Ausstellung

Kunstmuseum Solothurn präsentiert den genialen Zeichner Albert Anker

Das Kunstmuseum Solothurn eröffnet am Samstag eine Ausstellung mit Zeichnungen und Aquarellen von Albert Anker (1831-1910) im Grafischen Kabinett.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Junger Bauernknabe, um 1860, Bleistift auf Papier, 28 x 20,7 cm, Stadtbibliothek Zofingen
6 Bilder
Louise Anker mit Brosche, um 1880, Kohle und Bleistift auf Papier, 36 x 28,5 cm, Stiftung Albert Anker-Haus, Ins, Schenkung Pierre Banderet
Der Bonvivant, um 188o, Aquarell auf Papier, 15,3 x 22,5 cm, Kunstmuseum Solothurn, Depositum der Gottfried Keller-Stiftung, 1946.
Zeichnungen von Albert Anker
Weg oberhalb Ligerz, 1888, Aquarell auf Papier, 13,8 x 18,7 cm
S. Apollinare in Classe, Ravenna, um 1891, Aquarell auf Papier, 10,5 x 14,5 cm, Stiftung Albert Anker-Haus, Ins, Standort: Gemeinde Ins.

Junger Bauernknabe, um 1860, Bleistift auf Papier, 28 x 20,7 cm, Stadtbibliothek Zofingen

Martin Bauer

Das Kunstmuseum Solothurn hat sich seit Jahren mit wichtigen Ausstellungen von Schweizern Künstlern des frühen 20. Jahrhunderts im Grafischen Kabinett der Zeichnung gewidmet. Nach Amiet, Giovanni Giacometti oder Sophie Taeuber-Arp und anderen hat sich der Museumskurator Christoph Vögele einem «Schwergewicht» der Schweizer Kunstgeschichte angenommen: Albert Anker.

«Es ist erstaunlicherweise die erste Ausstellung nur mit Zeichnungen und Aquarellen von Albert Anker überhaupt», freut sich Vögele. Und diese sei vor allem deshalb zustande gekommen, weil eine grosse Leihbereitschaft bei den wichtigsten Anker-Sammlungen vorhanden sei. Die Stiftung Albert Anker-Haus in Ins, die Gemeinde Ins, das Kunstmuseum Bern und die Privatsammlung von Christoph Blocher machen den Hauptanteil in dieser Ausstellung aus. «Zusätzlich verfügt unser Haus über zehn Gemälde und neun Zeichnungen von Anker», so Vögele. Weitere Leihgaben kommen aus dem Kunsthaus Zürich, dem Kunst Museum Winterthur, dem Musée Cantonal des Beaux-Arts Lausanne, der Stadtbibliothek Zofingen sowie von weiteren privaten Sammlern und auch von Nachfahren des Künstlers. «Insbesondere diese Blätter berühren aufgrund ihres persönlichen Charakters», streicht Vögele heraus.

Sein grosses zeichnerisches Talent

Die Ausstellung ist chronologisch gehängt und beginnt mit den ersten zeichnerischen Arbeiten des jungen Anker als etwa 14-Jähriger. Schon hier ist sein grosses zeichnerisches Talent, noch nicht ausgebildet, erkennbar. Ankers Vater, ein Tierarzt, bestand aber darauf, dass sein Sohn ein Theologiestudium aufnahm und so verbrachte der junge Albert seine Jahre zwischen 20 und 22 an der Universität Bern und an der Uni im deutschen Halle. Fast bis zu Ende studierte er die Theologie, konnte dann aber 1854 nach Paris fahren, um dort eine Malausbildung zu beginnen. «Er musste seinem Vater versprechen, nie durch die Malerei armengenössig zu werden», erzählt Vögele. So sei es auch zu erklären, dass Anker als Maler stets darauf bedacht war, sich und seiner Familie einen gutbürgerlichen Lebensstil angedeihen zu lassen. Zeit seines Lebens hat Albert Anker zwischen seinem Wohnort Ins und zwischen Paris gependelt. Seinen drei Töchtern ermöglichte er eine schulische Ausbildung in Paris, seinen Sohn Moritz behielt er lieber zu Hause. Die weltlichen Einflüsse in der französischen Hauptstadt wären ihm nicht gut bekommen, glaubte Anna Anker-Rüfli, die Ehefrau und Mutter.

Bereits in den ersten Jahren seines Schaffens ist Albert Ankers absolute zeichnerische Meisterschaft in den verschiedenen Techniken zu erkennen. Ob als Zeichner mit dem Bleistift, als Radierer, mit dem Kohlestift oder als Aquarellmaler. Seine klassisch-akademische Malausbildung dringt durch, auch wenn zur gleichen Zeit bereits die Impressionisten – die jungen Wilden damals – für Furore sorgten. Hauptsächlich ist Anker als Porträtist von Typen, von Kindern, alten Männern, stillen Frauen bekannt. Das ist auch bei den Zeichnungen nicht anders. Vielfach sind es Studien oder Skizzen, die dann später in Ölgemälden wieder Verwendung fanden. Doch verkaufte er gerne auch diese Zeichnungen und Aquarelle, denn Anker war ein wirtschaftlich erfolgreicher Künstler jener Zeit. «Ein Aquarellbild kostete in seinen späteren Lebensjahren hundert Franken», weiss Vögele. Ab 1901 hat Anker nur noch Aquarelle gemalt, denn aufgrund eines erlittenen Hirnschlages konnte er keine physisch anstrengenden Ölgemälde mehr realisieren.

Intime Szenen aus der Familie

Viele der Zeichnungen, die jetzt zu sehen sind, sind jedoch noch nie oder nur selten öffentlich zu sehen gewesen. Vor allem, wenn es sich um Reisetagebuchskizzen oder um Zeichnungen handelt, die Anker von seiner Familie schuf.
Der Maler des Schweizer Bauernstandes war selbst kein Bauer, sondern bewegte sich in einem komfortablen bürgerlichen Umfeld. «Es stimmte so für ihn, denn als streng puritanischer Mensch war er davon überzeugt, dass Gott jedem Individuum seinen ganz eigenen Platz im Universum zuweist", berichtet der Kurator.

Vernissage am Samstag, 26. Oktober 17 Uhr. Bis 16. Februar. Mit zahlreichen Rahmenveranstaltungen. Publikation zur Ausstellung mit zahlr. Abbildungen 46.-- Franken