Sozialdienst

Mitarbeiter der regionalen Sozialdienste sind überlastet

Die Fälle, mit denen sich Sozialhilfe und Vormundschaftsbehörden im Kanton Solothurn befassen, nehmen stetig zu. Das belastet die Sozialregionen, die Personal aufstocken müssen.

Lea Durrer
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Zu viele Dossiers zu erledigen: Sozialregionen stocken deshalb Stellenpozente auf.

Zu viele Dossiers zu erledigen: Sozialregionen stocken deshalb Stellenpozente auf.

AZ

«Die Arbeit wächst von Tag zu Tag.» Olaf Wirtz, Leiter Sozialdienst Wasseramt Ost, zählt jeden Monat die Fälle, die behandelt werden. «Solange es im System grün aufleuchtet ist alles in Ordnung», erklärt er. Das ist jedoch schon längst nicht mehr der Fall. «Bei uns leuchtet es gelb», so Wirtz. Da müsse etwas unternommen werden. «Sonst ist die Gesundheit der Sozialarbeiter gefährdet.»

Deshalb hat Wirtz auch Derendingen, die Leitgemeinde der Sozalregion, um eine Aufstockung der Stellenprozente gebeten. Ganze 70 Prozent braucht er zusätzlich, um die Belastung in der Sozialhilfe und der Vormundschaft einigermassen in Grenzen zu halten. Der Gemeinderat stimmte dem Antrag auf Erhöhung der Stellenprozente als Notmassnahme Anfang März zu (wir berichteten).

Mehr Arbeit für Sozialdienste

Das Problem der Personalnot kennen auch andere Sozialdienste im Kanton Solothurn. Beim Kanton weiss man zwar nicht, wie stark überlastet die einzelnen sind. Aber: «Stellenaufstockungen vom Jahr 2011 zum Jahr 2012 haben wir bei diversen Sozialregionen festgestellt», sagt Claudia Hänzi vom Amt für soziale Sicherheit.

Eine Umfrage bei den verschiedenen Sozialregionen zeigt: die Meisten haben im letzten Jahr steigende Fallzahlen verzeichnet, klagen aber auch über die zunehmende Komplexität. Weil die Kontrollen von Seiten des Kantons verstärkt wurden, fallen für die einzelnen Sozialregionen mehr administrative Arbeit an. Diese und weitere Faktoren veranlassen viele Sozialdienste, zusätzliche Stellenprozente zu beantragen.

Befristete Aufstockung

So beispielsweise im Sozialdienst BBL (Bucheggberg, Biberist, Lohn-Ammansegg). Dort wurde im Frühjahr 2011 eine Stellenaufstockung um 170 Prozent bewilligt. «Deshalb hat sich die Situation im Dienst stabilisiert», lässt Leiterin Marlies Jeker verlauten. Die Belastung der Mitarbeitenden sei jedoch mit 90 bis 100 Fälle auf 100 Stellenprozente in der Sozialarbeit und 80 Mandaten auf 100 Stellenprozente im Kinder- und Erwachsenenschutz hoch.

Auch Fernanda Brauchli musste im letzten Jahr beim Gemeinderat Stellenprozente beantragen, weil so viel zu tun war. Neben den 1200 Stellenprozenten stehen der Leiterin der Sozialregion Zuchwil-Luterbach nun 100 zusätzlich zur Verfügung. Jedoch nur befristet für ein Jahr. «2013 kommt das neue Kinder- und Erwachsenenschutzgesetz. Deshalb wissen wir nicht, wie viele Stellenprozente wir brauchen werden», erklärt Brauchli.

«Mitarbeiter kommen an Grenzen»

Weil die «nackten Fallzahlen kontinuierlich steigen», baute auch Hansruedi Waiz, Leiter der Sozialregion Mittlerer und unterer Leberberg, um 100 Stellenprozente aus.

Keine Stellenprozente aufgestockt hat indes der Sozialdienst oberes Niederamt. Leiter Franco Tonet gesteht aber ein: «Die Mitarbeiter sind alle sehr ausgelastet und kommen in gewissen Bereichen an ihre Grenzen.»

100 Dossiers = 125 Stellenprozente

Davon kann Olaf Wirtz ein Lied singen: «Wir haben bis 125 Fälle pro 100 Stellenprozente. Und auch mehr.» Dabei sieht ein Schlüssel des Kantons vor, für 100 anerkannte Dossiers 125 Stellenprozente sicherzustellen. «Sie teilen sich auf in einen Anteil von 100 Prozent Fachmitarbeit und 25 Prozent Administration», erläutert Claudia Hänzi vom Amt für Soziale Sicherheit.

Wie viele Personen beim Sozialdienst angestellt sind, muss Ende September beim Kanton eingereicht werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob zu viele Stellen belegt werden. «Stellenüberschreitungen werden vom Departement nicht berücksichtigt», so Hänzi. Der Kanton sei nicht in den Prozess von Stellenaufstockungen bei Sozialdiensten involviert. Deshalb werde keine Bewilligung von Seiten Kanton benötigt.