Steueramt Solothurn

Mammutprojekt gestemmt: Neues Informatiksystem Sotaxx steht vor dem Abschluss

Das Solothurner Steueramt schliesst bald die Umstellung seines Informatiksystems Sotaxx ab. Das ist eine 17 Millionen Franken teure Herkulesaufgabe, von der die Steuerpflichtigen nicht beeinträchtigt werden sollen und die Gemeinden nur wenig.

Daniela Deck
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Die Umstellung im Steueramt öffnet Türen für die Digitalisierung – etwa für die Einführung der elektronischen Steuererklärung mit etax.

Die Umstellung im Steueramt öffnet Türen für die Digitalisierung – etwa für die Einführung der elektronischen Steuererklärung mit etax.

sks

Begonnen hat das Projekt So-taxx 2017, beendet wird es Ende Juni dieses Jahr. Thomas Fischer, Chef des Steueramts, zieht auf der Zielgeraden eine erfreuliche Zwischenbilanz. Die Veranlagung sämtlicher Steuerarten, Steuerbuchhaltung, Inkasso, Steuererklärungen und Vorbezug: Alles wird respektive ist schon neu für die 220 Mitarbeitenden im Steueramt. Die Plattform heisst Neue Steuerlösung (Nest), das Projekt Sotaxx.

Am 1. Januar dieses Jahres wurde der Kanton Solothurn als 14. Mitglied in die Gruppe der Kantone aufgenommen, die auf die Softwareplattform setzen. Die massgeschneidert auf die Bedürfnisse des Kantons zugeschnittene Lösung wird derzeit schrittweise hochgefahren. Für die Anwendung wurden die Mitarbeitenden in Gruppen anderthalb Tage geschult.

An manchen Feiertagen durchgearbeitet

Fischer freut sich, dass der Mehraufwand gut bewältigt wurde, besonders in der Einführungsphase seit dem Juli letztes Jahr. Er lobt die Mitarbeitenden für ihre Motivation, das Mitdenken und die Verbesserungsvorschläge. «Ich erlebe unsere Mitarbeitenden als sehr offen und dem Kanton und ihrer Arbeit verbunden», sagt er.

Am 6. Dezember 2019 wurde die Arbeit auf dem alten System beendet. Diese Softwareplattform hatte IBM (International Business Machines Corporation; IT- und Beratungsunternehmen) zusammen mit den Kantonen Solothurn und Zug entwickelt. Verwendet wurde sie mit diversen Modernisierungen seit 1995. Mangels Erfolg auf dem Markt kündigte IBM auf Ende 2019 den Support, sodass die beiden Kantone eine neue Lösung finden mussten. Ab dem 7. Dezember waren das grosse Aufräumen und Migrieren der Datensätze samt allen Verknüpfungen seit dem Jahr 2015 angesagt. Die Jahrgänge davor bleiben im alten System weiterhin zugänglich, was besonders für Nachsteuerverfahren wichtig ist. Am 6. Januar 2020 begann die Arbeit auf dem neuen System. So intensiv verlief die Umstellungsphase zum Jahreswechsel, dass auch am 26. Dezember und am 2. Januar durchgearbeitet wurde. An Heiligabend sei die Festplatte mit den Datensätzen der 180'000 Steuerpflichtigen (170'000 Natürliche Personen und 10'000 Juristische Personen) von der Polizei zum Einlesen nach Kriens zu einer spezialisierten Firma gefahren worden, so Fischer.

Ende 2019 gründlich aufgeräumt

Das Steueramt habe letztes Jahr 90 Prozent der Veranlagungen des Vorjahres bei den unselbstständig Erwerbenden und 70 Prozent bei den selbstständig Erwerbenden abgeschlossen. «Diese Topquote, die ihresgleichen sucht, hat uns die Luft gegeben, den Zusatzaufwand für Nest zu bewältigen», erklärt der Amtschef. Dass es dieses Jahr wegen der Umstellung langsamer geht, habe man einkalkuliert und den Gemeinden frühzeitig mitgeteilt. Das Ziel liegt heuer bei 80 respektive 60 Prozent. «Vor dem Notstand waren wir gut unterwegs», sagt Fischer. «Jetzt müssen wir, wie alle anderen auch, die Dinge nehmen, wie sie kommen».

Krise rechtfertigt Erleichterungen für Steuerzahlende

Steuerpflichtige, deren Einkommen sich 2020 aufgrund der Coronakrise markant verändern wird, können mit dem Steuerrechner des Steueramts online berechnen, welche Höhe des Vorbezugs zur Anwendung kommen wird, und diesen Betrag anstelle des in Rechnung gestellten Vorbezugs einzahlen.

Zudem hat das Steueramt Massnahmen getroffen, um Steuerpflichtigen, die finanziell unter der Krise leiden, entgegenzukommen. In Einzelfällen kann eine Zahlungserleichterung, etwa in Form von Ratenzahlungen, beantragt werden. Zudem hat nach dem Bundesrat (Bundessteuern) auch der Regierungsrat (Staatssteuern) entschieden, dass von Anfang März bis Ende Dezember 2020 keine Verzugszinsen erhoben werden. Und: In Einzelfällen kann auch ein Steuererlass beantragt werden.

Was das Einreichen der aktuellen Steuererklärung angeht, so wurde der Einreichetermin für natürliche Personen kostenlos auf den 31. Juli 2020 verlängert. Juristische Personen können wie gewohnt eine kostenlose Fristverlängerung bis 31. Oktober 2020 beantragen. (dd/szr)

Die Massnahmen im Detail

Die technischen Möglichkeiten der neuen Software ermöglichen wichtige Schritte in der Digitalisierung. Für die Nutzer zeigt sich das etwa durch die Einführung von etax. Was die Arbeitsorganisation angeht, so betont Fischer, dass sämtliche Partnerfirmen des Steueramts innerhalb der Schweiz tätig seien. Weder elektronisch noch auf Papier würden Daten das Land verlassen. Das Scanning werde zum Beispiel in einem kantonseigenen Gebäude an der Kapuzinerstrasse gemacht.

Alleinerziehende zu hoch eingestuft

Wie bei jeder Software-Umstellung gab es anfänglich die eine oder andere falsche Verknüpfung. «Probleme gab es beim Vorbezug 2020: Hauptsächlich betroffen waren Alleinstehende mit Sorgerecht für Kinder», sagt Fischer. «Sie wurden vom System irrtümlich dem Alleinstehenden-Tarif zugeordnet statt dem Verheirateten-Tarif. Deshalb erhielten sie zu hohe Rechnungen für den Vorbezug.» Da seien die Telefone in den letzten Wochen heiss gelaufen. Wie viele Personen betroffen waren, kann Fischer nicht sagen, «aber es waren bestimmt einige Hundert».

Letztes Jahr wurden gemäss Fischer 3578 Personentage für das Projekt Sotaxx aufgewendet. Zudem haben sich im Steueramt eine Menge Überstunden angesammelt. «Besonders die Realisierungsphase von Ende 2018 bis zum Juni 2019 war wesentlich aufwendiger, als wir uns das vorgestellt hatten», erklärt der Amtschef. Die genaue Anzahl der Überstunden könne er aufgrund der internen Stellvertretungen derzeit nicht nennen.

Nur so viel: Ende 2019 seien 1363 Stunden aufgrund der Mehrarbeit ausgezahlt worden. Wo immer möglich werde die Überzeit kompensiert. Ausgezahlt werde diese nur bei denjenigen Projektverantwortlichen, die aus organisatorischen Gründen im Betrieb nicht fehlen können.