Coronavirus im Kanton Solothurn

«Befolgt die Massnahmen»: So appelliert die Gesundheitsdirektorin an die Bevölkerung

An einer Medienkonferenz gibt die Regierung neue Schutzmassnahmen bekannt und ruft die Bevölkerung zu Solidarität auf.

Rebekka Balzarini
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Nachdem der Bundesrat am Wochenende neue Schutzmassnahmen erlassen hatte, um die die Zahl der Neuansteckungen mit Covid-19 zu senken, zieht der Kanton Solothurn jetzt nach. Seit heute gelten im Kanton zusätzliche Regeln, um die Zahl der Neuansteckungen im Kanton wieder zu senken.

Die neuen Regeln gaben die Regierungsräte Remo Ankli, Susanne Schaffner und Brigit Wyss sowie Kantonsarzt Lukas Fenner an einer Medienkonferenz bekannt.

«Kritische Lage» erfordert neue Massnahmen

«Aus epidemiologischer Sicht ist die Lage kritisch, vielleicht sogar sehr kritisch», warnte Kantonsarzt Lukas Fenner gleich zu Beginn der Konferenz. «Wir befinden uns in einem exponentiellen Wachstum, und wir sehen die Tendenz, dass sich nun auch vermehrt ältere Personen anstecken».

Die Positivitätsrate von rund 10 Prozent zeige, dass auch die Dunkelziffer in den vergangenen Tagen gestiegen sei. «Die Spitäler werden in den kommenden Tagen deutlich mehr Patienten behandeln müssen», so Fenner weiter.

Stand gestern befanden sich im Kanton 12 Personen im Spital. Drei davon mussten auf der Intensivstation behandelt werden, zwei davon wurden beatmet. Aufgrund der verschärften Lage im Kanton gelten ab heute, ergänzend zu den Massnahmen, die der Bundesrat am Sonntag beschlossen hat, folgende Regeln:

  • In Clubs, Diskotheken und Tanzlokalen dürfen nur noch 300 Personen gleichzeitig anwesend sein.
  • Für Bars, Clubs und Diskotheken gilt am Freitag und Samstag eine Sperrstunde von 01.00 bis 06.00.
  • Sämtliche Restaurants, Clubs und Bars müssen die Kontaktdaten ihrer Kunden elektronisch erheben.
  • Wenn bei einer privaten oder öffentlichen Veranstaltung keine Schutzmassnahmen möglich sind und die Sicherheitsabstände nicht eingehalten werden können, dann dürfen nicht mehr als 50 Personen anwesend sein.
  • In den Schulen müssen Erwachsene Personen eine Schutzmaske tragen, wenn die Sicherheitsabstände nicht eingehalten werden können. Dies ab dem 26. Oktober.

Noch keine strengeren Massnahmen hat der Kanton in den Alters- und Pflegeheimen angeordnet. Mit den kantonalen Massnahmen wolle man dort Lücken füllen, wo die Massnahmen des Bundesrates nicht ausreichten, erklärte die Gesundheitsdirektorin Susanne Schaffner. Die neuen Massnahmen habe man mit den Kantonen Basel-Landschaft und Basel-Stadt abgesprochen.

Von Massnahmen wie im Aargau, wo in Clubs nur noch 50 Personen anwesend sein dürfen, sieht man im Kanton Solothurn ab: «Da würden wir die Clubs eher ganz schliessen», so Schaffner. In Bezug auf Grossveranstaltungen hat der Kanton Solothurn noch keine Entscheidung getroffen: In der Region dürfen Grossveranstaltungen, für die der Kanton bereits eine Bewilligung erteilt hat, durchgeführt werden. Im Kanton betrifft das lediglich die Spiele des EHC Olten, der für sein Stadion ein Schutzkonzept erarbeitet hat.

Ob weitere Bewilligungen erteilt werden, will der Regierungsrat in den nächsten Tagen entscheiden. «Neue Bewilligungen werden kaum mehr erteilt», gibt Schaffner zu bedenken, es wäre in der aktuellen Situation widersprüchlich».

Denn auch wenn die Schutzmassnahmen eingehalten würden, sei davon auszugehen, dass sich aufgrund der hohen Dunkelziffer infizierte Personen im Publikum aufhalten würden. Entsprechend reagiert haben bereits die Kantone Basel-Stadt und Bern: Basel-Stadt hat Grossveranstaltungen gestern Mittwoch verboten, der Kanton Bern bereits am Sonntag.

Wenn der das Solothurner Contact Tracing Teams viele Besucherinnen und Besucher einer Grossveranstaltung gleichzeitig kontaktieren müssen, dann wäre das für das Team eine grosse Belastung.«Wir kommen langsam an den Anschlag. Wir müssen keine Spitzen mehr bewältigen, sondern ein kontinuierliches Wachstum», so Kantonsrat Lukas Fenner.

Noch sei es möglich, Indexpersonen telefonisch zu kontaktieren. «Wir müssen aber aufpassen, dass wir nicht in Rückstand geraten». Um das Contact Tracing weiterhin bewältigen zu können, werde aktuell geprüft, ob Personen aus dem Zivildienst eingesetzt werden können.

Ein Appell an die Bevölkerung

Damit die Situation im Kanton Solothurn sich nicht immer weiter verschärft, könnten im Kanton weitere Massnahmen dazukommen, erklärt die Gesundheitsdirektorin. Susanne Schaffner. «Es ist jetzt dringend und wichtig, zu schauen, was wir noch machen können».

Auch das Verhalten der Bevölkerung sei enorm wichtig. «Ohne das Verständnis dafür, dass die angeordneten Schutzmassnahmen wichtig sind, geht es nicht», so die Regierungsrätin.

«Ich appelliere deshalb an die Solidarität aller Bürger. Befolgt die Massnahmen. Macht Homeoffice. Bewegt euch nicht in Gruppen. Dann schaffen wir das.»