Retrospektive
Hommage an Schang Hutter im Kunstmuseum Solothurn

Das Kunstmuseum Solothurn zeigt in zwei Sälen Sammlungsstücke des im Juni 2021 verstorbenen Solothurner Künstlers.

Fränzi Zwahlen
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Retrospektive Schang Hutter im Kunstmuseum Solothurn

Retrospektive Schang Hutter im Kunstmuseum Solothurn

Hanspeter Bärtschi / SZ

Mitte Juni dieses Jahres verstarb der Solothurner Bildhauer und Zeichner Schang Hutter 86-jährig nach langer Krankheit. Er zählt zu den bedeutendsten Schweizer Künstler seiner Generation. Deshalb zeigt das Kunstmuseum Solothurn in zwei Sälen im 1. Stock Werke Hutters aus eigenen Beständen, die seit den 50er-Jahren bis 1994 angeschafft wurden. In den Jahren 1989 und 2007 ehrte das Kunstmuseum Solothurn Hutter bereits in grossen Einzelausstellungen.

Schang Hutters Biografie ist bekannt. Im elterlichen Steinmetzbetrieb ausgebildet, zog er 1954 nach München und studierte dort bis 1961 an der Akademie der Bildenden Künste. Die in München angetroffenen Kriegsversehrten schockierten ihn und beschäftigten ihn während seines gesamten künstlerischen Schaffens. Zu den Höhepunkten der Hommage-Ausstellung gehören die beiden Holz-Skulpturen «Benjamin» (1964) und «Liegende Gestalt» (1968–71) sowie eine filigrane, an die Werke von Alberto Giacometti erinnernde Stabgruppe (1968–71).

Im kleinen Ecksaal ist die Boden-Arbeit «Figur, fallend» (1987/91) zu sehen, welche die «Geworfenheit des Menschen» erschütternd vor Augen führt. Die Verletzlichkeit des Menschen, oder das, was Menschen andern Menschen antun, zeigte Hutter schonungslos. Doch immer ist auch ein Stück Schalk und Humor und eine grosse Menschenliebe in seinen Arbeiten zu finden.

Selten zu sehen war sein Frühwerk aus den späten 50er- und frühen 60er-Jahren. Im Kunstmuseum Solothurn bezeugen diese Zeit Zeichnungen, die den Weg des klassisch ausgebildeten Bildhauers in die Abstraktion nachvollziehen lassen. Die meisten Blätter stammen jedoch aus den 1980er-Jahren und lassen an Hutters damalige Holzlatten-Skulpturen denken. Bemerkenswert ist der immer kraftvolle Strich und die Lust zur Farbgebung. Dies alles spiegelt Hutters unbändige Energie und die Subtilität eines mutigen und feinfühligen Menschen.

Hutter im öffentlichen Solothurner Raum

Auch im öffentlichen Raum der Stadt Solothurn ist Schang Hutter mit Hauptwerken vertreten. Ein Gang durch die Stadt lässt Begegnungen mit diesen Arbeiten zu. Zu nennen ist die Kosciuszko-Figur (1964) in der Nähe des Amtshausplatzes, die Skulptur «Der Verletzlichkeit Raumgeben» (1994) im Museumspark oder die 23 Meter hohe «Figur Solothurn» (1995/96), bei der Kantonsschule Solothurn. Nicht vergessen werden darf der viel diskutierte Stahlblock «Shoah» (1996), dessen provokante Platzierung vor dem Bundeshaus und auf dem Zürcher Paradeplatz 1998 für viele Schlagzeilen sorgte. Dank privater Initiative steht dieses eindrucksvolle Mahnmal seit langem in der Solothurner Fegetz-Allee.

Hinweis: Die Ausstellung dauert bis am 27. Februar 2022 und ist im 1. Stock des Kunstmuseums zu finden.

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