Haus der Kunst St. Josef
Marius Lüscher zeigt seine Arbeiten in Solothurn

Der Berner Künstler ist mit seinen Werken in Solothurn präsent. Die Ausstellung im Kunsthaus St. Josef offenbart dem Betrachter Einblicke in aussergewöhnliches ein bildnerisches Schaffen.

Eva Buhrfeind
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Ein spezieller «Groove» im Haus der Kunst.

Ein spezieller «Groove» im Haus der Kunst.

Eva Buhrfeind

«Don’t Disturb This Groove» nennt Marius Lüscher, 1974 in Zürich geboren, in Bern lebend und arbeitend, seine Arbeiten im Haus der Kunst St. Josef in Solothurn. Wobei «Groove» für sein ganzes bildnerisches Schaffen steht mit den wiederkehrenden, eher unterschwellig rhythmisch-melodischen Elementen, Formen und Wirkungen.

Auch wenn Marius Lüschers künstlerische Intention die der Abstraktion ist, die sich über die formale wie stilistische Reduzierung auf das Wesentliche, auf die freie (oder z. B. konkrete) Formulierung eines Bildinhaltes fokussiert, ist es doch immer der Künstler in seiner Kreativität, der das Wesentliche des Bildes bestimmt – und auch die Wahrnehmung der Betrachtenden. Aber Lüschers Bilder, ob in Acryl auf Leinwand, als Offsetdruck respektive Holzschnitt auf Monotypie, wirken nur auf den ersten Blick wie rein abstrahierte Kompositionen konzeptueller wie auch freier malerischer Prozesse, denn man entdeckt figurative Anklänge, gegenständlich Assoziiertes, Inspirationen aus dem Erfahrungsfundus des Künstlers. Wie die Musik zum Beispiel, dann die vertiefte Umsetzung verschiedener Techniken wie Malerei, Drucktechniken und die fotografischen Streifzüge durch Los Angeles während eines längeren Aufenthaltes.

Hier ist ein intensives Bildkonvolut zusammengekommen, das Marius Lüscher unter dem Pseudonym Freddy Perez im Bildband «Under the Sun – LA by Freddy Perez» konzentriert: chromatische Wirkungen, szenische Einblicke, Stimmungen, die man bei Edward Hopper findet, auf das Wesentliche reduzierte Ansichten. Eindrücklich fotografierte Vorgaben, die Farben, das Licht von Los Angeles, die Marius Lüschers male-risches Werk ebenso prägen wie überhaupt die Auseinandersetzung mit bildgebenden Medien wie Acrylfarbe, Drucktechniken, feiner Pinsel, grober Kamm, Spachtel, Spray, figurative Elemente, die klassisch-moderne Künstler assoziieren, oder zeichenhafte Fragmente, die an Musikinstrumente oder Körper denken lassen, die inspirierende Musik als begleitende Erfahrung.

Man entdeckt Kalligrafisches in variierenden Interpretationsmöglichkeiten, stösst auf Zeichen, Noten oder Chiffren, die sich aufzulösen scheinen, ahnt Saiten von Streichinstrumenten, körperhaft vertraute Konturen als vielschichtige Kompositionen aus brüchigem oder kompaktem Farbauftrag, klar konturierten Formen und diffus Gespraytem, zartfarben sich formierenden Transparenzen, Graffitiartigem, schablonenhaft gesetztem Linearem. Verschiedenste Bildordnungen und Grundmuster also, die sich überlagern, wandelnde Verbindungen eingehen, sich von Bild zu Bild, von Inhalt zu Inhalt, von Idee zu Thema, von Thema zu Idee variieren und dezent repetieren und als Teil eines Gesamtkonzeptes einen allumfassenden «Groove» in sich tragen.

Kompositorisch reiche Bildmittel also, die er in seine ihm eigene Erkenntnis von Abstraktion überführt, indem er diese Bilder-, Klang- und Farbmuster auf das Wesentliche reduziert: auf das Ineinandergreifen und Zusammenspiel von Farbe, Form, Fläche, Linien, konzeptueller und intuitiver Prozesse, auf innere persönliche und formal bewegte Schwingungen – mit einem sich wie ein roter Faden durch die Bildgeschehen ziehenden figurativen Restklang.

Dieser bildnerisch grosszügige Rhythmus lebt dabei von einer popartigen Farbigkeit und einem abstrakt-expressiven Bildvokabular, schöpft zudem aus einer in sich vibrierenden, hin und wieder plakati-ven Leichtigkeit von Farbe und Form, sodass das tragende konzeptuelle Prinzip in einem harmonischen Gleichgewicht zur künstlerischen Spontaneität steht.

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