren um 3,9 Prozent. Interessant ist, dass die Solothurner im Februar 2016 sogar das Exportvolumen von Februar 2014 leicht übertroffen haben.

Auch im Januar und Februar hat das Schwergewicht Präzisionsindustrie mit einem Anstieg von 7,4 Prozent massgeblich zum guten Ergebnis beigetragen. Dies ist umso erstaunlicher, weil die Schweizer Uhrenexporte im Monatsvergleich im Februar zum achten Mal in Folge tiefer ausfielen. Allerdings bekundet die zweitwichtigste Branche, die Warengruppe Maschinen, Apparate, Elektronik, weiterhin Mühe. Deren Ausfuhren sanken erneut um 7 Prozent.

Bei der geografischen Aufschlüsselung nach Absatzmärkte gibt es eine «dicke Überraschung». In den ersten beiden Monaten sind die Exporte nach Europa, dem wichtigsten Absatzmarkt im Ausland, um starke 7,4 Prozent gestiegen. Dabei kommt die Wirtschaft im Euroraum trotz Finanzspritzen durch die Europäische Zentralbank nur harzig vorwärts. Noch im 2015 resultierte ein Rückgang von fast 7 Prozent.

Im Langfristvergleich hinkt Solothurn deutlich hinten nach

Interessant ist ein längerfristiger Vergleich. Während sich die gesamtschweizerischen Exporte seit 1995 bis 2015 um 121 Prozent auf 203 Milliarden Franken mehr als verdoppelten, stagnierten diese im Solothurnischen. 2015 wurden mit 5,2 Milliarden Franken ziemlich genau gleichviel Waren exportiert wie 20 Jahre zuvor.