Solothurn schreibt Geschichte

Heisser Frühling 1980

Solothurn Tourismus lädt Solothurner ein, von Tag zu Tag eine Kriminalgeschichte weiterzuschreiben. Aus den eingeschickten Ideen entwickelt ein Schreib-Team dann jeweils einen neuen Abschnitt. Teil 14.

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Ein Rest der Castrummauer, wo Alma Kuno hinzerrt. (Archivbild)

Ein Rest der Castrummauer, wo Alma Kuno hinzerrt. (Archivbild)

Oliver Menge

Autorin: Simone Leitner

Mitwirkende: Isabel Hunziker, Zuchwil | Claudia Sollberger, Halten | Hans Fischer, Lüterkofen | Susanne Im Hof, Grenchen | Mathieu Im Hof, Grenchen | Joëlle Harms, Selzach

Studer ist auf dem Weg zu Alma, ist voller Zweifel, Sorgen und diffuser Ängste. «Ich muss klaren Kopf bewahren, sonst eskaliert die Situation vollends», murmelt er vor sich hin und schaut trotzig in den Rückspiegel. Entschlossen besinnt er sich auf seinen scharfen Verstand und listet die Fakten auf: «Drei historische Gegenstände sind weg, die Vergangenheit hat uns eingeholt und Mona lebt!» Studer nickt und biegt Richtung Klosterplatz ab. Auch die spontane Erfindung des Krimi-Trails hat für Solothurn immerhin den Tourismus Award in der Kategorie «Best Tour» eingebracht. Studer hat seine Gedanken geordnet. «Alma, bitte öffne die Tür, ich bin in zwei Minuten bei dir.»

Als Studer bei Alma eintrifft, findet er sie blass und aufgewühlt vor. Die sonst fröhlichen Augen, die er schon immer an ihr mochte, schauen ihn traurig an. «Kuno, als ich Mona in der Dunkelheit vor mir sah, dachte ich sie sei ...! » Mona, damals die Anführerin des Quartetts. Sie war besessen davon, der Öffentlichkeit zu demonstrieren, wo die wahren Fehler im System lagen. Alma wollte schon länger aussteigen. «Kuno, du kennst mich doch, ich liebe Gerechtigkeit, unsere Stadt und lebe nach diesem Wengigeist, der in unseren Gassen herrscht. Wie oft erzähle ich den Besucherinnen und Besuchern auf den Stadtführungen, dass die Konflikte in Solothurn ohne Gewalt und in friedlicher Absicht gelöst werden.» Mona war anders. Sie liebte den Nervenkitzel, den Konflikt. Und sie polarisierte und provozierte. Das historische Quartett war damals als anarchistische Gruppierung der Jugendbewegung 1980 positioniert und vermummt auch in TV-Sendungen zu sehen. Dort hatten sie immer betont, dass es nicht um Gewalt, nicht um Geld, sondern nur um die Demonstration der gesellschaftlichen Naivität gehe. «Ich verstehe immer noch nicht, warum wir damals, als man uns gerufen hatte, Monas Leiche zu identifizieren und diese gar nicht da war, dass wir da geschwiegen haben?»

Kommissar Studer hält seinen Kopf in den Händen und hört Alma weinen. «Ich kann nicht mehr, mach etwas, bitte Kuno!» Studer stellt seinen Kaffeebecher auf den Tisch, rutscht zu Alma aufs Sofa und nimmt sie in den Arm. «Alma, wir können nichts ungeschehen machen, aber wir sind nicht verloren.» Alma schaut ihn ungläubig an. «Ich bin kein kleines Mädchen. Ist lieb gemeint, aber sei ehrlich zu mir.» Studer zählt die Fakten auf. Das Wichtigste: Mona lebt! Die Diebstähle wurden nie gemeldet, die Hodler-Bilder waren offiziell nie weg. Studer kann Alma beruhigen. Sie wissen aber beide, dass sie unverzüglich zwei Probleme lösen müssen: Mona’s Rachefeldzug und Jeffrey’s Recherche.

«Ich muss abliefern Kuno!», schreit Jeffrey ohne Begrüssungsfloskel ins Telefon, «von Burg sitzt mir im Nacken!». Studer beruhigt ihn. «Okay Jeffrey, ich übernehme von Burg, stecke ihm, dass wir für die Wildschweine, die bei uns im Revier grosse Schäden anrichten, mit den

Berner Behörden eine gute Lösung gefunden haben. Alles noch top secret.» Jeffrey zweifelt. «Wir müssen jetzt zusammenarbeiten. Keine Alleingänge mehr, sonst ...!» Studer droht.

Er ruft Chefredaktor von Burg an. «Studer, sie mögen mich für einen Idioten halten, aber diese fadenscheinige Wildgeschichte ist doch ein billiges Ablenkungsmanöver.» «Hören Sie, ich mach das wieder gut, sobald wir Licht in unseren Fall gebracht haben», verspricht ihm Studer. «Ich nehme sie beim Wort. Sie wissen aus Erfahrung, wenn ich recherchiere, dann kommt alles ans Tageslicht. Nicht nur diese lächerliche Liebesgeschichte, dann sind sie am Ende!» Kuno Studer schluckt. «Ach von Burg, sie schlauer Fuchs – alles verjährt.»

«Wo hat Mona bloss diese Tonscherbe versteckt?», überlegt Alma. «Ich weiss, dass sie damals eifersüchtig war, auf mich und auf Kuno. Gut möglich, dass sie uns jetzt schaden will. Aber warum genau 40 Jahre später?» Draussen herrscht eine warme, leichte Brise. Alma und Kuno schlendern der Aare am Quai entlang. «Kuno, ich habs!» Warum bin ich nicht gleich darauf gekommen». Alma zerrt Kuno zu den Resten der Castrummauer. Gebaut im Jahr 300, die damals den kleinen Vicus Salodurum abgelöst hatte. «Hier irgendwo muss sie sein, die wertvolle Tonscherbe, hier am Ort der Entstehung! Vor 2000 Jahren fand man sie hier! Mona hatte schon damals auf Symbole geachtet, bestimmt wollte sie, dass die Scherbe wieder an ihren Ursprungsort gebracht wird!» Kuno und Alma entdecken eine Stelle mit losen Steinen, graben, sprechen kein Wort und dann: «Gefunden!», schreien beide gleichzeitig. Doch daneben liegt noch mehr. «Kuno, unfassbar, schau, das könnte unsere Rettung sein – und die des Solothurner Jubiläumsjahrs! Nur von Mona kann’s nicht sein, das kennen nur wenige Solothurner Insider ...».

Hinweis vom 11.4.

Am Dienstag, 14. April 2020 schreibt der bekannte Solothurner Autor Christof Gasser einen weiteren Geschichten Teil. Gasser feiert mit seinen