«Inside Bundeshaus»

Kurt Fluri im SRF-Dok: «Die Dreharbeiten waren sehr zeitaufwendig»

Heute zeigt SRF erstmals den Dok-Film «Inside Bundeshaus». Einer der vier Protagonisten ist Solothurner. Wie es dazu kam – und warum Kurt Fluri & Co. ständig aufpassen mussten.

Mario Fuchs
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Inside Bundeshaus DOK-film: Aargauer UND Solothurner
7 Bilder
Ruth Humbel mit CVP-Mitarbeiterin Stefanie Egger im Bundeshaus-Restaurant.
Dokumentarfilmerin Karin Bauer stellt Fragen vor dem Kommissionszimmer.
Andreas Glarner bei der Nachtarbeit im Hotel.
Cédric Wermuth in der Waschküche.
CVP-Nationalrätin Ruth Humbel.
SVP-Nationalrat Andreas Glarner.

Inside Bundeshaus DOK-film: Aargauer UND Solothurner

SRF

Ausschnitte gibt es noch keine – bis gestern war der neuste DOK-Film des Schweizer Fernsehens nicht fertiggestellt. Einzig einige Stills vom Bildschirm im Schnittraum hat SRF vorab veröffentlicht. Spätestens heute Abend muss das Team seine Arbeit vollenden: Um 20.05 Uhr wird «Inside Bundeshaus» auf SRF 1 ausgestrahlt. Auf den Tag genau drei Jahre, nachdem die SVP ihre Volksinitiative «Gegen Masseneinwanderung» lancierte.

Was zu sehen sein wird, wird für Kurt Fluri (FDP), Ruth Humbel (CVP), Cédric Wermuth (SP) und Andreas Glarner (SVP) eine Überraschung sein. Die vier Nationalräte mit Sitz in der staatspolitischen Kommission liessen sich ein Jahr lang bei den Verhandlungen über die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative begleiten.

SRF-Dokumentarfilmerin Karin Bauer befragte ihre Protagonisten vor, zwischen und während der vertraulichen Besprechungen vor dem Kommissionszimmer 3. Filmte beim Zmittag im Bundeshaus-Restaurant, bei der Nachtarbeit im Berner Hotel – im Schützenstand, in der Waschküche, auf dem Kreuzfahrtschiff.

Interviews nur vor der Tür

Einer der vier Protagonisten, Kurt Fluri, ist Solothurner, die anderen drei sind Aargauer. Ist diese geografische Konzentration gewollt? Nein, sagt Autorin Karin Bauer: «Es ist reiner Zufall. Ich wählte Politiker, die in der massgebenden staatspolitischen Kommission des Nationalrats sitzen und die Bundesratsparteien vertreten.»

Fluri als Gruppenchef seiner Delegation, Glarner und Wermuth, weil sie «durch Provokationen bekannt geworden sind», Humbel wegen ihrer langjährigen Bundeshaus-Erfahrung. «Die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative schien mir der ideale Moment, um zu zeigen, was die ‹dort oben› in Bundesbern überhaupt machen», sagt Bauer.

Grösste Herausforderung sei es gewesen, das Kommissionsgeheimnis zu schützen. Die Beratungen der Politiker waren vertraulich, Interviews durften nur vor der Tür des Kommissionszimmers geführt werden. Glücklicherweise habe man zusätzlich Strategiesitzungen filmen können, die in der Mittagspause stattfanden.

Über die Dreharbeiten wurde der Ratspräsident im Vorfeld informiert. Die Filmarbeiten seien akzeptiert worden, sagt Kurt Fluri. Denn es sei klar gewesen: «Zum Zeitpunkt der Ausstrahlung des Dokumentarfilmes ist das Geschäft schon gelaufen», so der Solothurner FDP-Nationalrat. Die Diskussion könne durch den Film so nicht mehr beeinflusst werden.

Ihm bleiben die Dreharbeiten als «sehr zeitaufwendig» in Erinnerung. «Wir mussten x-mal hinstehen, wenn man doch eigentlich weiter gehen musste, oder mehrmals die Treppe hinuntergehen, bis das Bild im Kasten war.» Er habe sich aber stets davor gehütet Privates zu erzählen. «Da habe ich mich geweigert!»

«Vieles läuft wirklich hinter den Kulissen»

Die Aargauer CVP-Nationalrätin Ruth Humbel sagt: «Man hätte teilweise natürlich gerne mehr erzählt, als man durfte.» Und Cédric Wermuth sagt es so: «Ich verstehe das Anliegen, dem Volk zu erklären zu wollen, wie es in Bern abläuft. Aber vieles läuft halt wirklich hinter den Kulissen. Das kann man nicht mit der Kamera einfangen.»

Der Film, der das bislang am besten schaffte, wurde 2003 zum Publikumserfolg und ist seither ein Klassiker im Klassenzimmer: «Mais im Bundeshuus». Doch in den 14 Jahren seither hat sich einiges verändert. Wermuth: «Die Sensibilität ist heute eine ganz andere als damals bei ‹Mais im Bundeshuus›. So offen aus den Sitzungen zu berichten, wie es die Protagonisten damals taten, würde heute nicht mehr akzeptiert.»

Keine schlechtes Gewissen

Jetzt erwarten die Protagonisten mit Spannung, was heute Abend zu sehen sein wird. Unisono bestätigen sie: Wir haben keine Ahnung, welche Szenen ausgewählt wurden. Kurt Fluri wird den Dokumentarfilm am Abend mit seiner Familie anschauen.

Diskussionen wird es dabei mehrere zu sehen geben. «Wir hatten oft Streitgespräche, die gefilmt wurden.» Diese seien auch das Interessanteste am Film. Im Übrigen seien für ihn Streitgespräche vor der Kamera nichts besonderes mehr. «Das habe ich ja schon einige Male gemacht – z.B. in der Arena.» Grundsätzlich macht Fluri keinen Unterschied aus, ob die Diskussion für eine TV-Sendung oder einen Film aufgezeichnet wird.

Und was sagt Macherin Bauer? Wenn man das persönliche Schicksal einer medienungewohnten Person verfilme, biete man an, den Film vor der Ausstrahlung sehen zu können. «Bei unseren Protagonisten und der Protagonistin aber handelt es sich um Medienprofis. Ihnen legte ich jene Aussagen vorgängig vor, die mit dem Kommissionsgeheimnis kollidieren könnten, dort hatten sie ein Mitspracherecht.»

Um 20.05 Uhr auf SRF 1 wird das Geheimnis gelüftet.

Mitarbeit: Lea Durrer