Landsgemeinde
Der Wandel macht vor dem Wald nicht Halt

Wie ist mit dem immer schnelleren Wandel in der digitalisierten und globalisierten Welt umzugehen? Dieser Thematik stellte sich der Bürgergemeinde und Waldeigentümer Verband Kanton Solothurn (BWSo) an einer tägigen Landsgemeinde in Biberist.

Patrick von Däniken
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Podium der BWSo-Landsgemeinde: Von rechts Benedikt Weibel, Ständerat Daniel Fässler (Präsident WaldSchweiz), Nationalrat Kurt Fluri und Moderatorin Anita Panzer.

Podium der BWSo-Landsgemeinde: Von rechts Benedikt Weibel, Ständerat Daniel Fässler (Präsident WaldSchweiz), Nationalrat Kurt Fluri und Moderatorin Anita Panzer.

zvg

Wie ist mit dem immer schnelleren Wandel in der digitalisierten und globalisierten Welt umzugehen? Dieser Thematik stellte sich der Bürgergemeinde und Waldeigentümer Verband Kanton Solothurn (BWSo) an einer tägigen Landsgemeinde in Biberist. In Vorträgen und Workshops verschiedener Referenten wurden die Veränderungen analysiert, welche die Bürgergemeinden betreffen.

BWSo-Präsident und Kantonsrat Peter Brotschi, wies in seiner Begrüssung auf den vielschichtigen Wandel in Gesellschaft und Raumordnung hin. In den letzten 30 Jahren sei in der Schweiz fast kein Stein auf dem anderen geblieben.

Das Unerwartete erwarten

Der ehemalige SBB-Generaldirektor Benedikt Weibel leitete ins Thema Wandel ein. Die Zukunft sei ein Raum voller Möglichkeiten, die man nie genau voraussagen könne. Globale Megatrends seien zwar bekannt, deren konkrete Auswirkungen auf die Zukunft jedoch oft ungewiss. Deshalb sei es zentral, anpassungsfähig zu sein und sich auf eine bewegte Zukunft einzustellen.

Daniel Fässler, Präsident von WaldSchweiz und neu gewählter Ständerat von Appenzell-Innerrhoden beleuchtete den bisherigen Wandel in der Schweizer Wald- und Holzwirtschaft. Im Schweizer Wald wachsen jährlich 10 Mio. m3 Holz nach. Davon werden aber nur 4.5 Mio. m3 genutzt. Verbraucht werden 10.5 Mio. m3 – mehr als die Hälfte des Holzes wird also importiert. Gleichzeitig vermodert ein Teil des Schweizer Holzes im Wald und setzt dabei CO2 frei. Würde das Holz rechtzeitig geerntet und verbaut, bliebe der Kohlenstoff langfristig gespeichert.

ETH-Professor Harald Bugmann: Klimawandel ernst nehmen

ETH-Professor Harald Bugmann zeigte exemplarisch die Folgen des Klimawandels im Wald auf. Am Beispiel aus den Rocky Mountains zeigte er auf, dass die Natur aus komplexen Wechselwirkungen bestehe und schon kleine Änderungen gravierende Folgen hätten. Die Trockenheit des letzten Sommers hat in Europa Millionen von Rottannen das Leben gekostet. Wie viele der Buchen, die ihr Laub abwarfen, überlebt haben, wird derzeit erforscht. Die verschiedenen Szenarien für die Folgen des Klimawandels im Wald zeigen ein düsteres Bild. Insbesondere in tieferen Lagen muss mit tieferen Holzvorräten gerechnet werden. Auch die Baumartenzusammensetzung wird sich verändern müssen. Bugmann hält fest, dass es höchste Zeit für griffige Massnahmen sei, um die Emissionen zu reduzieren. Beim Waldsterben seien damals die Ursachen auf internationaler Ebene bekämpft worden: Schwefelarmes Heizöl und bleifreies Benzin hätten der Luftverschmutzung Einhalt geboten und damit auch dem Waldsterben. (pvd)

Bürgerrechtswesen im Wandel

Die Bürgergemeinden sind auch für die Einbürgerungen zuständig. Der Solothurner Stadtpräsident und Nationalrat Kurt Fluri erläuterte den Wandel im Bürgerrechtswesen. Früher konnte sich jeder in eine Bürgergemeinde einkaufen – ob er nun im Dorf wohnte oder nicht. Dann wurde die Aufenthaltsdauer in einer Gemeinde zum entscheidenden Kriterium. Heute steht hingegen primär die Integration der Gesuchsteller im Vordergrund.

In einem Podiumsgespräch diskutierte Moderatorin Anita Panzer mit den Referenten über den Klimawandel und darüber, ob die Schweizer Wald- und Holzbranche vor einem Marketingproblem stehe. Weibel sieht bei der Vermarktung von Schweizer Holz eine riesige Chance. Nachhaltig hergestellte, regionale Produkte lägen im Trend. Dem pflichtete Fässler bei, weist aber auf die Schwierigkeiten bei der Kommunikation hin. So sei es für die Waldbesitzenden nicht möglich, ihr Holz direkt zu vermarkten. Dieses gelange erst über Holzhändler, Sägereien, Holzbauer oder Schreiner zu den Kunden. Bei den Endprodukten sei die Herkunft des Holzes oft ungenügend deklariert. Das Herkunftszeichen Schweizer Holz müsse weiter gefördert werden.

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