Solothurner Kapuzinerkloster

Ruhe um jeden Preis

Ein privater Verein möchte im seit 2003 leerstehenden Solothurner Kapuzinerkloster ein Sozialprojekt realisieren. Gegen das nötige Umnutzungsgesuch sind aber beim Solothurner Stadtbauamt Einsprachen eingegangen.

Urs Mathys
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Anwohner befürchten, dass es beim Kapuzinerkloster Solothurn zu laut wird.

Anwohner befürchten, dass es beim Kapuzinerkloster Solothurn zu laut wird.

Hanspeter Bärtschi

Wer neben einem Kloster wohnt, kann sich über ruhige Nachbarn freuen: Beten und Arbeiten erfolgt in aller Stille. Noch ruhiger lebt sich’s nur neben einem Kloster, das leer steht. So, wie das Kapuzinerkloster Solothurn, das 2003 nach Jahrhunderten von den Kapuzinern aufgegeben wurde. Seither sucht der Kanton als Besitzer erfolglos nach dem «Märchenprinzen», der die riesige Klosteranlage im Baurecht übernimmt und mit einer zweistelligen Millionenspritze wachküsst.

Da kommen dem Kanton die aktuellen Pläne privater Initianten gelegen. Deren soziales Projekt würde ja auch gleich mehrere Seiten zu Gewinnern machen: Sozial Benachteiligte und Asylbewerber erhielten eine sinnvolle Beschäftigung; Gemeinden und Sozialdienste würden entlastet; der Kanton könnte einen Teil der Verantwortung für das Kloster delegieren – und die Bevölkerung dürfte den Klostergarten und das geplante Kloster-Café geniessen.

Davon wollen nun jene Nachbarn nichts wissen, die als Einsprecher gegen das Umnutzungsgesuch auftreten. Dies lässt Schlimmes befürchten: Wenn nur schon eine Zwischennutzung mit Tagesbetrieb auf Widerstand stösst, dann ist erst recht jede angestrebte definitive Nutzung infrage gestellt. Ein Herbergsbetrieb etwa – und sei er noch so bescheiden dimensioniert – wird mehr Verkehr und Lärm verursachen als das aktuelle Sozialprojekt. Sollten die Opponenten jetzt erfolgreich sein, dann wird sich definitiv kein Investor mehr finden lassen: Die Verhinderer hätten dann zwar weiterhin ihre Ruhe – aber auch eine gehörige Verantwortung zu tragen.

urs.mathys@azmedien.ch