Swiss Shrimp AG

Die Shrimps-Produktion in Luterbach verzögert sich

Die in Luterbach installierte Pilotanlage der Swiss Shrimps AG läuft noch nicht – derweil taucht ein Konkurrent im Thurgau auf. Der Geschäftsführer ist aber mit dem Fortschreiten des Projekts zufrieden.

Franz Schaible
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Noch stammen die Shrimps nicht fangfrisch aus Schweizer Zucht, sondern werden in der Regel tiefgefroren importiert.

Noch stammen die Shrimps nicht fangfrisch aus Schweizer Zucht, sondern werden in der Regel tiefgefroren importiert.

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Liebhaber von Garnelen, die sich bereits auf den Genuss aus Luterbacher Produktion freuten, müssen sich etwas länger gedulden. Zwar wollte die Swiss Shrimp AG im Sommer 2014 die Pilotanlage für die Aufzucht von fangfrischen Shrimps in Betrieb nehmen.

Jetzt ist es zu Verzögerungen gekommen, wie Geschäftsführer Rafael Waber auf Anfrage erklärt. «Wir sind einige Monate in Verzug, aber ansonsten mit dem Fortschreiten des Projekts zufrieden.» Die eigentliche Pilotanlage sei in Betrieb. Das künstliche Salzwasser in den Aufzucht- und Mastbecken sei eingefüllt, die Mess-Regeltechnik justiert und das Wasseranalytik- und Bioanalytik-Labor aufgebaut. «Die Larven zur Aufzucht können aber erst dann eingewässert werden, wenn das Wasser die richtige Qualität hat», erläutert Waber. Es dauere mehrere Wochen, bis das Meerwasser nachgebildet sei. Waber ist aber zuversichtlich, dass die Wasserqualität noch im November erreicht werde und die Larven in Florida bestellt und importiert werden können.

Start nun im Frühjahr 2015

Die Larven werden in einem kleinen Anzuchtbecken während zweier Wochen akklimatisiert, dann in immer grösseren Becken aufgezogen. Insgesamt dauert es rund 26 Wochen, bis die Crevetten erntereif sind – das heisst 25 bis 30 Gramm schwer, daumendick und in Kugelschreiberlänge. Gezüchtet werden die Shrimps im rund 30 Grad warmen und fliessenden Salzwasser. Der Start der Pilotaufzucht dürfte nun im Frühjahr 2015 erfolgen, blickt Waber nach vorne.

Suche nach Standort läuft

Bislang war geplant, nach der Testphase die grosse Produktionsanlage 2017 in Betrieb zu nehmen. Ob dieser Termin eingehalten werden kann, sei noch offen. «Denn der Zeitpunkt hängt auch mit den Resultaten aus der Pilotphase zusammen.» Und den Ergebnissen der laufenden Suche nach einem geeigneten Standort. Man habe bereits Angebote erhalten, mehr will Waber nicht preisgeben. Die Swiss Shrimp AG sucht in einer Industriezone eine Halle mit mindestens 2000 Quadratmetern Fläche und einen nahegelegenen Betrieb, der die Abwärme für die Erhaltung der Wassertemperatur liefert. Am jetzigen Standort auf dem Borregaard-Areal rechne sich die Produktion nicht. Die ursprünglich ins Auge gefasste Versorgung mit Abwärme aus der Kebag Zuchwil mit dem Bau einer Extraleitung wäre zu teuer. Ebenso werden Investoren gesucht, die bereit sind, mehrere Millionen Franken in den Produktionsaufbau zu stecken, wie es bereits früher hiess.

Shrimps aus dem Thurgau: «Ideale Ergänzung für Landwirtschaftsbetrieb»

Während sich die Swiss Shrimp AG in Luterbach noch in der Pilotphase befindet und nach einem geeigneten Standort für die Shrimp-Produktion sucht, baut Simon Mayer im thurgauischen Zuben bereits an seiner Aufzuchtanlage. Auf einer Fläche von 250 Quadratmetern will der Unternehmer in zwei Aufzucht- und vier Mastbecken die Garnelen in Schweizer Qualität produzieren. Mayer sieht in einer Shrimps-Anlage auch «eine ideale Ergänzung für einen Landwirtschaftsbetrieb», bestätigt er einen Bericht in der Thurgauer Zeitung. «Die Grundidee ist, mein Konzept in der ganzen Schweiz umsetzen zu können.» Wie das Solothurner Team um die Swiss Shrimp AG will Zuber mit seinem Angebot an fangfrischen Shrimps eine Alternative zu den importierten, tiefgefrorenen und oft unter misslichen Bedingungen produzierten Kleintieren aus dem Ausland bieten. «Wir wollen Schweizer Qualität bieten, auch was die Ökologie betrifft», sagt Simon Mayer. Die Zuchtanlagen im Ausland operierten oft mit Chemikalien und dem Einsatz von Antibiotika. Er dagegen verfolge eine artgerechte Produktion und Verarbeitung ohne Antibiotika und einem speziellen FSC-zertifiziertem Mischfutter. Den Energiebedarf für die gesamte Anlage und Aufbereitung des 30 Grad warmen Salzwassers sei vergleichbar mit dem Bedarf eines Einfamilienhauses. Das Gebäude sei hervorragend isoliert. Zum Einsatz komme eine Wärmepumpe, die rund 80 Prozent des Bedarfs abdecke, sowie eine Gasheizung. (FS)

Konkurrenz aus dem Thurgau

Deutlich weiter fortgeschritten ist ein Projekt einer Shrimps-Farm im thurgauischen Zuben. «Es ist kein Projekt mehr, wir sind am Bauen», sagt der 30-jährige Initiant Simon Mayer selbstbewusst. Der Unternehmer, der hauptberuflich einen Pouletmastbetrieb führt, will nach vierjähriger Projektarbeit seine Aufzuchtanlage im April 2015 in Betrieb nehmen (siehe Kasten). Ein halbes Jahr später sollen die ersten Shrimps «Swiss Made» verkauft werden. Abnehmer aus dem Grosshandel seien bereits vorhanden.

Keine Angst vor Konkurrenz

Das Projekt der thurgauischen Shrimp-Farm ist dem sechsköpfigen Team der Swiss Shrimp AG schon längers bekannt, wie Rafael Waber sagt. «Das hat keinen Einfluss auf unsere Planung. Wir verfolgen konsequent unser Ziel», gibt er sich gelassen. Dies sei eine ökologisch sinnvolle Produktion. Stichworte seien die Abwärmenutzung, der Einsatz von biozertifiziertem Futter und dank einem geschlossenen Wasserkreislauf nur geringste Mengen an Frisch- und Abwasser. Man habe auch keine Angst, mit dem Projekt zu spät zu kommen. «Unser primäres Ziel ist nicht, der erste Schweizer Shrimpslieferant, sondern ein wettbewerbsfähiger Produzent mit einer klaren Positionierung im Markt zu sein.»

Platz für zwei Produzenten

Es habe auf dem Schweizer Markt Platz für zwei Produzenten, ist Waber überzeugt. Es handle sich in beiden Fällen im Vergleich zur jährlich importierten Menge von rund 8200 Tonnen Shrimps um sehr kleine Mengen. Die Swiss Shrimp AG rechnet gemäss früheren Angaben mit einer Produktionsmenge zwischen 25 und 100 Jahrestonnen fangfrischer Shrimps. Bei Simon Mayer ist die produzierte Menge noch offen. «Sie wird den Absatzmöglichkeiten angepasst.» Auch Waber verweist auf die Nachfrage: «Entscheidend wird sein, wie viele Schweizer sich für fangfrische Shrimps interessieren und wie viele bereit sind, dafür auch etwas mehr Geld auszugeben.» Beide Shrimps-Produzenten rechnen mit Verkaufspreisen zwischen 90 und 120 Franken je Kilo. Das ist deutlich mehr als die tiefgefrorene importierte Ware kostet. Bei Grossverteilern und Discounter liegen die Preise zwischen 10 bis 70 Franken. Diesen Preisvergleich lässt Mayer so nicht gelten, weil Äpfel mit Birnen verglichen werden. «Das ist wie Büchsenware und Frischware.»