Blick zurück
In den 90er-Jahren war Busbetrieb durch den Tunnel eine Option

Die Zukunft der Moutier-Bahn ist nicht zum ersten Mal gefährdet. Schon in den 1990er-Jahren wurde befunden, dass «keine tauglichen Konzepte» für den Ersatz vorliegen. Was lehrt die Geschichte?

Sven Altermatt
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Bei der Überprüfung in den 1990er-Jahren wurden keine Konzepte gefunden, die die Bahn ersetzen könnten.

Bei der Überprüfung in den 1990er-Jahren wurden keine Konzepte gefunden, die die Bahn ersetzen könnten.

Hanspeter Bärtschi

Geschichte wiederholt sich gerne, oft innert Kürze. Und Geschichte lehrt. Auch in diesem Fall.

Mitte der 1990er-Jahre machten sich die Kantone Bern und Solothurn, beide finanziell in Nöten, Gedanken um die Zukunft der Moutier-Bahn. Nach einem Jahr Arbeit präsentierte im Januar 1997 der vierzehnköpfige Ausschuss mit Vertretern von Bund, Kantonen und Bahn seinen Report. 90 Seiten umfasst das Werk – sein Fazit ist sehr deutlich: Sämtliche Alternativen seien «keine tauglichen Konzepte» für den Ersatz der Bahnlinie Solothurn–Moutier.

Nur die Umstellung auf einen Busbetrieb sei womöglich eine Option. Die Idee schien verlockend, allerdings hätte das Bahntrassee im Weissensteintunnel rückgebaut werden müssen. Davon wurde schliesslich abgesehen, zu gross war der politische Widerstand. Heute sagt ein früherer Verwaltungsrat der Bahn: «Vielleicht wäre es besser gewesen, die Umstellung zu forcieren.» Doch es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass nochmals über eine solche Lösung nachgedacht wird: Nach Vorabklärungen sei klar, dass ein Spurbus keine Einsparung bringe, heisst es beim Bund. Diese Option wird deshalb nicht weiterverfolgt.

«Muss erhalten bleiben»

Mit Blick auf die nun aufgeflammte Diskussion besonders spannend: Der Weissensteintunnel wurde 1997 einer eingehenden Zustandsanalyse unterzogen. Grundsätzlich, hiess es, sei das Bauwerk in einem guten Zustand. Die Fahrleitung könne weitere 30 bis 50 Jahre genutzt werden, die Sicherungsanlagen und der Gleisoberbau erforderten in den nächsten 20 bis 30 Jahren ebenfalls keine Investitionen. Nur die Entwässerung müsse komplett erneuert werden; Wasser drang durch den Kalkstein und machte dem Gewölbe zu schaffen. Kostenschätzung damals: 2,4 Millionen Franken. Ob und welche Massnahmen ergriffen wurden, lässt sich nicht mit Sicherheit feststellen. Heute jedenfalls, 17 Jahre später, «ist die Lebensdauer dieses Tunnels abgelaufen», wie der Bund schreibt. 170 Millionen Franken soll die Sanierung kosten.

Eine Schliessung des Tunnels? Diese Option stand 1997 erst gar nicht zur Diskussion. «Es herrschte Einigkeit, dass dieses Bauwerk erhalten bleiben muss», erinnert sich Walter Weber. Der Ingenieur leitete damals die Untersuchung. Vorschläge gab es reichlich, auch Mischvarianten wurden diskutiert. Doch keine Lösung schien günstiger, und alle Optionen hatten ein Leistungsabbau zur Folge. Viele Solothurner sind denn auch fest davon überzeugt, dass die neuerlichen Abklärungen zum gleichen Schluss kommen werden.

Noch nichts beschlossen

Allerdings steht der Regionalverkehr heute stärker unter Druck als 1997. Die Löcher in den Kassen wachsen, der Kostendruck steigt, und beim Bund reisst allmählich der Geduldsfaden. Bereits 2013 wurden die Kantone aufgefordert, sich mit ihren Begehren zu mässigen. Im Visier der Sparbemühungen: defizitäre Bahnlinien wie Solothurn–Moutier. Doch nur weil diese auf der «Liste der gefährdeten Linien» steht, ist ihre Schliessung nicht beschlossen.

Es muss lediglich geprüft werden, ob nicht etwa eine Umstellung auf Busbetrieb sinnvoll wäre. Selbst der Bundesrat schrieb vor einem Jahr im besten Amtsdeutsch: «Auch Linien mit schwacher Nachfrage können als Grunderschliessung einer Region eine Daseinsberechtigung haben.» Im Prinzip waren solche Überprüfungen in den Kantonen schon früher üblich. So wurde die Bahnlinie zwischen Huttwil und Sumiswald durch einen Bus ersetzt. Der Kanton Thurgau war dagegen zum Schluss gekommen, die Bahnlinie im Murgtal zu erhalten. Eine Umstellung auf Busse sei nicht sinnvoll, da sich die Reisezeit verlängern würde.

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