Amtsgericht Solothurn-Lebern

Angeklagter redet wirres Zeug, da wird der Prozess abgebrochen

Für einen 47-jährigen Türken hätte vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern eine Entschädigung herausgeschaut, wenn herauskam, dass er zu lange im Gefängnis gesessen war. Da er beim Prozess aber widersprüchliche Aussagen machte, wurde das Ganze abgebrochen.

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Er war der Kopf einer angeblich kriminellen Bande, die es auf die beiden Betreiber der Grenchner Bar Tropical abgesehen hatte. E.S.* soll die beiden fast ein Jahr lang erpresst und ihnen so fast 50'000 Franken abgeknöpft haben. Nach der Festnahme kam S. in Sicherheitshaft.

Im Mai 2018 wurde der 47-jährige Türke vom Vorwurf der mehrfachen fortgesetzten Erpressung wegen fehlender Beweise freigesprochen. Schuldig gesprochen wurde er einzig im Vorwurf des Betrugs gegenüber einer Bank. 30'000 Franken hatte er sich erschlichen.

Allerdings wurde das Strafmass damals noch nicht bestimmt. Er kam aber erst einmal auf freien Fuss. Im ersten Schritt habe man über Schuld und Unschuld des Beschuldigten befunden, sagte Staatsanwältin Regula Echle am Freitag gegenüber TeleM1. «Heute wäre es um Fragen der Strafzumessung, Entschädigung, Kosten und auch einen fakultativen Landesverweis gegangen.»

Weil der Angeklagte vor seinem Schuldspruch im Mai elf Monate in Untersuchungshaft gesessen war, konnte er sich Hoffnung auf eine Entschädigung machen. Würde die Freiheitsstrafe für den Betrug nämlich weniger als 11 Monate betragen, müsste der Staat den Angeklagten für jeden Tag zu viel im Gefängnis entschädigen. In der Regel sind dies um die 100 Franken pro Tag.

Korrekte Angaben gesucht

Vor Gericht machte der Mann keinen guten Eindruck. Er legte sich sogar selbst ein Ei, indem er so widersprüchliche Angaben über seine Person, seinen Lohn, seine Familienverhältnisse und die Betrugssumme machte, dass die Richter die Verhandlung vom Freitagvormittag schliesslich abbrachen. Er hatte nicht einmal die Frage der Richter beantworten können, ob er denn nun das geschuldete Geld an die Bank zurückbezahlt hatte.

Am Schluss meinte Gerichtspräsident Yves Derendinger, dass nun im schlimmsten Fall sogar wieder ein fakultativer Landesverweis aufs Tapet kommen könnte.

Das Gericht versucht nun, korrekte Informationen über den 47-Jährigen zu finden und klärt ab, ob eine Falschaussage vorliegt. Wann der Prozess weitergeht, ist laut TeleM1 nicht bekannt. (ldu)

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