Grenchen

Wohnheim Ypsilon findet in der «Howeg» eine neue Heimat

Die Grenchner Institution für Demenzkranke zieht um in die Seniorenresidenz im Howeg. Das Ypsilon wird in zwei Etappen umziehen.

Daniela Deck
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Das Wohnheim Ypsilon zieht um ins Howeg-Areal, die Dachterrasse wird zusammen mit der «Seniorenresidenz» genutzt.

Das Wohnheim Ypsilon zieht um ins Howeg-Areal, die Dachterrasse wird zusammen mit der «Seniorenresidenz» genutzt.

Andreas Toggweiler

Nach einem vergeblichen Anlauf an der Solothurnstrasse hat «Y-psilon», das Heim für Demenzpatienten, eine neue Heimat gefunden. Die beiden Wohngruppen können endlich unter ein Dach zügeln, ins Howeggebäude an der Maienstrasse. Ypsilon hat sich im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss eingemietet. Die Dachterrasse wird sich die Institution mit der Seniorenresidenz oben im Haus teilen.

Die eine der beiden Ypsilon-Wohngruppen ist im Februar bereits in die Howeg eingezogen, die andere folgt Mitte März. «Für den Umzug jeder Wohngruppe brauchen wir ungefähr drei Wochen», sagt Claire-Lise Leisi. Sie leitet das Pflegeheim für Demenzpatienten zusammen mit ihrer Tochter Anouk Leisi. Der Umzug gehe übrigens nicht mit einem Ausbau des Angebots einher. In der Howeg wird Ypsilon wie bisher über 18 Betten verfügen. Wie sich dem Baugesuch zur Nutzungsänderung entnehmen lässt, handelt es sich um zwölf Einzelzimmer und drei Doppelzimmer.

24 h Notfallbetreuung

«Für uns ist es entscheidend, dass wir Ypsilon endlich unter einem Dach vereinigen können. Bisher brauchten wir an der Central- und an der Wiesenstrasse alles doppelt, Nachtwache, Küche und so weiter. Das geht ins Geld. Jetzt können wir diese Kosten endlich einsparen», freut sich Claire-Lise Leisi.

Die Synergien beschränken sich nicht nur auf die beiden Wohngruppen für Demenzkranke. Auch die Seniorenresidenz in der Howeg profitiert. Neu erhalten die bereits ansässigen Seniorinnen und Senioren rund um die Uhr Betreuung im Notfall. Das vermittelt Sicherheit. Wie solche Hilfeleistungen abgegolten werden, wird derzeit in einem Vertrag von den beiden Institutionen erarbeitet. «Zwei der Senioren in der Residenz beziehen zudem das Essen von uns», sagt Claire-Lise Leisi.

Begegnungen auf dem Dach

«Beide Seiten profitieren vom Einzug von Ypsilon», freut sich auch Martina Müller, Co-Leiterin der Seniorenresidenz. Eine Überzeugung, die ihrer Aussage nach die meisten der alt eingesessenen Bewohner teilen. «Das Haus ist besser ausgelastet und unsere Klienten können beim Ypsilon Dienstleistungen beziehen. Jetzt, nach dem Einzug der ersten Demenzwohngruppe, bin ich angenehm überrascht, wie gut das gegangen ist. Ich habe mit einigen Schwierigkeiten gerechnet, aber solche hat es nicht gegeben. Wir hören nicht einmal etwas von den neuen Mitbewohnern.»

Berührungspunkte zwischen beiden Senioren-Gruppen wird es nur auf der Dachterrasse geben. Die Ypsilon-Bewohner werden dabei stets von einer Aufsichtsperson begleitet, denn die Terrasse ist nicht mit einem Demenzgarten zu vergleichen, in dem sich demenzkranke Personen gefahrlos selbstständig bewegen können. «Wir hatten schon am alten Standort keinen Garten. Dafür gehen wir mit unseren Bewohnern oft spazieren, und das werden wir jetzt, wo wir die Witi vor der Haustür haben, natürlich weiterhin so halten», sagt Ysilon-Leiterin Claire-Lise Leisi.

Aufrüsten beim Brandschutz

Bis letzte Woche lief die Einsprachefrist für die Umnutzung der Howeg-Liegenschaft. Denn nach dem Abschluss des Vertrags mit Ypsilon letzten September haben sich Müllers respektive ihre Firma Meto-Fer Automation, mit der Eingabe der Umnutzung von «Wohnen-Büro-Hotelzimmer» zur «Wohngemeinschaft für demenzkranke Menschen» reichlich Zeit gelassen. Das Begehren wurde Ende Januar bei der Baudirektion eingereicht und am 22. Februar publiziert. Einsprachen sind bis gestern keine eingegangen, wie Adrian Cslovjecsek, Leiter des Bauinspektorats, auf Anfrage sagt.

Baulich mussten wir hauptsächlich beim Brandschutz aufrüsten», erklärt Martina Müller. So würden auf beiden Etagen Brandschutztüren und Feuermelder eingebaut. Zudem habe man in Zusammenarbeit mit einem Sicherheitsberater Fluchtwege erstellt und Evakuationspläne ausgearbeitet.

Die Institution Y-Psilon hätte in dieses Gebäude an der Solothurnstrasse umziehen sollen Die Institution Y-Psilon hätte in dieses Gebäude an der Solothurnstrasse umziehen sollen

Die Institution Y-Psilon hätte in dieses Gebäude an der Solothurnstrasse umziehen sollen Die Institution Y-Psilon hätte in dieses Gebäude an der Solothurnstrasse umziehen sollen

Oliver Menge

Von der Pferdewechselstation zum Pensionsbetrieb

Das repräsentative Gebäude an der Solothurnstrasse 57, in das das Demenzwohnheim Ypsilon ursprünglich einziehen wollte (wir berichteten), hat noch keinen neuen Mieter gefunden. Eigentümer Franz Wolf will aus der einstigen Pferdewechselstation der Postkutsche Olten-Biel (später Uhrenfabrik Tschui) einen Pensionsbetrieb oder allenfalls einen einfachen Hotelbetrieb machen.

«Noch bin ich mit der Baudirektion in Verhandlung für die Farbgestaltung der Fassade. Ziel ist es, dem Haus möglichst wieder sein ursprüngliches Erscheinungsbild zu geben. Das Gebäude ist als erhaltenswert taxiert, die ältesten Teile davon sind mindestens 120 Jahre alt.» Spätestens bis zum Jahresende, so sagt Wolf, soll das neue Nutzungskonzept stehen. (dd)