Kanton Solothurn

«Irgendwann stossen wir an eine Grenze»: So bereiten sich die Zentren auf mehr Corona-Tests vor

Schon heute werden in Spitäler und Ärztezentren im Kanton für Corona-Tests Überstunden geleistet. Im Winter sollen laut Bundesrat noch mehr Tests möglich sein. Noch kann man im Kanton die Kapazitäten erhöhen. Die Zentren erklären, wie.

Noëlle Karpf
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Ende Juli noch wurden wöchentlich rund 300 Tests im Kanton durchgeführt; Anfang September liegt die Zahl bei über 800.

Ende Juli noch wurden wöchentlich rund 300 Tests im Kanton durchgeführt; Anfang September liegt die Zahl bei über 800.

Keystone

Verdoppeln. So lautet das Ziel des Bundesrats: Bis im Dezember will man in der Schweiz 50'000 Corona-Tests pro Tag durchführen können. Im Kanton Solothurn wurden in den vergangenen Wochen je rund 800 Tests durchgeführt. Das ist mehr, als noch in den Sommermonaten; und ähnlich viel, wie in den umliegenden Kantonen, zeigt eine Auswertung auf der Webseite des Bundesamts für Gesundheit. Wie viel man überhaupt testen könnte im Kanton ist nicht bekannt.

Aktuell ist eine Arbeitsgruppe im Einsatz. So würden Grundlagen für den Ausbau der Testkapazitäten erarbeitet, erklärt Andrea Affolter, Medienbeauftragte des Regierungsrates. «Momentan sind die Testkapazitäten genügend und es kommt zu keinen relevanten Verzögerungen, aber wir stehen vor grossen Herausforderungen in den kommenden Herbst- und Wintermonaten.»

Zum Wochenbeginn Wartezeiten vor Spitäler

Schlange stehen vor dem Testzentrum des Kantonsspitals Olten mussten Anfang Juli an einem einzigen Tag über 100 Partygäste, die im selben Oltner Club gefeiert hatten, wie eine am Coronavirus erkrankten Person. Auch aktuell kann es bei den Testzentren der Solothurner Spitäler AG (soH) zu Wartezeiten kommen. Das «Menschenaufkommen» sei unterschiedlich hoch, heisst es auf Anfrage. Vor allem Montags und Dienstags entstünden Wartezeiten. Diesen Monat wurden im Schnitt in Solothurn täglich 85, in Olten 100 Abstriche gemacht.

Konkrete Angaben zur Vorbereitung auf den Winter werden nicht gemacht. Die soH-Medienstelle informiert, pro Schicht seien zwei bis sechs Spezialisten im Einsatz. «Je nach Patientenaufkommen werden weitere Kolleginnen und Kollegen hinzugezogen, welche dann wiederum im Tagesgeschäft fehlen.»

Keine Materialengpässe; dafür Überstunden

Gerade für Zentren, in welchen kein 24-Stunden-Testbetrieb läuft, stelle die Erhöhung der Kapazität eine Herausforderung dar, war kürzlich auf SRF zu hören. Das würde sämtliche Zentren im Kanton betreffen. In Balsthal wird in einem Container vor dem Ärztehaus getestet. Derzeit ist man bei 10 bis 30 Tests pro Tag, erklärt Claudio Cahenzli, Arzt und Präsident des Ärztehauses. Mitte Mai bis Ende Juni habe man deutlich weniger getestet – «dann zog die Situation aber wieder an», so Cahenzli. Und nun überlegt sich das Ärztehaus, wie Testabläufe noch effizienter vonstatten gehen können.

Beispielsweise sollen negative Testresultate nicht mehr telefonisch, sondern per SMS mitgeteilt werden, um Zeit zu sparen. Aber: «Irgendwann stossen auch wir an eine Grenze.» Diese dürfte bei über 30 Tests täglich liegen. Bereits heute werden in Balsthal Überstunden geleistet; auch wurden befristete Verträge mit Mitarbeitenden verlängert, damit genug Personal da ist.

Auch die Lungenliga führt im Auftrag des Kantons «fast täglich» Tests durch, ist von der stellvertretenden Geschäftsleiterin Petra Vonmoos zu erfahren. In erster Linie werden Risikopatientinnen und -patienten getestet, die etwa in einem Heim wohnen. Für das Testing habe man eine zusätzliche Person eingestellt. Bei der Lungenliga gehe man auch davon aus, dass bei steigenden Fallzahlen das Tagesgeschäft weniger zu tun gibt – und «mehr Ressourcen für das Testing zur Verfügung stehen werden.»

«Mir schaffe meh» – heisst es auch bei der Gruppenpraxis Grenchen. Um Testkapazitäten zu erhöhen will man hier nicht mehr in einem, sondern in zwei isolierten Zimmern testen, so Arzt Raphaël Tièche. Aktuell werden 5 bis 10 Tests täglich durchgeführt. Wie in Balsthal und bei der Lungenliga hatte auch das Grenchner Testzentrum nie Materialengpässe zu beklagen. Dennoch habe man schon einmal 200 Tests vorsorglich reserviert – um auf mehr Tests in der kommenden Zeit vorbereitet zu sein.