Agrotourismus

Alternative zu vollen Campingplätzen: Campieren ist auch bei Solothurner Bauern möglich

Wegen voller Campingplätze suchen begeisterte Camper nach Alternativen. Eine davon: Stellplätze auf den Bauernhöfen. Dafür gibt es keine Auflagen. Der Solothurner Bauernverband macht auf diese Marktnische im Agrotourismus aufmerksam.

Tanja Graziano
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Wenn es auf dem Camping keinen Platz mehr gibt: Bei den Bauern gibts auch Stellplätze. (Archiv)

Wenn es auf dem Camping keinen Platz mehr gibt: Bei den Bauern gibts auch Stellplätze. (Archiv)

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Viele verbringen dieses Jahr ihre Sommerferien in der Schweiz. Dadurch ist die Nachfrage an Campingplätzen für Wohnwagen, Camper und Zelte momentan sehr gross. Viele Campingbegeisterte suchen deshalb nach Alternativen. Eine der Möglichkeiten: ein Stellplatz auf dem Bauernhof.
Gemäss Sandra Helfenstein, Mediensprecherin des Schweizer Bauernverbandes, ist es für Bauern sehr einfach, solche Stellplätze anzubieten. «Sie haben wenige Auflagen. Die Plätze werden für eine Übernachtung angeboten und müssen keine Infrastruktur haben».

Deshalb biete der Schweizerische Bauernverband auf der Website vomhof.ch neu die Kategorie «Stellplatz» an. «Wir haben festgestellt, dass dieses Jahr bei der Bevölkerung ein enormes Bedürfnis da ist», so Helfenstein. «Viele Camper haben uns angefragt, warum es nur wenige Stellplätze im Angebot hat.»

Vielen Bauern ist die Möglichkeit nicht bekannt

Durch die neue Kategorie auf der Website wolle der Schweizer Bauernverband den Bauern sowie der Bevölkerung ermöglichen, das Angebot besser zu nutzen. Das Projekt stehe jedoch ganz am Anfang. «Wir haben erst begonnen, die Bauern zu informieren. Bei der Bevölkerung haben wir noch keine Werbung gemacht», erklärt Helfenstein. Damit warte man noch bewusst, bis ein ausreichendes Angebot auf der Website vorhanden sei.

Sie selbst gehe jedoch davon aus, dass das Interesse da sei. Der Vorteil der Stellplätze: Im Gegensatz zu den Campingplätzen seien die Stellplätze auf den Bauernhöfen mit keinen Auflagen verbunden. «Der Stellplatz ist für eine Nacht, nicht länger. Weiter müssen sich die Gäste selbst versorgen. Der Bauernhof muss keine Toiletten, Duschen oder Strom bereitstellen», sagt Helfenstein. Bei Campingplätzen sei dies anders. «In diesem Fall braucht man eine offizielle Baubewilligung, um die nötige Infrastruktur einzurichten.» Die Bauern müssen sich hier an das Raumplanungsgesetz halten.

Stellplätze haben weniger Auflagen als Campingplätze

Je nach Auflagen der betroffenen Gemeinde sei sogar eine Umzonung nötig. «Einen Campingplatz zu eröffnen ist wie ein eigenes Gewerbe zu gründen. Ein solches Projekt ist mit kantonalen Auflagen sowie jenen der Gemeinden verbunden», so Helfenstein. Bisher haben drei Höfe im Kanton Solothurn auf der Plattform ihre Stellplätze registriert: Thomi’s Biohof in Balsthal, der Dietschi-Hof in Selzach und der Gugenhof in Stüsslingen. Das Angebot läuft also erst an.

«Wir haben bereits gute Erfahrungen mit Familien gemacht, die unsere Stellplätze genutzt haben», sagt Thomi Winistörfer, Besitzer von Thomi’s Biohof in Balsthal. «Die Kinder hatten grosse Freude am Hof und an den Tieren.» Diese Woche hätten sogar zwei junge Besucher auf dem Hof gezeltet. «Diese haben jedoch schon lange im Voraus angerufen.» Wasser stehe bei Bedarf zur Verfügung, Strom jedoch nicht. «Die Camper haben eigentlich alles selbst dabei», so Winistörfer. Im Gegensatz zu ihm hatte Markus Dietschi vom Dietschi Hof in Selzach noch keine Gäste.

Die Stellplätze auf dem Dietschi Hof sollen dazu dienen, der Bevölkerung die Landwirtschaft näher bringen.

Die Stellplätze auf dem Dietschi Hof sollen dazu dienen, der Bevölkerung die Landwirtschaft näher bringen.

Michel Lüthi/bilderwerft.ch

Seit Anfang Woche können Stellplätze vermerkt werden

«Letzte Woche haben wir einen Newsletter vom Solothurner Bauernverband zum Thema Stellplätze bekommen», so Dietschi. Dies habe ihn dazu bewegt, auf seinem Hof Stellplätze anzubieten. Seit Montagmorgen sei nun sein Angebot registriert. Die Stellplätze liegen in wenig Entfernung vom Hof. Ein ruhiges Plätzchen, neben einem Bach mit Ausblick aufs Feld. «Da der Platz nicht beim Hof ist, kann ich kein Stromkabel ziehen. Wasser steht nach Bedarf zur Verfügung», erklärt Dietschi bei einem Rundgang.

Diesen Sommer erwarte er noch nicht so viele Anfragen. «Die Leute müssen erst noch darauf aufmerksam werden», so Dietschi. Er selbst finde es aber eine gute Sache. «Das Angebot ist eine gute Möglichkeit, der Bevölkerung die Landwirtschaft näher zu bringen.»