Grenchen

Über 300 Franken pro Quadratmeter: BWO zahlt zu hohe Miete an den Bund

Das Bundesamt für Wohnungswesen BWO in Grenchen soll bekanntlich nach Bern verlegt werden – nicht zuletzt aus Spargründen. Pikant: Der Bund berechnet dem BWO einen Mietpreis für die Räumlichkeiten im bundeseigenen Gebäude, der weit über dem ortsüblichen Preis für Büroräumlichkeiten liegt.

Andreas Toggweiler
Drucken
Teilen
Über 300 Franken pro Quadratmeter und Jahr. In Grenchen liegt der mittlere Mietzins für Büroräume bei 122 Franken.

Über 300 Franken pro Quadratmeter und Jahr. In Grenchen liegt der mittlere Mietzins für Büroräume bei 122 Franken.

Oliver Menge

Heute Mittwoch besucht eine Subkommission der Finanzkommission des Nationalrats das Bundesamt für Wohnungswesen BWO, welches der Bundesrat bis spätestens 2021 nach Bern verlagern will. Der Besuch sei ein turnusgemässer und sei schon seit Monaten abgemacht worden, meint dazu BWO-Direktor Ernst Hauri. Die Subkommissionen der Finanzkommission besuchen periodisch die Ämter ihres Zuständigkeitsbereiches.

An diesen Sitzungen werden die einzelnen Geschäfte der Ämter detailliert betrachtet. «Die für das BWO zuständige Subkommission war letztmals 2013 bei uns, jetzt sind wir wieder an der Reihe», erklärt Hauri. Obwohl der Termin seit längerer Zeit feststehe, werde die sechsköpfige Subkommission auf die aktuelle Entwicklung reagieren: «Aus aktuellem Anlass wird die Kommission natürlich unter anderem auch auf den jüngsten Entscheid des Bundesrates zum BWO eingehen», meint Hauri.

Infos zu internen Mieten

Dazu dürften zum Beispiel Informationen darüber gehören, zu welchen Kosten denn das BWO in den bundeseigenen Räumlichkeiten an der Storchengasse logiert. Wenn es schon ums Sparen geht.

Laut Angaben des Bundesamtes für Bauten und Logistik BBL belegt das BWO eine Bürofläche von 2100 m2. «Als Basismiete für den Edelrohbau bezahlt das BWO 150 Fr. pro m2 und Jahr (Büroräumlichkeiten) respektive 90 Fr. m2/Jahr (Archivraum), schreibt BBL-Sprecher Jonas Spirig auf eine entsprechende Anfrage dieser Zeitung. Die Fachbegriffe «Basismiete» und «Edelrohbau» machen etwas stutzig, also haken wir nach und möchten einfach den effektiven Mietzins wissen. «Den Mietzins, der das BWO jährlich entrichtet, haben wir in Antwort 2 beantwortet.

Mieterseitige Investitionen und Dienstleistungen sind nicht Teil der Basismiete», heisst es aber dazu im Mailverkehr mit dem BBL lediglich. Keine Angaben über die möblierte Miete. Schon mit einer Basismiete von 150 Franken pro Quadratmeter und Jahr würde das BWO deutlich über der Medianmiete von 122 Fr. für Büroraum in Grenchen liegen. Laut einer Erhebung der Firma CSL vom Mai 2017 liegen die Büromieten in Grenchen zwischen 82 und 185 Fr. (die untersten und obersten 10 Prozent nicht eingerechnet).

Über 300 Fr. pro Quadratmeter

Auch wenn das BBL offenbar mauert: Aus internen Quellen des BWO ist zu vernehmen, dass das BWO effektiv eine Miete bezahlt, die mehr als doppelt so hoch ist, wie diese Basismiete: über 300 Fr. pro m2. Auch wenn dabei Möblierung, Nebenkosten und weitere Dienstleistungen inbegriffen sind, wären 300 Fr. für Grenchen ein exorbitant hoher Betrag. Die Grössenordnung wird übrigens von BWO-Chef Hauri auf Anfrage bestätigt.

Zum Vergleich: In der oben erwähnten Erhebung beträgt die Medianmiete für Büroraum in Zürich 260 Fr. Bei einer Quadratmetermiete von 300 Fr. bezahlt das BWO allein an Mietkosten 630'000 Fr. im Jahr. Da würde im Umfeld der realen Grenchner Mietkosten für Büros noch einiges an Sparpotenzial drinliegen.

Das Amt soll aber nach Bern umziehen, an einen noch zu bestimmenden Standort. «Der Bund hat bestehende Liegenschaften, die dafür infrage kommen dürften», schreibt das BBL dazu. Das 1995 erstellte Bürogebäude in Grenchen will das BBL verkaufen. Die Stadt hatte im Rahmen der Diskussionen über den bevorstehenden Wegzug des BWO den Vorschlag gemacht, das Bürogebäude zu kaufen und dem BWO Raum zu vermieten. Nach Bedarf und zu für Grenchen wohl ortsüblicheren Bedingungen.

Das Haus ist zu gross

Dass das Bürogebäude für des jetzige BWO überdimensioniert ist, wird nicht bestritten. Jedenfalls Stand jetzt und wenn der Bund weiterhin kaum Handlungsbedarf auf dem Wohnungsmarkt ortet. Die Nationalräte, die sich heute in Grenchen treffen, werden allein durch diese Tatsachen einiges an Diskussionsstoff erhalten. Ein Solothurner Nationalrat ist in der Subkommission nicht dabei. Die Verhandlungen in den Kommissionen sind überdies vertraulich.

Philipp Hadorn, der SP-Nationalrat aus Gerlafingen, ist Mitglied der Finanzkommission. Ihm liege das Dossier BWO vor, bestätigt Hadorn. Er geht davon aus, dass die Befunde der Subkommission an die Fiko rapportiert werden und dort durchaus im Rahmen einer der kommenden ordentlichen Sitzungen diskutiert werden könnten.