Population

Freiwillige auf der Suche: Wann taucht der erste Fischotter im Kanton auf?

Kehrt der schlanke Schwimmer zurück? Im ganzen Kanton suchen Freiwillige die Fluss- und Bachufer nach Kotspuren von Fischottern ab.

Raphael Karpf
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Hans-Peter Beutler auf Fischotter-Suche
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Der Fischotter galt in der Schweiz seit den Neunzigerjahren als ausgestorben.
Das könnte dem Otter gefallen: Höhlenartig, ohne Vegetation und flach genug, um mühelos aus dem Bach herausklettern zu können. Kartierung Kanton Solothurn für Pro Lutra Oesch in Subingen Hans-Peter Beutler auf Fischottersuche
Hans-Peter Beutler schaut genau hin

Hans-Peter Beutler auf Fischotter-Suche

Raphael Karpf

Mit GPS, Feldstecher und Notizbuch: Hans-Peter Beutler klettert in Subingen den Hang ans Ufer der Oesch hinunter. «Diese Stelle könnte einem Fischotter gefallen.» Er zeigt auf einen Abschnitt unter einer Brücke. Höhlenartig, ohne Vegetation und flach genug, um mühelos aus dem Bach herausklettern zu können. Ein Fleck zieht seine Aufmerksamkeit auf sich. Feldstecher gezückt, doch Entwarnung. Nur etwas Vogeldreck. Gesucht werden Fuss- oder Kotspuren des «Lutra lutra», des Fischotters.

«Die Ausgangslage ist sensationell», schwärmt Irene Weinberger, Geschäftsführerin der Stiftung «pro lutra». In der Aare bei Bern leben einige wenige Fischotter, die in den letzten Jahren gleich mehrmals Nachwuchs hatten. Eine Weile lang können die Jungtiere bei der Mutter bleiben, doch sobald sie grösser werden, wird das Nahrungsangebot zu knapp. Der Nachwuchs muss auswandern. Doch wohin geht die Reise? Dies will «pro lutra» in Zusammenarbeit mit dem WWF Bern, dem WWF Solothurn und ehrenamtlichen Helfern herausfinden.

Unerforschtes Gebiet

Denn noch befindet man sich in unbekannten Gewässern. Der Fischotter galt in der Schweiz seit den Neunzigerjahren als ausgestorben. Zuvor wurde gezielt Jagd auf den Fischfresser gemacht. Dies, zusammen mit Veränderungen seines Lebensraumes, rottete ihn schliesslich aus. Vor zehn Jahren die «Wiedergeburt»: Ein erstes Exemplar wurde im Graubünden gesichtet. Seither geht es langsam bergauf.

Bis 2017 wurden an neun Standorten in der ganzen Schweiz Otterspuren gefunden. Bis zur erfolgreichen Rückkehr des Fischotters dürfte aber noch viel Wasser die Aare hinunterfliessen. Rund 500 Exemplare bräuchte die Population, um ihre Existenz langfristig zu sichern. Und Fischereivereine und Züchter werden da wohl noch ein Wörtchen mitzureden haben.

Genau da will «pro lutra» ansetzen. Der Prozess der Wiederansieldung wird von der ersten Minute an mitverfolgt. Damit man genau informieren könne, wo die Tiere lebten, welche Konfliktstellen damit verbunden seien und welche Schutzmassnahmen, für den Otter wie auch für Fischzuchten, ergriffen werden müssten. Öffentlichkeitsarbeit, um die Angst vor dem Neuen zu nehmen.

Ehrenamtliche im Einsatz

Das Pilotprojekt sah konkret so aus: Die Flussläufe der Kantone Bern und Solothurn wurden in Gebiete von der Grösse der Gemeinde Grenchen aufgeteilt. In jedem Gebiet suchte ein ehrenamtlicher Helfer oder eine Helferin an einem sogenannten Stichprobeort nach Kot- oder Fussspuren der Tiere. Rund 600 Meter Flussufer wurden dabei genau unter die Lupe genommen.

Der Bericht dazu wird Ende Juni herauskommen. Im Kanton Solothurn, so viel vorneweg, habe man noch keine Spuren finden können. Dies heisse aber noch nicht allzu viel. Erst neulich habe man noch weiter flussabwärts, in der Nähe von Aarwangen im Kanton Bern, Spuren eines Fischotters gefunden. Nur wo dieser herkomme, sei noch unklar.

Und schliesslich sei sie sogar froh, noch nichts im Kanton Solothurn gefunden zu haben, erklärt Irene Weinberger von «pro lutra». Denn: «Wir befinden uns ganz am Anfang. Wir möchten den Prozess mitverfolgen, die Wanderbewegungen nachvollziehen können.» Am liebsten würde sie die Kartierung der Kantone jährlich durchführen. Aus finanziellen Gründen sei dies aber nicht realistisch. Weinberger hofft, dies zumindest alle zwei Jahre tun zu können. Und wenn möglich an noch mehr Stichprobeorten als bisher. Ob dies klappt, wird nicht zuletzt davon abhängen, ob sich wieder ehrenamtliche Helfer finden lassen.

Vom Biber zum Fischotter

Zurück zu Hans-Peter Beutler. Seit 30 Jahren arbeitet er auf dem Amt für Umwelt als Abteilungsleiter. Was bewegt jemanden dazu, auf die Pensionierung hin Bachufer nach Fischotterkot abzusuchen?

Vor zwei Jahren liess er sich in Lyss zum Ranger ausbilden. Damit verband er die Herzensangelegenheit Natur/Umwelt mit seinem Hobby, an der frischen Luft zu sein. Damit ihm im Ruhestand nicht langweilig werde, habe er verschiedene Natur-, Tier- und Umweltschutzorganisationen angefragt und sich als ehrenamtlicher Helfer angeboten. Offenbar wurde er regelrecht mit Anfragen überrannt.

Passend, dass ihn eine seiner ersten Aufgaben im Auftrag der Natur zum Fischotter führt. Denn seine Diplomarbeit schrieb er über den Biber. Konkret, ob der «Bellacher Weiher» und der «Erlimoos Weiher» in Bettlach als nachhaltige Biberhabitate taugen (es ist kompliziert, die beiden Orte sind aber insgesamt suboptimal). Die Umstellung dürfte also so gross nicht gewesen sein.

So wird sich Hans-Peter Beutler auch die nächsten Jahre immer mal wieder an Bachufern entlangkämpfen und nach Kotspuren suchen. Langweilig wird ihm im Ruhestand damit sicherlich nicht werden.