Regionalgruppe der Klimagrosseltern

Ein Volksauftrag für den Notstand: Der Klimawandel soll im Kanton Solothurn als Krise anerkennt werden

Die Regionalgruppe der Klimagrosseltern will erreichen, dass der Kanton den Klimawandel als Krise anerkennt.

Rebekka Balzarini
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Die Klimaproteste schärften das Bewusstsein, dass der Klimawandel ein Generationenthema ist. Gemäss dem Generationen-Barometer 2020 sind die jüngsten Befragten am selbstkritischsten, wenn sie ihren klimafreundlichen Lebensstil bewerten.

Die Klimaproteste schärften das Bewusstsein, dass der Klimawandel ein Generationenthema ist. Gemäss dem Generationen-Barometer 2020 sind die jüngsten Befragten am selbstkritischsten, wenn sie ihren klimafreundlichen Lebensstil bewerten.

KEYSTONE/ALEXANDRA WEY

Der vergangene Sommer war zwar kein Hitzesommer, aber trotzdem überdurchschnittlich warm. Das schreibt MeteoSchweiz im «Klimabulletin Sommer 2020», das am 10. September veröffentlicht wurde. Das landesweite Mittel der Temperatur lag bei 14,1 Grad. Das sind 0,8 Grad mehr als die Durchschnittstemperatur der Sommer zwischen 1981 und 2010.

«Obwohl der Sommer 2020 damit nicht zu den extrem heissen zählt, setzt er die Serie der sehr warmen Sommer der letzten drei Jahrzehnte fort», schreibt MeteoSchweiz. «Vor der kräftigen Sommererwärmung ab den 1990er-Jahren gab es nur sehr selten Schweizer Sommer mit über 14 °C im landesweiten Mittel».

Klimagerechtes Handeln in der Region fördern

Die steigenden Temperaturen der letzten Jahrzehnte, die sich nicht nur im Sommer, sondern auch in den Wintermonaten zeigen, sind laut dem Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie eine Folge des Klimawandels, verursacht durch Treibhausgasemissionen. Diese Entwicklung macht nicht nur jungen Menschen Sorgen, sondern auch ihren Grosseltern. Am Montagvormittag versammelten sich deshalb Vertreterinnen und Vertreter der Klimagrosseltern Regionalgruppe Solothurn vor dem Rathaus in der Hauptstadt, um der stellvertretenden Staatsschreiberin Pascale von Roll einen Volksauftrag zu übergeben.

Mit Abstand und Maske reichten die Klimagrosseltern ihren Volksauftrag ein.

Mit Abstand und Maske reichten die Klimagrosseltern ihren Volksauftrag ein.

Rebekka Balzarini

Der Auftrag fordert die Kantonsregierung dazu auf, im Kanton Solothurn den Klimanotstand auszurufen. «Wir fordern keinen Notstand im institutionellen Sinn, bei dem die demokratischen Rechte des Volkes beschnitten werden, sondern klimagerechtes Handeln», schreiben die Initianten in dem Auftrag.

«Wir beauftragen den Regierungsrat, auf diese Krise zu reagieren, die Gesellschaft kompetent zu informieren und die Voraussetzungen zu schaffen, damit Bevölkerung und Wirtschaft des Kantons aktiv die notwendigen Änderungen mitgestalten», heisst es weiter. Die zukünftige Budgetgestaltung, Beschlüsse und Gesetze im Kanton müssten deshalb auf das Weltklimaabkommen von Paris ausgerichtet werden, das auch die Schweiz unterschrieben hat.

450 Unterschriften für den Klimanotstand

Marguerite Misteli und Adrian Burki sind Mitglieder der Solothurner Regionalgruppe der Klimagrosseltern.

Marguerite Misteli und Adrian Burki sind Mitglieder der Solothurner Regionalgruppe der Klimagrosseltern.

Rebekka Balzarini

Zu der Solothurner Regionalgruppe der Klimagrosseltern gehören unter anderem Marguerite Misteli und Adrian Burki. Für das Sammeln der Unterschriften habe man nicht besonder lange gebraucht, erzählt Burki. Im September habe man damit angefangen, und schon am ersten Tag seien rund 100 Unterschriften zusammengekommen. «Es gibt auch in unserer Generation viele Menschen, die Verantwortung übernehmen wollen», betont er.

Als ehemalige Kantonsrätin und Nationalrätin für die Grünen befasst sich Marguerite Misteli schon lange mit dem Klimawandel. Auch ein einzelner Kanton könne bereits etwas bewirken, deshalb brauche es den Volksauftrag. «Jeder ist Teil des Ganzen und kann etwas dazu beitragen, dass weniger Treibhausgase ausgestossen werden», sagt sie. «Wir dürfen das nicht einfach delegieren.»

Der Volksauftrag der Klimagrosseltern wird nun geprüft und anschliessend im Kantonsrat behandelt. In der Schweiz haben bereits die Kantone Basel-Stadt, Jura, Waadt, Zürich, und Luzern den Klimanotstand ausgerufen. Der Grosse Rat des Kantons Bern entscheidet in der Wintersession darüber, ob ein Artikel zum Klimaschutz in der Kantonsverfassung festgeschrieben wird.