Gewerbeverband

«Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sie muss den Menschen dienen»

Wie gehen Solothurner KMU mit der Digitalisierung um, welche Auswirkungen hat sie auf die Unternehmungen und ihr Personal?

Urs Moser
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KGV-Präsidentin Marianne Meister mit den Referenten Simon Gassler (Hans Gassler AG), Thomas Müller (Dietschi Print&Design), Joachim Tillessen (Fachhochschule Nordwestschweiz), Fredy Dubach (Alpic In Tec) und KGV-Geschäftsführer Andreas Gasche (v. l.)

KGV-Präsidentin Marianne Meister mit den Referenten Simon Gassler (Hans Gassler AG), Thomas Müller (Dietschi Print&Design), Joachim Tillessen (Fachhochschule Nordwestschweiz), Fredy Dubach (Alpic In Tec) und KGV-Geschäftsführer Andreas Gasche (v. l.)

Bruno Kissling

Manche mögen den Begriff vielleicht schon nicht mehr hören, aber das Thema begleitet uns Schritt auf Tritt: Die Digitalisierung stand auch im Zentrum des Herbsttreffens des kantonalen Gewerbeverbands (KGV). Wie gehen Solothurner KMU mit der Digitalisierung um, welche Auswirkungen hat sie auf die Unternehmungen und ihr Personal? Der Begriff sei zwar in aller Munde, aber viele seien verunsichert, meinte KGV-Präsidentin Marianne Meister. Für sie steht darum eines fest: «Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sie muss den Menschen dienen.»

Wie sie das kann, erläuterten mehrere Referenten, die über ihre eigenen Erfahrungen berichteten. Allen voran natürlich Simon Gassler, Geschäftsleiter der gastgebenden Hans Gassler AG. Nun liegt sicher nicht falsch, wer glaubt, in der Baumalerei stehe auch heute gutes altes Handwerk im Vordergrund. Sicher falsch liegt aber, wer glaubt, in so einem Unternehmen sei Digitalisierung kein Thema. Sei es die Steuerung von Maschinen oder die Lagerbewirtschaftung – er sehe momentan zwar nicht nur Vorteile, aber Prozesse liessen sich nun einmal nicht aufhalten, so Simon Gassler. Im sogenannten vernetzten Bauen sehe er zum Beispiel einen Ansatz, der wirklich Mehrwert schaffen werde. Seine eigene zentrale Rolle als Chef in einem Familienbetrieb sieht er dabei darin, die Mitarbeiter, zu denen man eine zum Teil sehr lange und enge Bindung habe, für Veränderungen zu begeistern. «Was die Digitalisierung nicht kann, ist das Herzblut der Mitarbeiter für eine Sache zu ersetzen», so Gassler.

Vom Drucker zum Web-Designer

Am anschaulichsten konnte wohl Thomas Müller vermitteln, wie die «digitale Revolution» auch mittelständische Unternehmen erfasst. Kaum woanders hat sie bereits zu so tiefgreifenden Veränderungen geführt wie in der Druck- und Medienbranche. Nach der Verlegung des Zeitungsdrucks zu den AZ Medien nach Aarau übernahm Müller die Druckerei der Dietschi AG in Olten. Aber heute druckt seine Dietschi Print&Design nicht einfach Kataloge oder Imagebroschüren. Die dafür benötigten, längst digitalisierten Daten, lassen sich für weit mehr nutzen. Auf Kundenwunsch kann dann gleich eine Website eingerichtet oder eine App entwickelt werden. «Vor zehn Jahren hätte ich auch nicht gedacht, dass ich so etwas mache, aber wir müssen die Chance nutzen, die sich durch neue Geschäftsfelder eröffnet», so Müller. So weit, so gut, aber was ist mit den beängstigenden Studien, die prophezeien, dass jeder dritte Job oder mehr verschwinden werden, wenn immer mehr aus einer Hand kommt? Man lasse jemanden nicht fallen, weil er früher eine andere Maschine bedient hat, meint Müller. Wer sich weiterentwickle, könne auch weiter «dabei» sein.

Kaum an vorderster Front werden Laien die Baubranche sehen, wenn es um das Stichwort Digitalisierung geht. Fredy Dubach, Geschäftsführer der Alpic In Tec Schweiz AG, zeigte sich allerdings überzeugt, dass die Entwicklung auch hier fortschreiten wird. «Building Information Modeling», kurz BIM, sei gross im Kommen und bei manchen Grosskonzernen bereits entscheidend für Bauvergaben. Vereinfacht gesagt geht es bei BIM um eine dreidimensionale Planung, wobei im virtuellen Gebäudemodell sämtliche relevanten Daten und Informationen zentral gespeichert werden und allen Projektbeteiligten jederzeit zur Verfügung stehen.
Hilfestellungen für KMU, die sich auf neue Entwicklungen einstellen wollen, bietet zum Beispiel die Fachhochschule Nordwestschweiz. Joachim Tillessen, der dort den Master-Studiengang Corporate Communication Management leitet, zeigte den Gewerbetreibenden anhand von Beispielen, wie sie profitieren können. So meldete sich zum Beispiel ein Verpackungshersteller: Er hatte die Idee, einen e-shop einzurichten, wo die Kunden Kartonschachteln selber konfigurieren und im benötigten Mass bestellen können. Eine gute Idee, denn es ist billiger als Standardformat-Massenware. Nur wollte die Sache nicht so recht anlaufen. Die beigezogenen Fachhochschul-Studenten entwickelten ein verbessertes Suchmaschinen-Marketing und siehe da: Der Zugriff auf den Kartonschachtel-Shop verdreifachte sich innert kürzester Zeit.