Coronakrise

«Es hat Tränen gegeben»: Wegen blockierten Programmen sind viele Hoffnungen auf Eis gelegt

Die Coronakrise blockiert auch die Programme zur Arbeitsintegration in Olten, Grenchen und Zuchwil.

Hans Peter Schläfli
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Arbeitsintegrationsprogramme, wie jene der oltech in Olten, bieten Tagesstrukturen, die jetzt schmerzlich vermisst werden. (Archivbild)

Arbeitsintegrationsprogramme, wie jene der oltech in Olten, bieten Tagesstrukturen, die jetzt schmerzlich vermisst werden. (Archivbild)

Bruno Kissling

Die Schwächsten der Gesellschaft trifft es am härtesten, das ist auch in der Coronakrise nicht anders. Die oltech GmbH, der Verein Netzwerk Grenchen und die Genossenschaft Regiomech Zuchwil, die sich um die Arbeitsmarktintegration von Personen in schwierigen Lebenssituationen bemühen, mussten auf Anweisung der Behörden ihre Werkstätten schliessen und die Kurse absagen.

Die Vorschriften, die zur Vermeidung einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus angeordnet wurden, können nicht erfüllt werden. Immerhin: Telefonisch und im Chat finden die Klienten, die ihren Weg über das RAV, die Sozialwerke oder die IV zu diesen Institutionen gefunden haben, weiterhin Unterstützung.

«Es hat einige Tränen gegeben»

«So ein Programm ist immer mit Hoffnungen verbunden. Als wir unsere Klienten nach Hause schicken mussten, hat es einige Tränen gegeben», erinnert sich Reto Kämpfer, Geschäftsführer des Vereins Netzwerk Grenchen an den Tag, als die Werkstätten geschlossen werden mussten. Seither laufe das Netzwerk, dessen Wurzeln auf die Uhrenkrise 1982 zurückgehen, im absoluten Sparmodus.

«Die Personen mit geschützten Arbeitsplätzen versuchen wir, mit Heimarbeit zu beschäftigen», beschreibt Kämpfer die beschränkten Möglichkeiten in solchen Krisenzeiten. «Wenn die Tagesstrukturen plötzlich wegfallen, ist das psychisch schwer auszuhalten. Wir pflegen mit unseren rund 200 Klienten den telefonischen Kontakt und coachen sie, so gut es geht.» Das Netzwerk stehe bereit, um den Betrieb innert 24 Stunden wieder hochfahren zu können. «Ich rechne aber damit, dass es noch eine Weile dauern wird», meint der Geschäftsführer.

Auftraggeber nicht enttäuschen

In Olten sieht die Situation ganz ähnlich aus. «Wir bleiben mit unseren Klienten in Kontakt und bieten ihnen ein soziales Coaching an», so Felix Pfaff, Geschäftsführer der oltech GmbH. Die psychische Belastung bei den rund 150 Klienten sei deutlich spürbar. «Wer sich schon in einer schwierigen Lebenssituation befindet und unter Zukunftsängsten leidet, ist von der Coronakrise besonders betroffen.»

«Wir bauen Brücken in den ersten Arbeitsmarkt.» So lautet das Motto der oltech GmbH, deren Wurzeln ins Jahr 1993 zur Beschäftigungswerkstätte BWS zurückreichen. Die heutigen Träger sind der Regionalverein OGG mit 39 Gemeinden und der Verein Region Thal mit 9 Gemeinden. Dringende Aufträge aus Industrie und Gewerbe würden vorübergehend durch die Festangestellten erledigt. «Wir dürfen unsere Auftraggeber nicht enttäuschen», erklärt Felix Pfaff diese Massnahme. «Sollte die Wirtschaft in eine Rezession geraten, wird die Bedeutung der Integrationsprogramme noch grösser werden.»

Restaurant und Velowerkstatt sind zu

Wer bei der Regiomech in Zuchwil als Ostergeschenk ein Kindervelo kaufen wollte, hat Pech gehabt: «Aufgrund der aktuellen Lage rund um das Coronavirus haben wir unseren Betrieb per sofort auf ein Minimum reduziert», schreibt die Genossenschaft auf der Website. Das bedeutet für die rund 230 Klienten, dass sie zu Hause bleiben müssen und dass sowohl die Werkstatt als auch das Restaurant geschlossen sind.

Seit 1993 fördert die Regiomech im Einzugsgebiet der Regionalplanungsgruppe Solothurn mit 41 Gemeinden die Integration von Arbeitslosen in den Arbeitsmarkt. «In der Krise halten die Gruppenleiter den Kontakt aufrecht und wir bieten über das Telefon oder im Chat Unterstützung bei Bewerbungen», sagt Marco Galantino, Verantwortlicher Marketing und Kommunikation. Auch in Zuchwil erledigen die Festangestellten die dringenden Aufträge und der Mahlzeitendienst für Kitas und Schulen, die eine Notbetreuung anbieten, wird weitergeführt.

Es gibt auch gute Nachrichten

Die drei Institutionen versuchen, Deutschkurse und Bewerbungsseminare so gut es geht, mit Hausaufgaben und in Einzelfällen auch über Skype weiterzuführen, aber sie bestätigen alle auch, dass dies den persönlichen Kontakt nicht ersetzen könne.

Die Arbeit hat sich von der persönlichen Betreuung auf andere Bereiche verlagert: Das Grenchner Netzwerk betreibt auch das kommunale Arbeitsamt, wo die Anmeldungen und der Aufwand um 80 Prozent zugenommen haben. Man versuche derzeit, mit der Organisation «Tischlein deck dich» die Abgabe von Lebensmitteln an Bedürftige neu zu organisieren, sagt Geschäftsführer Reto Kämpfer.
Und Kämpfer kann mitten in der Krise auch positive Nachrichten verkünden: «Einer unserer Klienten hat soeben eine neue Stelle in der Logistik gefunden. Das freut alle und motiviert uns.»