Waffenabgabe

«Ich will nicht, dass meine Kinder mit einer Waffe herumspielen»

Bei einer Sammelaktion der Solothurner Kantonspolizei wurden 250 Schusswaffen abgegeben - darunter auch rare Revolver. Dazu Munition sowie Hieb- und Stichwaffen. Alle Waffen, auch die Antiquitäten, werden verschrottet.

Letizia Krummenacher
Drucken
Teilen
Säbel, Patronen und eine Übungsgranate: Hanspeter Mathys (links) übergibt der Polizei die Waffen aus dem Haus seines verstorbenen Schwagers.
19 Bilder
Waffenabgabe im Kanton Solothurn
Waffenabgabetag Solothurn
Waffenabgabetag Solothurn
Waffenabgabetag Solothurn
Waffenabgabetag Solothurn
Waffenabgabetag Solothurn
Waffenabgabetag Solothurn
Waffenabgabetag Solothurn
Waffenabgabetag Solothurn
Waffenabgabetag Solothurn
Waffenabgabetag Solothurn
Waffenabgabetag Solothurn
Waffenabgabetag Solothurn
Waffenabgabetag Solothurn
Waffenabgabetag Solothurn
Waffenabgabetag Solothurn
Waffenabgabetag Solothurn
Waffenabgabetag Solothurn

Säbel, Patronen und eine Übungsgranate: Hanspeter Mathys (links) übergibt der Polizei die Waffen aus dem Haus seines verstorbenen Schwagers.

Hansjoerg Sahli

Eine Frau kam mit einem riesigen, weissen Plastikbündel unter dem Arm zur Tür hinein. Auf einer Seite schauten die Enden von zwei Gewehrläufen hervor. Sie erklärte: «Ich kann die Dinger doch nicht unverpackt durch die halbe Stadt tragen. Was würden die Leute auch denken?» Dabei hatte die Frau mit den Waffen natürlich nichts Böses im Sinn gehabt.

Zahlen

2010 wurden 263 Waffen freiwillig bei der Kantonspolizei Solothurn abgegeben, 2012 waren es 368. 2013 und 2014 jeweils gegen 580. Die Zunahme zeigt: Offenbar haben die Sensibilisierungskampagnen der Polizei gewirkt.

7638 Waffenerwerbsscheine hat die Polizei zwischen 1998 und 2014 ausgestellt.

20'000 Feuerwaffen waren bei der Solothurner Polizei 2014 registriert – 1000 mehr als noch 2013. Die Zunahme bedeutet nicht zwangsläufig, dass es mehr Waffen im Kanton gibt. Denn erst seit 2008 müssen gewisse Waffen überhaupt registriert werden. Noch nicht registrierte Waffen werden der Polizei oft erst bei Handänderungen gemeldet und somit nachträglich noch registriert. Es dürften noch Tausende ungemeldete Waffen im Umlauf sein.

Sie war nicht die Einzige, die am Samstag ihre Chance nutzte, die alten und nicht mehr gebrauchten Waffen unkompliziert zu entsorgen. Die Kantonspolizei Solothurn führte nämlich an diesem Tag in Breitenbach, Olten, Grenchen und Solothurn eine freiwillige Waffenabgabeaktion durch.

Polizeibeamter Thomas Strübi, der in Solothurn die Waffen entgegennahm, sagte: «Bereits um acht Uhr morgens standen die Ersten vor der Türe, um ihre Waffen abzugeben.» Und so sei es bis zum Ende der Aktion weitergegangen: Es herrschte ein ständiges Kommen und Gehen im Empfangsraum des Solothurner Polizeipostens.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Insgesamt wurden im ganzen Kanton über 250 Schusswaffen, 30 Bajonette und Säbel und mehrere tausend Stück Munition abgegeben.

Wenn die Waffen wegen der Kinder wegmüssen

Waffenabgabe: Polizei hat Konkurrenz

Nicht nur die Polizei rief in den vergangenen Tagen zur Waffenabgabe auf. Parallel zu den Behörden warb in Inseraten auch das Swiss Tactical Center mit Sitz in Härkingen bei Waffenbesitzern, nicht mehr benötigte oder geerbte Stücke vorbeizubringen – zwecks Auktion. Geschäftsführer Roland Schneller lacht am Telefon und gibt zu: Der Aufruf erfolgte nicht zufällig zur selben Zeit wie derjenige der Polizei. Im Gegensatz zu den kantonalen Behörden verspricht der private Händler den Waffenbesitzern, dass sie «mit ihrer ungewollten Waffe Geld verdienen können». – Die Härkinger Firma ist nämlich einer der ganz wenigen Waffenauktionatoren in der Schweiz. Das Auktionshaus wird die Stücke im September unter den Hammer bringen. Genau gleich wie bei der Polizei muss auch beim Auktionator aber jeder, der seine Waffe vorbeibringt, einen Ausweis vorweisen. Das Center meldet die eingegangenen Waffen auch der Polizei.

Die Kantonspolizei sieht sich trotzdem nicht konkurrenziert. Sie betont, dass sie ihre Sammelaktion «zur Erhöhung der öffentlichen Sicherheit» durchführt. Die Waffen werden nämlich vernichtet und so für immer aus dem Verkehr gezogen. Das Argument zieht offenbar. – Die Zahl der seit 2009 an die Polizei abgegebenen Waffen zeigt jedenfalls: Die Bevölkerung ist überzeugt, dass die Waffen bei der Polizei gut aufgehoben sind.
Doch was passiert mit Sammlerstücken? «Sollte sich ausnahmsweise eine historisch bedeutende Waffe finden, würden wir sie einem Museum übergeben», sagt Kapo-Mediensprecherin Thalia Mosimann. «Bei den allermeisten Fällen handelt es sich jedoch um Waffen von keinem bis geringem Wert.» Im Gegensatz zum Händler nimmt die Polizei nämlich «alle Waffen, unabhängig vom Zustand und Wert.»
Weiter muss bei der Polizei – anders als beim Händler – kein Waffenübertragungsvertrag abgeschlossen werden.

Ein älteres Ehepaar legte vier Gewehre auf den Tisch. Der Mann blieb wortkarg, und es war schwer einzuschätzen, ob er die gleiche Begeisterung teilte wie seine Frau, die Waffen abzugeben. Denn nicht nur seine eigene Dienstwaffe, sondern Erbstücke bis zum Urgrossvater zurück waren mit dabei. Die Frau dagegen erklärte: «Die Waffen waren zwar lange Zeit gut auf dem Dachboden versteckt. Aber als unser Enkelkind sie zum ersten Mal entdeckte, hat es sich so fest erschrocken, dass ich beschloss: Die Waffen müssen weg.»

Ein Familienvater brachte seine alte Dienstpistole vorbei. «Meine Kinder werden langsam grösser und fangen an, in den Schubladen herumzuwühlen», erzählte er. «Da will ich nicht, dass sie plötzlich eine Waffe in den Fingern halten und damit herumspielen.»

Keine Chance für Sammler: Waffen werden vernichtet

Unter den abgegebenen Waffen fanden sich aber nicht nur die weitverbreiteten Armeewaffen, sondern auch einige spezielle oder seltene Stücke. In den Sammelbehältern lag unter anderem auch ein Säbel aus dem Zweiten Weltkrieg, eine Übungsgewehrgranate mit orange leuchtendem Gummikopf und ein Revolver aus der italienischen Armee, der zwischen 1889 und 1931 hergestellt wurde.

Polizeibeamter Strübi bestätigte: «Es hatte durchaus einige Stücke dabei, die das Herz eines Waffenkenners und Sammlers höherschlagen lassen.» Allerdings spiele das jetzt keine Rolle mehr. Denn sobald der Besitzer der Waffe die Verzichtserklärung unterschrieben hatte, war das Urteil über sie gefällt. Die Waffen wurden ausnahmslos vernichtet. Als «Altmetall» fanden sie in der Auto-Presse ihre letzte Ruhestätte.