Lehrplan 21

Halbklassen-Unterricht bleibt vorrangig im Kanton Solothurn

Das Volksschulamt hat die Stundentafel bis Anfang Mai in die Vernehmlassung geschickt. Geplant ist die Einführung des Lehrplans 21 samt der zugehörigen Stundentafel im Kanton ab dem Schuljahr 2018/2019.

Elisabeth Seifert
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Die grössten Veränderungen bedeutet die neue Stundentafel für die Schüler der ersten beiden Primarklassen.

Die grössten Veränderungen bedeutet die neue Stundentafel für die Schüler der ersten beiden Primarklassen.

Annika Buetschi / AZ

Seit November liegt die abgespeckte Version des neu vereinheitlichten Deutschweizer Lehrplans auf den Tischen der Bildungsdirektoren. Und die Verantwortlichen in den Kantonen sind derzeit damit beschäftigt, die Vorgaben des 470-Seiten-Dokuments an die jeweiligen Bedürfnisse und Eigenheiten anzupassen. Der Lehrplan 21 zwingt trotz Harmonisierung nämlich nicht alle Kantone in die gleiche Norm, sondern lässt durchaus Spielraum für regionale Besonderheiten.

Volksinitiative: Widerstand

Ende Januar haben acht Politikerinnen und Politiker aus vier Parteien (SVP, CVP, EVP und GLP) eine Volksinitiative lanciert, welche die Einführung des Lehrplans 21 im Kanton Solothurn verhindern soll. Das Initiativ-Komitee hat bis Ende Juli 2016 Zeit, die nötigen 3000 Unterschriften zu sammeln. Widerstand gegen den Lehrplan 21 gibts auch in den Kantonen Aargau, Appenzell Innerrhoden, Basel-Landschaft, Graubünden, Zürich, Luzern, St. Gallen und Schwyz. (esf)

Das zentrale Element der kantonalen Lehrplan-Arbeit ist die Definition der Stundentafel. «Wir nehmen damit eine inhaltliche und auch politische Gewichtung vor», sagt Andreas Walter, Chef im kantonalen Volksschulamt, gegenüber dieser Zeitung. Soeben hat das Bildungsdepartement die Stundentafel bei Verbänden und politischen Fraktionen in die Vernehmlassung gegeben. Geplant ist die Einführung des Lehrplans 21 samt der zugehörigen Stundentafel im Kanton ab dem Schuljahr 2018/2019. Ein möglicher Stolperstein ist eine kantonale Volksinitiative gegen den Lehrplan, die Anfang Jahr lanciert worden ist.

Wird der neue Lehrplan auch gerne als aufgeblasenes und praxisfernes Monstrum verschrien – auf die geplante Stundentafel im Kanton Solothurn trifft dies nicht zu. Trotz einer Anhebung der Lektionen-Zahl in den ersten beiden Primarschulklassen kommen keine neuen Kosten auf den Kanton zu. In Grenzen halten sich gegenüber heute die inhaltlichen Änderungen. Vor allem werden nicht, wie befürchtet, die Grenzen zwischen den Fächern verwischt. Im Gegenteil: Neu erhalten in den unteren Primarklassen Deutsch und Sachunterricht – aber auch Musik – gegenüber heute ein stärkeres Gewicht.

Mehr Lektionen in der Unterstufe

Eine Besonderheit im Kanton Solothurn ist der hohe Anteil an Halbklassen-Unterricht. Und daran soll sich trotz einer Reduktion in den ersten zwei Primarschulklassen auch nichts ändern. «Wir sind und bleiben schweizweit Spitzenreiter in diesem Bereich», hält Andreas Walter nicht ohne Stolz fest. «Ursprünglich meinten wir, dass wir die nötige Aufstockung der Stunden in der Unterstufe der Primarschule nur mit einer deutlichen Reduktion oder gar Abschaffung des Halbklassen-Unterrichts finanzieren können.»

Im interkantonalen Vergleich haben die Schülerinnen und Schüler der ersten beiden Klassen mit 21 Lektionen (1. Klasse) und 23 Lektionen (2. Klasse) derzeit relativ wenige Schulstunden. Dafür ist die Zahl der Unterrichtsstunden in Halbklassen mit 12 Lektionen (1. Klasse) und 10 Lektionen (2. Klasse) sehr hoch. Im Sinne der schweizweiten Harmonisierung sollen die Solothurner Erstklässler – je nach Version – künftig 24 oder 26 Lektionen pro Woche zur Schule gehen. Der Kanton gebe bewusst zwei Alternativen in die Vernehmlassung, so Walter. Wobei die Architekten des neuen Lehrplans von 26 Lektionen für die Erstklässler ausgehen.

Der Halbklassenunterricht soll im Gegenzug für die Erstklässler – wiederum je nach Version – auf 11 oder 9 Lektionen reduziert werden. «Der Unterricht in Halbklassen ist intensiver und deshalb erachten wir auch eine Gesamtstundenzahl von 24 Lektionen in der ersten Klasse für einen durchaus gangbaren Weg.» Für die Zweitklässler soll die Anzahl der Wochenlektionen um drei Schulstunden auf 26 aufgestockt werden – und davon der Unterricht in Halbklassen gegenüber heute um zwei auf 8 Lektionen gesenkt werden.

In allen übrigen Klassen der Primarschule und auch der Sekundarstufe I soll der Halbklassenunterricht im aktuellen Umfang bestehen bleiben. Gerade auch in der sechsten Primarklasse, wo die Teamteaching-Lektionen mit Blick auf den Übertritt in die Sekundarstufe I eine besonders fördernde Wirkung haben, hält der Amtschef fest.

Um die nicht unbedeutende Erhöhung der Unterrichtszeit in den ersten beiden Primarschulklassen finanziell vollständig aufzufangen, wird neben der Reduktion des Halbklassen-Unterrichts in der Unterstufe in der vierten und sechsten Primarschulklasse die Unterrichtszeit leicht gesenkt: in der vierten Klasse von heute 30 auf neu 28 Lektionen, in der sechsten Klasse von heute 31 auf 30 Lektionen. Walter: «Mit dieser Verschiebung von Lektionen von den oberen zu den unteren Primarschulklassen erzielen wir eine ausgeglichenere Verteilung.»

Kaum Auswirkungen auf die Stundendotationen wird der harmonisierte Lehrplan indes auf der Sekundarstufe I haben. Hier wird einzig die Anzahl Lektionen für die Projektarbeit in der 3. Sek I von heute 3 auf künftig 2 Lektionen reduziert. «So haben die Schüler aller vier Bildungsraumkantone beim Abschlusszertifikat die gleich langen Spiesse», führt Walter als Begründung an. Keine Auswirkungen hat der Lehrplan auf die Stundenzahl im Kindergarten. «Wie bis anhin können die Schulträger aufgrund ihrer Bedürfnisse die Anzahl Lektionen innerhalb einer Bandbreite frei wählen.»

Die höhere Stundenzahl in den ersten beiden Klassen der Primarschule bedeutet – wie bereits erwähnt – vor allem mehr Deutsch, mehr Sachunterricht und auch mehr Musik. Über alle sechs Primarschuljahre hinweg wird dagegen der Bereich Gestalten um 1 Lektion auf neu 4 Lektionen gekürzt. Unverändert bestehen bleiben Solothurner Eigenheiten wie das Fach «Medien und Informatik» ab der dritten Primarschulklasse und auch das Fach «Berufsorientierung» in der Sek E und der Sek B. Völlig unverändert bleibt im Übrigen die Stundentafel der Sek P.