Mikroverunreinigungen

Kampf gegen die unsichtbare Gefahr im Abwasser

Die aus Medikamenten, Körperpflegeprodukten oder Pflanzenschutzmitteln stammenden Mikroverunreinigungen gelangen über das gereinigte Abwasser in die Umwelt und können für Tiere und Menschen schädlich sein.

Stefan Frech
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Die ZASE Emmenspitz in Zuchwil ist eine von drei Abwasserreinigungsanlagen im Kanton, die wahrscheinlich eine zusätzliche Reinigungsstufe gegen Mikroverunreinigungen einbauen müssen. mt

Die ZASE Emmenspitz in Zuchwil ist eine von drei Abwasserreinigungsanlagen im Kanton, die wahrscheinlich eine zusätzliche Reinigungsstufe gegen Mikroverunreinigungen einbauen müssen. mt

Bekanntestes Beispiel: Die Hormone aus der Antibabypille stehen im Verdacht, zur Verweiblichung von männlichen Wassertieren und Menschen zu führen. Jetzt will der Bund handeln: Er hat eine Änderung des Gewässerschutzgesetzes in die Vernehmlassung geschickt, um die Finanzierung der Elimination von Mikroverunreinigungen zu regeln.

Die geplanten Massnahmen werden nämlich teuer: Damit die 100 wichtigsten öffentlichen Abwasserreinigungsanlagen (ARA) in der Schweiz in den nächsten 20 Jahren nachgerüstet werden können, ist mit Investitionskosten von 1,2 Mrd. Franken zu rechnen. Ein Viertel dieser Kosten müssen die Betreiber berappen, drei Viertel die öffentliche Hand.

Ozonierung oder Aktivkohle

Das heisst in beiden Fällen nichts anderes, als dass die Abwassergebühren steigen werden. «Jeder an eine Kläranlage angeschlossene Einwohner der Schweiz würde jährlich mit sechs bis neun Franken zusätzlich belastet», erklärt Chantal Schmitt, Leiterin Abteilung Wasser im kantonalen Amt für Umwelt (AfU). «Das finden wir vertretbar.»

In den Gemeinden, die an eine der 100 zu sanierenden ARA angeschlossen sind, erhöhen sich die Gebühren zusätzlich, weil mit höheren Betriebskosten gerechnet werden muss. Um wie viel, ist noch offen. «Man rechnet mit 10 bis 20 Rappen pro Kubikmeter gereinigtem Abwasser.»

Im Schnitt ist mit Investitionskosten von 7 bis 15 Mio. Franken pro Grossanlage zu rechnen, damit die zusätzliche Reinigungsstufe (Ozonierung oder Aktivkohle) gebaut werden kann. Untersuchungen haben ergeben, dass dadurch 80 Prozent der Mikroverunreinigungen eliminiert werden.

Nur drei Kläranlagen im Kanton

Wegen der hohen Kosten können nicht alle ARA in der Schweiz saniert werden. So müssen zum einen nur die grössten ARA (Einzugsgebiet mit mehr als 80000 Einwohnern) eine zusätzliche Reinigungsstufe bauen.

Zum andern sind mittelgrosse ARA betroffen, bei denen das gereinigte Abwasser in einen Bach oder Fluss fliesst, dort aber zu wenig verdünnt wird. «Im Kanton Solothurn müssen insgesamt wahrscheinlich nur drei ARA umgerüstet werden», erklärt Chantal Schmitt vom AfU.

So ist der Zweckverband der Abwasserregion Solothurn-Emme (ZASE) mit einem Einzugsgebiet von über 45 Gemeinden, davon 32 im Kanton Solothurn, «sicher drin». Die in die Dünnern ableitenden ARA Falkenstein und ARA Gäu-Gunzgen dürften ebenfalls – aufgrund des ungenügenden Verdünnungsverhältnisses – eine Reinigungsstufe gegen Mikroverunreinigungen einbauen müssen. Schliesslich hat der Kanton auch die Möglichkeit, einen Ausbau weiterer ARA anzuordnen, wenn in der Region das Grundwasser stark mit Mikroverunreinigungen belastet ist.

Für Chantal Schmitt ist klar, dass insbesondere die Bevölkerung im Kanton Solothurn ein Interesse an einem Ausbau der ARA haben sollte. «Im Kanton Solothurn stammen drei Viertel des Trinkwassers aus Grundwasser, das auch durch Versickerung der Flüsse angereichert wird. Die Verunreinigungen treffen also nicht nur die Fische, sondern auch uns direkt.»