AEK-Tarife

Erhöhung der Strompreise sorgt bei den Partnergemeinden zu Hochspannung

Partnergemeinden zweifeln an Rechtfertigung der Erhöhung der Strompreise und wollen aus Verträgen aussteigen.

Urs Moser
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Der Zähler läuft und läuft. Mit ihrer Preiserhöhung sorgt die AEK für Unmut in ihren Partnergemeinden.

Der Zähler läuft und läuft. Mit ihrer Preiserhöhung sorgt die AEK für Unmut in ihren Partnergemeinden.

Archiv/Walter Schwager

Im oberen Kantonsteil hat die AEK (Aare Energie AG) eine führende Stellung in der Stromversorgung. Und ausgerechnet sie erhöht die Preise für nächstes Jahr überdurchschnittlich. Ob Kunden der Regio Energie in Solothurn, der städtischen Werke Grenchen, der Elektra äusseres Wasseramt oder der Energieversorgung Biberist: Sie alle müssen – zum Teil deutlich – weniger für den Strom bezahlen als jene der AEK (vgl. Preisübersicht unten). Das sorgt für Unmut in den Gemeinden, die sich für das Partnermodell der AEK entschieden haben: Sie sind nach wie vor Eigentümer ihres eigenen Netzes, haben es aber ausgelagert und an die AEK verpachtet. AEK-Partner sind Gerlafingen, Kriegstetten, Langendorf, Lommiswil, Lüsslingen (ohne Ortsteil Nennigkofen), Luterbach, Subingen, Zuchwil und Lüterkofen-Ichertswil.

Die Einwohner von Lüterkofen Ichertswil hatten am Donnerstag ein Schreiben ihres Gemeinderats im Briefkasten: Man prüfe eine vorzeitige Kündigung des Pachtvertrags. Die Gemeindeversammlung hatte sich vergangenen Dezember mit knapper Mehrheit für den teureren AEK-Strom entschieden. Auf die Frage, ob die AEK (seit diesem Jahr eine hundertprozentige Tochter der bernischen BKW) in Zukunft die BKW-Preise übernehmen müsse, sei das ganz klar verneint worden, heisst es in dem Brief. Nun habe der Gemeinderat aber festgestellt, dass für 2018 sehr wohl das Preisniveau der BKW übernommen wurde und es Aufschläge um bis zu 20 Prozent geben werde. Die AEK begründete dies unter anderem damit, dass auch der günstigste «graue» Strom in Zukunft nicht mehr aus fossilen Quellen stammen und absolut CO2-frei sein werde. Der publizierte Strom-Mix 2015 und 2016 zeige aber, dass Gas und Kohle schon in den letzten zwei Jahren kein Bestandteil des AEK-Strommix gewesen sei, schreibt der Gemeinderat seinen Einwohnern. «Wir fühlen uns etwas an der Nase herumgeführt», sagt Gemeindepräsident Roger Siegenthaler.

Er ist nicht der Einzige. Die Argumente, mit denen die AEK ihre jüngste Preiserhöhung erkläre, seien für ihn nicht ganz stichhaltig, meint Langendorfs Gemeindepräsident Hans-Peter Berger. Er habe das Gefühl, damit werde verschleiert, dass die Tarife im AEK-Gebiet einfach dem höheren Niveau im bernischen Versorgungsgebiet der BKW/Onyx angepasst werden. Aktuell stehe in Langendorf keine Kündigung des Pachtvertrags zur Diskussion, aber man werde sich das weitere Vorgehen überlegen müssen.

Auch Subingen steigt aus

Das hat man in Subingen bereits getan: Der Gemeinderat hat vor zwei Wochen beschlossen, den Vertrag zu kündigen und das Stromnetz zur Neuverpachtung auszuschreiben. Man sei in der Vergangenheit mit der AEK immer gut gefahren, aber schliesslich habe der Gemeinderat nicht nur mit den Steuergeldern sorgfältig umzugehen, sondern auch sonst für die bestmöglichen Lösungen für seine Bürger zu sorgen, sagt Gemeindepräsident Hans Ruedi Ingold. Der Entscheid zur Neuausschreibung sei zwar unabhängig von der jüngsten Preiserhöhung gefallen, aber auch Ingold findet, die AEK habe es hier «etwas schwer, sich zu erklären». Das versucht sie heute Vormittag, sie hat die Gemeindepräsidenten der Partnergemeinden zu einer Aussprache eingeladen. Ausser ausgerechnet jenen von Lüterkofen-Ichertswil, das mit Berufung auf eine Ausstiegsklausel den Vertrag mit der AEK sofort auflösen will: Roger Siegenthaler ist beruflich für die Regio Energie tätig.

AEK: «Handeln vorausschauend»

Sollten noch mehr Partnergemeinden dem Beispiel von Lüterkofen-Ichertswil, Subingen und Lüsslingen (hat den Vertrag schon vor zwei Jahren per Ende 2018 gekündigt) folgen, könnte es ungemütlich werden: In den neun Partnergemeinden leben rund 40 Prozent der Einwohner des Versorgungsgebiets der AEK, sprich Kunden. Gibt es also Verhandlungsspielraum? Man sei regelmässig im Gespräch mit den Partnergemeinden. Über Vertragsdetails oder laufende Verhandlungen könne man aber keine Auskunft geben, liess das Unternehmen gestern gegenüber dieser Zeitung verlauten. Man sei überzeugt, mit den Energietarifen, die neu auf Gestehungskosten der BKW-Kraftwerke anstelle von Marktpreisen basieren, vorausschauend zu handeln. Die AEK führt erneut das Argument ins Feld, dass damit ihre grundversorgten Kunden gegen volatile und längerfristig steigende Marktpreise abgesichert würden.

Im Übrigen steche das CO2-Argument sehr wohl, so AEK-Sprecherin Pia Daumüller. Die AEK habe im laufenden Jahr Strom aus fossilen Quellen bezogen und dies auch in ihrem Flyer der Stromprodukte transparent kommuniziert. Wie viel es effektiv ist, könne man Anfang 2018 kommunizieren.