Solothurn

Boris Banga erinnert sich, wie vor 25 Jahren der PUK-Bericht zum Kantonalbankdebakel erschien

Der ehemalige Grenchner Stadtpräsident und SP-Nationalrat Boris Banga präsidierte die parlamentarische Untersuchungskommmission, die den Niedergang der Solothurner Kantonalbank aufarbeitete und 1995 ihren Bericht ablieferte. Er erinnert sich an nächtelange Sitzungen in einem rauchgeschwängerten Büro. Und wie das Establishment die PUK ächtete.

Urs Moser
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Hanspeter Bärtschi

Natürlich habe ihn seine Abwahl damals geschmerzt, sagt der ehemalige Stadtpräsident von Grenchen (im Amt von 1991 bis 2013). Aber dass Boris Banga nicht mehr in der Uhrenstadt wohnt, sondern im benachbarten Lengnau im Bernischen, habe nichts mit Groll zu tun, versichert er. Nein, mit inzwischen vier Hunden passte das alte Domizil ohne Garten ganz einfach nicht mehr. Und etwas Passendes fanden er und seine Frau dann eben zufälligerweise in Lengnau, wo Barbara Banga übrigens aufgewachsen ist.

Eine Abrechnung mit seinem freisinnigen Nachfolger François Scheidegger, den Sozialdemokrat Banga damals im Wahlkampf wenig schmeichelhaft als «Prinz Valium» betitelt hatte, ist auch nicht der Grund für das Treffen mit dem Rentner im Unruhestand (er ist mit 71 wieder als Partner einer Anwaltskanzlei tätig). In seiner langen Karriere als Politiker – Kantonsrat, Stadtpräsident, Nationalrat – stand Boris Banga oft im Rampenlicht. Einer der sicher ganz besonderen Momente jährt sich diesen Monat zum 25. Mal: Banga war Präsident der parlamentarischen Untersuchungskommission PUK, die den Zusammenbruch der Solothurner Kantonalbank aufarbeitete und 1995 ihren Bericht präsentierte.

Nächtelange Sitzungen und dicke Rauchschwaden

Und dieser PUK-Bericht hatte es in sich. Er zeigte schonungslos auf, wie das Versagen auf höchsten Ebenen – Direktorium, Bankrat, Regierung – in ein Debakel geführt hatte, das den Kanton in den Grundfesten erschütterte und das jahrelang nachhallte. «Wir staunten Bauklötze», erinnert sich Banga an die nächtelangen Sitzungen, in denen man sich in das Geschäftsgebaren der Staatsbank und die Rolle der Aufsicht vertiefte. Geradezu lächerliche Dossiers seien da zum Vorschein gekommen, auch ein beigezogener Revisionsexperte habe der PUK versichert, so etwas noch nie in seinem Leben gesehen zu haben. Zumindest im wörtlichen Sinn klar sahen damals allerdings auch Banga und seine PUK-Kollegen nicht immer. Es waren andere Zeiten. Man hatte sich in einem Büro in der Schanzmühle in Solothurn eingemietet, wo heute die Kantonspolizei ihre Zentrale hat. «Dort hing der Rauch manchmal so dick, dass man sich kaum noch erkannt hat», erzählt Banga. Und zieht dabei im Strassencafé des «Baracoa» in Grenchen genüsslich an einer Zigarre, die er sich nun wieder gönnt. Den Zigaretten hat er nach einem schweren Herzinfarkt kurz vor Weihnachten 2005 längst abgeschworen.

Das falsche Amt, um sich Freunde zu schaffen

Die Kantonalbank-PUK hat Denkmäler vom Sockel gestossen – und das hat man ihr auch durchaus übel genommen. Der einstige Bankratspräsident und alt Nationalrat Daniel Müller (FDP), der frühere Finanzdirektor Alfred Rötheli (CVP), beide inzwischen verstorben, das waren damals Ikonen des Solothurner Polit-Establishments. Beiden stellte der PUK-Bericht ein einigermassen desaströses Zeugnis in Sachen Führungsaufsicht über die Staatsbank aus. Den zur Zeit des Crashs amtierenden Nachfolger Röthelis, den früheren CVP-Kantonalpräsidenten und Nationalrat Peter Hänggi, kostete das Kantonalbankdebakel beziehungsweise der PUK-Bericht das Amt.

Dem damaligen Zürcher Nationalrat Moritz Leuenberger mag das Präsidium der PUK zum «Fall Kopp», die dann den Fichenskandal aufdeckte, den Weg zur Wahl in den Bundesrat 1995 geebnet haben. Im Kanton Solothurn der 1990er-Jahre wurden die Leute von der Kantonalbank-PUK aber nicht etwa als Helden unbestechlicher Transparenz gefeiert, eher im Gegenteil. Man hatte es gewagt, Honoratioren ans Bein zu pinkeln, stand als Nestbeschmutzer da.

«Wir wurden vom Establishment schon sehr stark ausgegrenzt», sagt Boris Banga. Für ihn selber habe das PUK-Präsidium zwar die damalige Nationalratskandidatur noch eher beflügelt, aber «die meisten haben schon sehr gelitten», so Banga. Er erinnert etwa an den damaligen CVP-Kantonsrat Hermann Spielmann (dessen Sohn Markus heute übrigens für die FDP im Kantonsrat sitzt): Er galt als «grosse Nummer», doch nach dem PUK-Bericht habe der «Rötheli-Clan» dafür gesorgt, dass er in der CVP zur persona non grata wurde und nicht mehr für höhere Weihen in Frage kam, erinnert sich Banga.

Was stört, ist das schnelle Vergessen

Karriere gemacht als ob nichts gewesen wäre hat dafür ein Protagonist des Debakels. Der heutige Ständerat Pirmin Bischof war Vizepräsident des Bankrats, als die Übernahme der noch maroderen Bank in Kriegstetten den Untergang der maroden Kantonalbank einleitete. Er missgönne ihm den politischen Erfolg nicht, sagt Banga, aber: «Was mich schon stört, ist wie schnell die Bevölkerung vergisst.» Bereut hat er sein PUK-Engagement aber nie. «Wir waren noch relativ jung, hatten nichts zu verlieren, und so viele Millionen in den Sand zu setzen ohne dass es irgendwelche Konsequenzen hat, das konnten wir nicht akzeptieren.»