Metallindustrie

«Wir bedienen eine Nische in der Nische»: Eine Grenchner Firma beliefert weltweit Metzgereien mit Ersatzteilen

Die Grenchner Licoswiss mit drei Angestellten beliefert weltweit Metzgereien mit Ersatzteilen. Ein Blick hinter die Kulissen der wenig bekannten Kleinfirma.

Andreas Toggweiler
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Eigentümer und Geschäftsführer Michael Liechti
8 Bilder
Die Firma hat sich auf Ersatzteile für Fleischwölfe spezialisiert und hat Kunden auf der ganzen Welt. Lochscheiben
Messerhalter
Klingen (links) und Klingenhalter
noch ungeschliffene Klingen
Zum Versand nach Australien bereit...
In der Fabrikhalle
So sind die Teile im Apparat angeordnet

Eigentümer und Geschäftsführer Michael Liechti

Hanspeter Bärtschi

Kleinstbetriebe werden mitunter vom Volksmund auch liebevoll «Budeli» genannt. Gepflegter sagt man KMU, doch da kann die Spanne der Angestellten dann bis 100 Personen ­reichen. Das ist bei der Firma Licoswiss in Grenchen definitiv nicht der Fall. 250 Stellenprozente umfasst die Payroll von Inhaber und Geschäftsführer Michael Liechti.

Die Fabrikräume befinden sich fast etwas versteckt, zurückversetzt in der Liegenschaft eines ehemaligen Malergeschäftes an der Däderizstrasse 26. Das Grenchner Wohnquartier ist ortstypisch durchzogen von kleineren und grösseren Industriebetrieben.

Die Produkte sind in aller Welt gefragt

Doch nicht eben viele solcher Kleinstbetriebe schaffen es, ihre Waren in die ganze Welt zu exportieren. Licoswiss ist dies gelungen mit Zubehör für Fleischhackmaschinen für Metzgereien und fleischverarbeitende Betriebe. Konkret sind es sogenannte Lochscheiben, Messerhalter und Klingen für Fleischwölfe.

«Wir bedienen sozusagen eine Nische in der Nische», sagt Michael Liechti, der den von seinem Grossvater Albert Liechti gegründeten Betrieb in dritter Generation leitet. Denn die Messer von Licoswiss sind rostfrei, was für die Hygiene ein entscheidender Vorteil ist.

Als es in Grenchen noch viele Metzgereien gab

Alles begann in der Krise der 30er-Jahre, als Grossvater Liechti seine Stelle in der Uhrenindustrie verlor. Er schaffte sich eine Maschine an und begann diverse feinmechanische Arbeiten auszuführen. Die Grossmutter ging damals von Metzgerei zu Metzgerei – von denen es damals in Grechen rund ein Dutzend gab – und anerbot sich, die Messer und Fleischwölfe nachzuschleifen.

Von der Marktstrasse ins Däderiz

«So begann unser Geschäft», erzählt Liechti. Da die mitgebrachten Messer und Lochscheiben manchmal so unappetitlich waren, entwickelte Albert Liechti die ersten rostfreien Messer und Lochscheiben, die sich bald einen guten Ruf erwarben. Dieser verbreitete sich immer mehr, auch jenseits der Landesgrenzen. An der IFFA, der Fachmesse der Fleischverarbeiter in Frankfurt, ist man alle drei Jahr präsent.

Die Produktionsräume befanden sich damals in der Marktstrasse, in einem Anbau zum ersten Hochhaus der Strasse, dass auch noch Albert Liechti bauen liess. Die Anbauten wurden vor einigen Jahren abgebrochen. 2014 zog die Firma vom Stadtzentrum an die Däderizstrasse um. Gegenüber den rund ein Dutzend Angestellten in den Blütejahren der Nachkriegszeit wurde in späteren Jahren stark rationalisiert. «Wir haben auch die Fertigungstiefe reduziert und beziehen heute mehr Halbfabrikate von Zulieferern», erklärt Liechti.

Ein Grossteil bleibt Handarbeit

Dennoch ist ein Grossteil der Tätigkeiten Handarbeit, die Mitarbeiter sind langjährig dabei und ein wichtiger Bestandteil des Betriebskapitals. Sie haben beispielsweise den richtigen Dreh raus für das Schleifen der Messer. Dank ihrem Können und ihrer Erfahrung wird aus einem an sich genormten Standardteil für Fleischverarbeitungsmaschinen ein weltweit gefragtes Qualitätsprodukt.

Im Lager liegen drei Kartons mit versandfertigem Material bereit. Die Etikette lautet auf Australien, wo man einen eigenen Vertriebspartner hat. 600 Franken kostet der Versand für die drei Boxen, die je etwa die Grösse von zwei Schuhkartons haben. «Nach Ecuador haben wir kürzlich 900 Fr. bezahlt», erläutert Liechti. Corona habe die Luftfrachtkosten explodieren lassen. «Es gibt kaum noch Flüge.»

Der Trend: Zurück zum Dorfmetzger

Corona ist aber ansonsten für die Licoswiss nicht spürbar – im Gegenteil. «Die Leute kaufen wieder vermehrt beim Dorfmetzger ein, sofern es den noch gibt», spürt Liechti Aufwind für sein Marktsegment. «Unsere Teile kommen eher in die kleineren und mittleren Maschinen des Fachhandels.» Die Riesenmaschinen der deutschen Wurstfabriken, dafür gibt’s andere Anbieter.

Generell sei es aber schon so, dass der langfristige Trend des Fleischkonsums sinke, stellt Liechti fest. Und doch bleibt der Winzling Licoswiss die Nummer acht auf dem Weltmarkt, wie er einmal überschlagsweise berechnet hat. Und solange die Kunden ihm treu bleiben, wird das auch noch eine Weile so bleiben. Die Firma Dadaux , ein reputierter Hersteller aus Frankreich, hat sich entschieden, exklusiv Teile des Grenchner Lieferanten einzubauen.