Kanton Solothurn

Ausstellungen geschlossen – jetzt müssen die Kunstmuseen kreativ werden

Ausstellungen, die keiner sehen kann. In den solothurnischen Kunstinstitutionen wurde man von der Coronakrise kalt erwischt.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Im Kunsthaus Grenchen wären derzeit auch Werke von Rebekka Steiger zu sehen.

Im Kunsthaus Grenchen wären derzeit auch Werke von Rebekka Steiger zu sehen.

Hanspeter Bärtschi

Derzeit laufen in den Kunstmuseen Solothurn und Olten sowie im Kunsthaus Grenchen Ausstellungen, doch niemand kann sie sich ansehen. Nun machen sich die Verantwortlichen in den Häusern Gedanken darüber, wie das Publikum trotzdem in den Genuss der Ausstellungen kommen kann respektive die Kunstschaffenden ihre Arbeiten präsentieren können.

Im Kunsthaus Grenchen sagt dazu Leiterin Claudine Metzger: «Uns hat es besonders bitter getroffen. Wir eröffneten am 22. März unsere neuen Ausstellungen von Rebekka Steiger, Mathias Gentinetta und Marion Nydegger. Es kann sein, dass niemand diese drei Ausstellungen je physisch sehen kann, denn die Ausstellungen sind bis zum 24. Mai terminiert. Eine Verschiebung ist nicht gut möglich, da das Jahresprogramm aufrechterhalten werden soll.»

Kunsthaus Grenchen
6 Bilder
Rebekka Steiger in ihrer ersten grossen Ausstellung im Kunsthaus Grenchen.
Blick in die Ausstellung im Neubau des Kunsthauses Grenchen.
Mathias Gentinetta, der Drucker zeigt Arbeiten von Künstlern aus 20 Jahren Druckwerkstatt
Aus der Druckwerkstatt
Marion Nyffenegger, Animationsfilmerin liess ihr Atelier im Kunsthaus nachbauen.

Kunsthaus Grenchen

Hanspeter Bärtschi

Sie erklärt, dass man daran sei, Massnahmen zu ergreifen, wie nun die derzeit laufenden Ausstellungen im Kunsthaus Grenchen den Besuchern zugänglich machen kann. «Ich habe mich mit unserer Webmasterin in Verbindung gesetzt und werde die Möglichkeiten der Publikation der Ausstellung über unsere Website prüfen. Leider verzögert sich die Fertigstellung eines Videos momentan, auch Corona-bedingt», sagt Metzger. «Unsere Fotografin/Filmerin muss einen etwas umständlicheren Weg gehen. Es wird leider bestimmt noch eine Woche gehen, bis das Video fertig ist. Auf Facebook und Instagram posten wir allerdings jeden Mittwoch und am Wochenende Fotos aus den aktuellen Ausstellungen.»

Im Kunstmuseum Solothurn laufen derzeit ebenfalls drei verschiedene Ausstellungen zum 2000-jährigen Stadtjubiläum. «Jean Mauboulès: Arbeiten auf Papier», die bis zum 17. April dauert; «Genius Loci Salodorensis» bis zum 7. Juni und «Heinz Schwarz – Hommage» bis zum 4. Oktober. Christoph Vögele, der Museumsdirektor, sagt dazu: «Was es derzeit bereits gibt – und per Newsletter und Aufmacher nochmals vermittelt wird – sind die «Hörbilder», die auf unserer Website unter «Sammlung» angehört und betrachtet werden können. Ebenfalls kann unsere «Sammlung» online besucht werden. Darauf befinden sich mittlerweile bereits 1200 Werke. Da nie der ganze Bestand ausgestellt werden kann, ermöglichen sich hier ungeahnte Entdeckungen», so Vögele.

Weiter sei geplant, aber noch nicht realisiert, Filmmaterial auf der Website zu integrieren. Vögele verspricht: «Wir werden achtminütige Kurzführungen zu thematischen Schwerpunkten unserer derzeitigen Ausstellung Genius Loci Salodorensis produzieren.»

Zudem sei man mit einem Anbieter im Gespräch, der mit speziellen Panorama-Kameras die Sammlungsräume im ersten Stock filmen könnte. Dies wäre auch ein Angebot, das über die Krisenzeit hinaus beibehalten werden könnte. Diskutiert wurden auch Bildbeschreibungen einzelner Kunstwerke oder museumspädagogisches Material für die jungen Gäste. Das Jahresprogramm werde sich etwas ändern, sagt Vögele. «Gewisse Ausstellungen, die für 2020 geplant waren, werden erst 2021 gezeigt werden können.»

«Ideen haben wir viele im Kunstmuseum Olten»

Katja Herlach, Co-Leiterin des Kunstmuseums Olten, erklärt zum Thema: «Wir haben ganz verschiedene Ideen zusammengetragen, um auch während der Schliessungszeit Einblick in unsere Ausstellungen und unsere Sammlung zu geben. Im Moment sind wir noch daran, diese zu ordnen, und arbeiten an konkreten Inhalten und Publikationstools.» Hier laufen die Ausstellungen «Rendez-vous Kostbarkeiten aus der Sammlung der Stiftung des 19. Jahrhunderts» und «Und Hasen, Hasen schneit es fort ...» von Hans Peter Litscher – beide bis zum 26. April.

Katja Herlach führt aus, dass im Kunstmuseum Olten sowieso gerade mehrere Projekte laufen, um die Sammlung und die Ausstellungen künftig auch im digitalen Raum attraktiver präsentieren zu können. «So sind wir dabei, eine neue Website zu bauen, und arbeiten an einer Sammlung online. Mit beiden Projekten sind wir jedoch noch nicht startklar. Entsprechend müssen wir für die Überbrückung der Coronakrise andere Formate nutzen.» Ideen habe man einige: Die Aktivitäten auf Facebook und Instagram können ausgebaut werden. Dort können Werke vorgestellt, virtuelle Rundgänge, Zeichenvorlagen oder Bastelanleitungen angeboten werden, oder es werden Einblicke in die Arbeit hinter den Kulissen oder in Ateliers von Künstlern gewährt. «Zusätzlich lancieren wir neu einen Blog, der auch über unsere Website zugänglich ist. Und Katja Herlach hat noch einen Tipp: «Ausgehend vom im letzten Jahr publizierten Führer zur Kunst im öffentlichen Raum in Olten entwickelt Kunstvermittlerin Yolanda Ludwig Anleitungen für kreative Auseinandersetzungen, die zu Stadtrundgängen animieren, allein oder – mit genügend Abstand – zu zweit.»

Im Hinblick auf Ostern gibt es in Zusammenhang mit Hans Peter Litschers laufender Ausstellung «Und Hasen, Hasen schneit es fort, Millionen jede Stund» nicht nur einen digitalen Rundgang, sondern ganz verschiedene, überraschende Projekte. Zum Beispiel soll eine Anleitung zum Nachstricken des vom Künstler designten Hasen abrufbar sein.

Im Kunstmuseum Olten denkt man auch an die Menschen, die vielleicht weniger mit der digitalen Welt vertraut sind. «Wir versenden Museumspostkarten an Personen aus dem Umfeld des Museums, deren Besuche wir schmerzlich vermissen.»